Psychopharmaka in Pflegeheimen nur nach ärztlicher Verordnung

Anregung zum gesellschaftlichen Diskurs: Wie wollen wir altern und sterben?

Wien (OTS) - Der Bundesverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs (Lebenswelt Heim) weist die pauschalen Anschuldigungen in der ZIB 1 am Mittwoch, 19. November 2014 über Psychopharmaka in Seniorenheimen in aller Entschiedenheit zurück. Die Verordnung der Medikamente liegt in der Anordnungsverantwortung der Ärzte und ist im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG 1997) klar geregelt, die Anordnungsverantwortung bzgl Psychopharmaka im HeimAufG. Das Pflegepersonal hat für eine korrekte Verabreichung zu sorgen. Der Bundesverband regt zum gesellschaftlichen Diskurs an: "Wie wollen wir altern und sterben?"

Unbestritten ist, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner in dieser Lebensphase Medikamente benötigen. Diese Medikamente erleichtern oftmals ein menschenwürdiges Altern und werden aufgrund der geltenden Gesetzeslage ausschließlich durch Ärzte verordnet. Das Pflegepersonal hat die Aufgabe, für die korrekte Verabreichung zu sorgen. "Auf keinen Fall werden Psychopharmaka wie im ORF Beitrag dargestellt, vom Pflegepersonal nach Lust und Laune vergeben. Psychopharmaka mit einer beruhigenden und dämpfenden Wirkung dürfen von einem Arzt nur in begründeten Fällen verordnet und dann vom Pflegepersonal korrekt verabreicht werden - dies ist im Heimaufenthaltsgesetz klar geregelt", fasst Markus Mattersberger, Präsident des Bundesverbandes der Alten- und Pflegeheime Österreichs, die Meinung des Vorstandes des Verbandes zusammen. Auch gäbe es klar formulierte Betreuungs- und Pflegekonzepte, die die gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreichs Alten- und Pflegeheimen in ihrem Bemühen um ein würdevolles Leben der Bewohner und Bewohnerinnen unterstützen.

In aller Entschiedenheit weist Mattersberger daher die verallgemeinernde Aussage, dass bei Personalmangel oft Psychopharmaka verabreicht würden, zurück und kritisiert die mangelnde Recherche und unsachliche Darstellung der ORF Berichterstattung: "Sie ist ein Affront gegen die tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Alten- und Pflegeheimen, die täglich mit großer fachlicher und menschlicher Kompetenz die benötigte und Betreuung und Pflege leisten".

Altenpflege, eine gesellschaftliche Verantwortung

"Selbstverständlich gibt es immer ein Verbesserungspotential, das ist uns auch bewusst und wir sind da auch permanent dran", betont Mattersberger und stellt fest, dass Pflege insgesamt als gesellschaftliche Aufgabe zu sehen ist. "Wir müssen uns als Gesellschaft die Frage stellen, was sind wir bereit in adäquate Systeme zu investieren? Wenn wir die Ausgaben für stationäre Pflege in Prozent des BIP in Europa vergleichen, so liegen die Niederlande bei 2,2%, Norwegen bei 1,6%, Dänemark bei 1,1%, Deutschland und Österreich bei 0,8%. Den Heimen werden bestimmte Rahmenbedingungen vorgegeben und somit sind auch nur bestimmte Leistungen möglich. Wollen wir als Gesellschaft daher einen höheren Personalschlüssel und damit ein Mehr an persönlicher Betreuung in unseren Heimen, auch TherapeutInnen und ÄrztInnen, gilt es die Rahmenbedingungen zu verändern. Eine Skandalisierung der Heime bedeutet, sich als Gesellschaft an der eigenen Verantwortung für entsprechende Rahmenbedingungen für verbesserte Strukturen vorbeizuschummeln." So sei Altersdepression durchaus ein Thema in den Heimen. Es fehlen den Heimen jedoch die PsychologInnen, TherapeutInnen, FachärztInnen für Geriatrie etc., auch die Schnittstelle zwischen Gesundheits- und Sozialsystem sei unbefriedigend bis gar nicht gelöst, so Mattersberger, der damit auch zu einem gesellschaftlichen Diskurs anregt: "Wie wollen wir in unserer Gesellschaft altern und sterben?"

Abschließend streicht Mattersberger positiv heraus: In keinem europäischen Land gibt es eine vergleichbar hoch zufriedenstellende rechtliche Situation, in der die Anliegen und die Selbstbestimmung der BewohnerInnen so stark gewahrt werden wie in Österreich. Das Heimaufenthaltsgesetz und die Selbstbestimmung der BewohnerInnen in den Heimen sind ein hohes Gut!

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Markus Mattersberger, MMSc MBA
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