Strauss, Krassnitzer, Obonya und Hochmair drehen "Meine Frau, eine Fremde"

Setbesuch bei Lars Beckers topbesetztem ORF/ZDF-Drama

Wien (OTS) - "Das Spannende an der Geschichte ist, dass man irgendwann einmal die Perspektive auf das eigentliche Opfer verliert." Und dieses ist Harald Krassnitzers TV-Ehefrau Ursula Strauss: Bei den aktuellen Dreharbeiten zum ORF/ZDF-Drama "Meine Frau, eine Fremde" verliert die titelgebende Protagonistin nach einem Autounfall ihr Gedächtnis und kann sich an nichts und niemanden mehr erinnern. Dann stellt sich heraus, dass es kein gewöhnlicher Unfall gewesen sein kann - und genau daraus entwickelt sich eine ganze eigene Dynamik aller beteiligten Figuren. Bei einem Setbesuch in Wien gaben Ursula Strauss und Harald Krassnitzer, die schon beim "Tatort" und bei "Schnell ermittelt" zusammengearbeitet haben, sowie Dominik Warta, Philipp Hochmair und Cornelius Obonya gestern, am Mittwoch, dem 19. November 2014, einen ersten Einblick in den aktuellen Stand der Ermittlungen. In weiteren Rollen spielen unter der Regie von Lars Becker, der gemeinsam mit Bernhard Wutka auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, u. a. Nicholas Ofczarek, Juergen Maurer, Michou Friesz und Peter Raffalt. Regie führt Lars Becker. Die Dreharbeiten dauern bis 6. Dezember, der Sendetermin ist noch offen.

Ursula Strauss: "Wie ein Kind, das die Welt zum ersten Mal sieht"

Ursula Strauss (auch am 17. Dezember in ORF 2 im "Bergdoktor"-Special "Schuld"), die im September selbst Opfer eines Autounfalls geworden ist, spielt nun die Pflegerin Maria, die von einem Auto erfasst und schwer verletzt wird: "Es ist nicht die gleiche Situation. Ich hatte vorher ein mulmiges Gefühl, das war dann aber total unbegründet. Es ist Arbeit und es ist eine Geschichte, die man erzählt. Und die Stuntleute waren so lieb und aufmerksam, das ganze Team ist so unterstützend. Ich freue mich, dass ich wieder arbeiten darf. Und gestern bin ich auch das erste Mal wieder Auto gefahren, hat super funktioniert und Spaß gemacht."

Maria fällt kurzzeitig ins Koma und leidet nach dem Erwachen unter retrograder Amnesie: Sie kann sich weder an den Unfall noch an ihren Namen, an Ehemann Bruno (Harald Krassnitzer) oder die zwei gemeinsamen Kinder erinnern. "Es ist eine grauenvolle Vorstellung. Die Vorstellung, seine Identität von einer Sekunde auf die andere zu verlieren und nicht mehr zu wissen, wer man ist, wie man funktioniert und was man fühlt, ist grauenvoll. Sich auf die Suche nach der Darstellungsmöglichkeit als Schauspieler zu machen, ist reizvoll. Unsere Arbeit besteht daraus, sich annähernd in etwas hineinzudenken, was nicht ist. Man spielt immer einen anderen Charakter, und in diesem Fall muss ich mir vorstellen, dass sich die Figur, die ich spiele, an nichts erinnern kann, sich nicht auskennt, dass man alles zum ersten Mal sieht - wie ein Kind ohne Geschichte, wie ein Kind, das die Welt zum ersten Mal sieht. Das Buch ist extrem gut geschrieben, es wird extrem genau gearbeitet, und Lars Becker ist ein liebevoller Gemeinsam-Entwickler mit Genauigkeit und Präzision. Die Arbeit macht großen Spaß."

Harald Krassnitzer: "Ein unglaublich schönes Sammelsurium an Psychogrammen"

Harald Krassnitzer, Ehemann und Staatsanwalt, setzt mit seinem Freund, Kriminalkommissar Freddy Turek (Dominik Warta), alles daran, den Verursacher des Unfalls zu überführen: "Der Film beginnt damit, dass zwei Menschen, die sehr vertraut miteinander umgehen, ein Kaffeehaus verlassen. Beim Überqueren der Straße passiert ein fürchterlicher Unfall: Die Frau wird überfahren, der Fahrer begeht Fahrerflucht. Die Frau liegt bewusstlos am Boden, ist schwer verletzt und muss ins Krankenhaus gebracht werden. Dort stellt man fest, dass sie ein schweres Schädelhirntrauma erlitten hat, mit der Folge einer kompletten Amnesie - sie kann sich also an nichts erinnern. Zeitgleich sieht man einen Mann, mit zwei Kindern an den Händen und einem Packen Windeln, der diese Frau im Krankenhaus besucht. Und man stellt fest, dass dieses vertraute Paar ein Liebespaar war und dass dieser Mann mit den Kindern der Ehemann ist, an den sie sich anfangs nicht erinnern kann. Schrittweise muss sie eine Form der Erinnerung daran zurückgewinnen - doch diese hat nichts mehr mit der Ehe zu tun, die einmal war."

