• 20.11.2014, 11:30:03
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"Spiegel"-Journalist Takis Würger gewinnt "Writing for CEE 2014" - BILD/VIDEO

Reportage über Bewacher einer Lenin-Statue in ukrainischer Provinzstadt ausgezeichnet - Ehrengast Wladimir Kaminer sprach bei Preisverleihung über Putins Ukraine-Politik

Utl.: Reportage über Bewacher einer Lenin-Statue in ukrainischer
Provinzstadt ausgezeichnet - Ehrengast Wladimir Kaminer sprach
bei Preisverleihung über Putins Ukraine-Politik =

Wien (OTS) - Ein Reporter des deutschen Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel" gewinnt den Journalistenpreis "Writing for CEE 2014". Takis
Würger erhielt die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung am
Mittwochabend in Wien für eine Reportage aus Illitschiwsk, einer
Provinzstadt im Süden der Ukraine. Anhand des Kampfs um eine
Lenin-Statue veranschaulichte Würger die Gespaltenheit des Landes.

"Takis Würger hat nicht nur einen in Aufbau, Stil und Sprache
perfekten Text abgeliefert", begründete die Journalistin Cornelia
Vospernik in der Laudatio die Preisvergabe stellvertretend für die
Jury. "Er hat vor allem das getan, was zu den wichtigsten Aufgaben
von uns Journalisten gehört: das Große durch das Kleine begreifbar zu
machen."

Würgers Text beginnt mit einem Gerücht: Bewaffnete Männer aus der
Westukraine seien auf dem Weg nach Illitschiwsk, um den sieben Meter
großen, goldenen Lenin abzureißen, hieß es. Bewohner der
Schwarzmeerstadt wie die 21-jährige Kristina versammelten sich
daraufhin, um das Denkmal zu bewachen. "Die Wächter von Illitschiwsk"
erlebten große Ungewissheit in diesen Tagen Anfang März. Sie stritten
um die Zukunft des tiefgespaltenen Landes. Der deutsche Journalist
traf radikale ukrainische Nationalisten ebenso wie Sowjetnostalgiker.
Die russischsprachige Hauptprotagonistin Kristina ist weder
pro-europäisch noch uneingeschränkt pro-russisch. Sie wünscht sich
einen Kompromiss zwischen Ost und West: Lenin steht für sie für ein
multinationales Miteinander.

Etwa acht Tage war Takis Würger gemeinsam mit dem Fotografen Fabian
Weiß in der Ukraine unterwegs. "Fabian und ich haben einfach ein paar
Tage bei der Statue verbracht, viel Tee getrunken und viel gerösteten
Speck gegessen und gefroren", erzählte Würger der APA. "Das mache ich
meistens so. Erst mal ein paar Tage rumhängen und still sein, damit
die Leute die Angst verlieren." Nach einigen Tagen hätten sie "dann
zur Familie gehört".

Auch der Ehrengast der Preisverleihung Wladimir Kaminer widmete sich
der Ukraine. In einer Rede sprach der deutsch-russische
Schriftsteller über die Ukraine-Politik Russlands. Präsident Wladimir
Putin habe durch den Krieg das ehemalige "Bruderland" Ukraine gegen
sich aufgebracht, hatte der Autor der "Russendisko" im Vorfeld in
einem Gespräch mit der APA erklärt. Durch den Krieg sei die zuvor
gespaltene Ukraine geeint worden. "Der russische Präsident hat es
geschafft, aus einem zerteilten, ökonomisch auf dem Rücken liegenden
Land eine Einheit zu machen." Jetzt, so Kaminer, sehen die Ukrainer
die europäische Annäherung als "alternativlos". Die Mehrheit sei für
einen NATO-Beitritt. Nur in den beiden abtrünnigen Provinzen Donezk
und Luhansk (russisch: Lugansk) gebe es Probleme. Aber "die Probleme
haben die Russen gebracht, die in die zwei Regionen reingekommen
sind".

Der von APA - Austria Presse Agentur und UniCredit Bank Austria
jährlich verliehene Journalistenpreis "Writing for CEE" wurde 2014
zum elften Mal vergeben. Der Preis setzt sich das Ziel, die
journalistische Auseinandersetzung mit Fragen der europäischen
Integration zu fördern. Ausgezeichnet werden Beiträge, die Zentral-
und Osteuropa (CEE) zum Thema haben, die dem gegenseitigen
Verständnis dienen und Grenzen sowie Vorurteile überwinden.
"Einreichungen aus 21 Ländern belegen deutlich, dass dieses Signal im
gesamten CEE-Raum und darüber hinaus deutlich gehört wird", betonte
APA-Chefredakteur Michael Lang.

Mitglieder der in wechselnder Zusammensetzung tagenden Jury waren
neben dem Preisträger des Vorjahres, Sebastien Gobert, der
tschechische Kommunikationswissenschaftler Milan Smid, die
Kommunikationsberaterin Ildiko Füredi-Kolarik, der polnische
Journalist Pawel Bravo, die ungarische Radio-Journalistin Julia
Varadi, der bulgarische Journalist Ivan Bakalov, die österreichische
Journalistin Cornelia Vospernik, der CEE-Pressesprecher der UniCredit
Bank Austria Tiemon Kiesenhofer sowie als Jurysprecherin die
stellvertretende Ressortleiterin der APA-Außenpolitik Alexandra
Demcisin.

Der Gewinnerbeitrag, eine Selektion der eingereichten Texte sowie
weitere Informationen zum Preis sind unter www.apa.at/cee-award
online.

Video: Download- und Einbindungsdetails:
http://go.ots.at/X8HEL73O

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