- 23.11.2014, 08:35:56
- /
- OTS0006 OTW0006
Heinisch-Hosek: 4. Frauenenquete zum Thema Bildung und Frauen
Intensiver Austausch mit namhaften Wissenschafterinnen an der PH Wien
Utl.: Intensiver Austausch mit namhaften Wissenschafterinnen an der
PH Wien =
Wien (OTS) - Zum 4. Mal hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek
gemeinsam mit der Plattform 20000frauen zur Frauenenquete eingeladen,
Thema waren aktuelle Fragestellungen zum Bildungssystem aus
Gender-Perspektive. In drei Impulsvorträgen und neun Workshops wurde
der Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung reflektiert sowie über
Theorien und praktische feministische Strategien gesprochen.
Passend zum Thema fand die Enquete zum ersten Mal in einer
Bildungseinrichtung, an der Pädagogischen Hochschule Wien, statt.
Birge Krondorfer hielt als Vertreterin der Plattform 20000frauen
Eröffnungsworte. Mit der Frauenenquete würden die Themen der
Plattform eine erweiterte Öffentlichkeit finden, Veranstaltungen wie
diese öffneten Raum für kritische Diskussionen und
Auseinandersetzungen. Frauen- und Bildungsministerin Gabriele
Heinisch-Hosek hielt in ihrer Eröffnungsrede fest, dass der Titel der
Enquete "Frauen.Bilden.Kritik" und die heutige Auseinandersetzung mit
dem Thema zeigen würde, dass es eine Reihe von Überschneidungen und
Synergien zwischen dem Bildungs- und Frauenressort gäbe.
Mehr Bewegung bei der Frage der Bildungsvererbung notwendig
Die Studie "Education at a Glance" der OECD habe zuletzt ergeben,
dass Österreich mehr Bewegung bei der Vererbung von Bildung brauche.
"Die Studie zeigt, dass wir hier aufholen müssen", so Heinisch-Hosek.
Kinder, deren Eltern AkademikerInnen sind, hätten laut Studie viel
höhere Chancen, selbst ein Studium abzuschließen, als Kinder von
Personen, die die Pflichtschule absolviert haben. "Als
Bildungsministerin ist es meine Aufgabe, möglichst wenige
zurückzulassen und für möglichst viele Menschen Bildungsabschlüsse zu
ermöglichen. Eine gute Ausbildung ist die beste Basis für den
Einstieg in ein erfolgreiches Erwerbsleben," so Heinisch-Hosek, die
darauf verweist, dass bereits im Kindergarten als erste
Bildungseinrichtung der Grundstein gelegt werde und Kinder beim
Übergang in die Volksschule begleitet werden sollen. Mit der
ganztägigen Schule seien Kinder bestmöglich betreut, während Eltern
Beruf und Familie vereinbaren können.
Die Frauenministerin skizzierte weiter, dass es einen Gender Gap in
der Ausbildung gibt. "Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor,
trotzdem sind sie bei Führungspositionen viel zu wenig vertreten", so
Heinisch-Hosek. "Die Wissensgesellschaft muss gleichberechtigt sein.
Denn während unter den StudienanfängerInnen mehr als die Hälfte
weiblich sind, bewirkt die gläserne Decke bei Master, PhD und
ProfessorInnen einen rapide abfallenden Anteil an Frauen. Das darf
und kann sich eine wissensbasierte Gesellschaft nicht leisten."
Wieviel Gender steckt in den Schulen?
"Mädchen sollen sich frei von Stereotypen und Rollenbilder für eine
Ausbildung und einen Beruf ihrer Wahl entscheiden können. Hier müssen
wir bereits früh ansetzen", so Heinisch-Hosek. Im Bildungs- und
Frauenministerium gibt es eine eigene Abteilung "Gender und Schule",
die "Verbesserung der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit im
Bildungswesen" ist eines der zentralen Wirkungsziele des Ressorts.
Weiters ist das Unterrichtsprinzip "Erziehung zur Gleichstellung von
Frauen und Männern" in den Lehrplänen der meisten Schularten
verankert, und Gender-Diversitäts-Kompetenz ist in der
PädagogInnenbildung festgeschrieben. Der Ausbau der Berufs- und
Bildungswegorientierung passiert auf der Sekundarstufe I unter
besonderer Berücksichtigung geschlechtssensibler Berufsorientierung.
"Wir sind auf einem guten Weg, diesen Weg werden wir fortsetzen", so
die Ministerin in ihren Eröffnungsworten abschließend.
Keynote-Sprecherinnen: Mischung zwischen Theorie und Praxis
Susanne Dermutz ging in ihrer Keynote der Frage nach, welche
Bedeutung das Geschlecht für die (Aus-)Bildung hat. Noch immer würden
Stereotypen und Rollenbilder von Familie und Schule (re-)produziert
werden. Sie plädierte für eine feministische Schulforschung und für
eine Frauenforschung, die auch Eingang in die Schule findet.
Michaela Judy referierte zum Thema "Polyphonie. Oder: Feministische
Bildung zwischen Autonomie, Dialog und Solidarität" und skizzierte
Möglichkeiten feministischer Erwachsenenbildung.
Als dritte Keynote-Sprecherin widmete sich Wiltrud Gieseke der
Fragestellung "Genderverhältnisse in Bildung. Zwischen Entwicklung
und Stillstand - wo befinden sich die Frauen?" und zog Vergleiche
zwischen Deutschland und Österreich. Gieseke ging der Frage nach,
wieso Frauen auf der einen Seite so gut ausgebildet und top
qualifiziert sind, aber auf der anderen Seite im Laufe ihres
Erwerbsleben verlieren.
Plädoyer für die ganztägige Schule
In der abschließenden Diskussion mit allen Teilnehmerinnen sprachen
sich die Frauen mehrheitlich für die Umsetzung der ganztätigen
verschränkten Schule aus. Die ganztägige Schulform bietet Kindern auf
der einen Seite die beste Bildung und ermöglicht vor allem Frauen die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Die Diskussion in den Workshops
hat gezeigt, wie wichtig feministische Bildungsarbeit ist", so
Heinisch-Hosek im Schlussplenum und bedankte sich abschließend für
die engagierte und konstruktive Beteiligung der Teilnehmerinnen an
der Enquete.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MUK