Und weiter: "Genau da beginnt ein Spiel, in dem jede dieser Figuren -Liebhaber, Fahrerflüchtling, Ehemann, Ehefrau und alle, die wiederum zu diesen in irgendeiner Beziehung stehen - für sich ein Partikularinteresse verfolgt. Jeder versucht, mit diesem Unfall in irgendeiner Form umzugehen, jeder hat aber seinen eigenen Blickwinkel und seine eigenen Interessen. Und das Spannende an der Geschichte ist, dass man irgendwann einmal die Perspektive auf das eigentliche Opfer verliert. Das ergibt psychologische Spannungsfelder, macht ein unglaublich schönes Sammelsurium an Psychogrammen an wirklich sehr berührenden, offenen, spannenden und auch traurigen Geschichten. Der Ehemann will auf der einen Seite herausfinden, wer seine Frau so schwer verletzt hat, der aber ab einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht gar nicht mehr so genau weiß, ob er das alles wissen will. Denn das kann auch bedeuten, auf Wahrheiten draufzukommen, die ihm nicht angenehm sind. Denn der Ehemann muss feststellen, dass der Unfall nur aus einem ganz besonderen Grund passiert. Im Zuge der Ermittlungen bemüht er sich zum einen, den Fall aufzuklären und den Täter zu finden, zum anderen merkt er aber, dass er genau damit in etwas wühlt, was seine eigene Realität und eine vor dem Scheitern stehende Ehe betrifft. Doch aufgrund der mangelnden Erinnerung hat seine Frau keine Ahnung von all dem, so dass die Möglichkeit besteht, sich neu zu treffen. Und diese resettete Begegnung löst in ihm auch eine andere Kraft aus. Klärst du das ultimativ auf, oder genießt du den Zustand, weil etwas Neues beginnt? Und in diesem Spannungsfeld passieren noch sehr dramatische Dinge, es ist ein Schwanken zwischen Hoffnungen, Sehnsüchten, tiefen Verletzungen und großer Trauer."

Cornelius Obonya: "Das eigene Schicksal anhand des Schicksals eines anderen umdrehen"

"CopStories"-Bösewicht Cornelius Obonya über seine Rolle: "Ich spiele Josef Pöschl, einen Cellisten, der mehr oder minder zum Handkuss kommt und selbst mit zum Täter wird. Dann ist da eine Explosion, und die Teile dieser Explosion spritzen den verschiedensten Menschen um die Ohren. Und plötzlich nimmt das jemand zum Anlass, um in ganz eigener Weise davon Nutznießer werden zu können, indem er sein eigenes Süppchen kocht und seine Privatrache für sein ganzes Leben fährt." Und weiter über die Handlung: "Es passiert öfter in dieser wirklich wunderschön verwobenen Geschichte, dass Figuren dieses Ereignis zum Anlass nehmen, um ihre ganz eigene Schiene zu fahren, aus etwas auszubrechen, wo sie bis dahin gefangen waren, und aus diesem Schicksalsball, der auf sie zurollt, etwas zu machen, was sie schon immer machen wollten. Sie versuchen, das eigene Schicksal anhand des Schicksals eines anderen umzudrehen. Und da beginnt das Verschwinden des eigentlichen Opfers, und es kommen plötzlich ganz andere Stränge auf, die auch Opfer zeigen. Opfer ihrer selbst oder Opfer von den Gegebenheiten, die erzählt werden. Im Grunde versucht jeder, sein Fähnchen zu schwenken und laut aufzuschreien: 'Mir geht's auch nicht gut.' Und das eigentliche Opfer, dem es wirklich nicht gutgeht, verschwindet aufgrund der Wahrnehmung. Genauso wie es auch im wirklichen Leben passiert, wenn plötzlich das eigene Ego da ist. Diese fehlende Selbstreflexion und sich mit seinem Schicksal bei einem anderen anzuhängen und daraus etwas zu machen, finde ich höchst interessant."

Philipp Hochmair als Ursula Strauss' TV-Liebhaber

Philipp Hochmair ("Vorstadtweiber", "Eine Liebe für den Frieden -Bertha von Suttner und Alfred Nobel") über seine Rolle: "Ich spiele Marias Liebhaber, der in ihrer Vergangenheit vorkommt. Durch die Zeugnisse dieser Vergangenheit - ein gefundenes Handy - tauche ich auf, und das muss in ihrer Familie verarbeitet werden. Dieser Widerspruch aus völlig gelöschter und völlig präsenter Vergangenheit ist das Spannungsfeld, in dem ich auftrete und agiere. Und ich finde es eine sehr schöne und wichtige Position und nachvollziehbare Geschichte, weil es auch mir durch das viele Reisen und Arbeiten passiert, dass ich einfach vergesse, wo ich war - um dann von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Auch wenn das hier mit diesem Unfall inhaltlich auf die Spitze getrieben wird, finde ich das ein sehr gelungenes Thema unserer Zeit, dieser Zustand, in dem man sich verliert und wiederfindet, gerade in einem Beruf wie unserem, in dem man viel parallel macht. Und die neuen Medien: Der Ehemann wird mit einer Identität seiner Frau konfrontiert, die es gar nicht mehr gibt, die rein als digitale Ladung da ist. Das ist mir sehr vertraut."

Regisseur Lars Becker: "Eine sehr schöne, bewegende Geschichte"

"Die Idee, dass eine Krankenschwester, die sich täglich mit Herz und Seele um Patienten mit den verschiedensten Krankheiten kümmert, von einem Alkoholisierten überfahren und so selbst zur Patientin wird, fand ich total faszinierend", so Regisseur Lars Becker, der gemeinsam mit Bernhard Wutka auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. "Es geht hier aber nicht um das übliche Täter-Opfer-Modell. Eine sehr schöne, bewegende Geschichte. Ursula Strauss und Harald Krassnitzer sind absolute Topschauspieler, da kann man sich als Regisseur nichts anderes wünschen. Und neben diesen beiden Stars großartige, wenn nicht sogar die besten deutschsprachigen Theaterschauspieler."

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