Auf Unrecht errichtet - Truppenübungsplatz Allentsteig

Aufrüttelndes Buch einer 87jährigen über NS-Zwangsaussiedlung von 7000 Waldviertlern von der das Bundesheer bis heute profitiert.

Wien, Döllersheim (OTS) - "Jetzt sehen wir die Apfelbäume blühen aber ihre Früchte werden wir nicht mehr genießen können", das sagte der Schullehrer von Döllersheim, Waldviertel, 1938 und rang dabei um Fassung. Damals wurden 42 Dörfer geräumt und 7000 Menschen vertrieben, um Hitlers Truppenübungsplatz Allentsteig (damals noch "Truppenübungsplatz Döllersheim") Platz zu machen. Auch dessen Großmutter Anna Maria Schickelgruber und sein Vater Alois stammen von hier. Bis heute wird Allentsteig nicht nur vom österr. Bundesheer, sondern auch von anderen Heeren der EU genutzt, die auf dem überdimensionierten Gelände von Hitlers Gnaden Krieg spielen - ohne an Restitution zu denken.

Sich das Trauma von der Seele schreiben

Für die bäuerliche Bevölkerung des Waldviertels war das ein Schock:
"Es ist ein Unterschied, ob man freiwillig von daheim weggeht oder ob man vertrieben wird", schreibt die Waldviertler Bäuerin Maria Geisberger in jenen Erinnerungen, die 50 Jahre danach aus ihr herausdrängten und die sie handschriftlich festhielt. Sie hat ein Geheimbuch über die traumatisierenden Erlebnisse ihres 11jährigen Ichs geschrieben, nicht einmal ihre Familie wusste von den Aufzeichnungen. Nun konnte die Schriftstellerin Ilse Krumpöck sie für eine gemeinsame Veröffentlichung in der Edition Innsalz gewinnen.

Unrecht ohne Anklage

So ist das aufwühlende Buch "Das Nordlicht von Döllersheim" entstanden, das empörende Fakten rund um die Zwangsaussiedlung zutage bringt und gespickt
ist mit dem eindringlichen, anklagefreien Gedächtnisprotokoll der Bäuerin Maria Geisberger. Über den Tag der Umsiedlung schreibt sie:
"Meine Mutter hat in diesen Tagen viel geweint. Besonders, als es ans Zusammenpacken ging. In "Gotts Nam" sind wir weggezogen und wieder in "Gotts Nam" haben wir in der neuen Heimat angefangen." Die in ihr Schicksal ergebenen Waldviertler
erhielten einen knappen Betrag zum Erwerb eines neuen Hofes. Viele blieben im Waldviertel. Einige bezogen arisierte Häuser, die nach dem Krieg wieder restituiert wurden, sodass den Vertriebenen am Ende gar nichts mehr blieb.

Entschädigungen nur für Kirche und Landesterritorien

Im Juli 1957 stellte eine Historikerkommission im Auftrag der Österreichischen Bundesregierung fest, dass "Enteignungen zu militärischen Zwecken keine typisch nationalsozialistische Erwerbsart darstellen und daher auch nicht als Entziehung gewertet werden". Alle 650 privaten Rückstellungsanträge wurden negativ beantwortet, nur der Stipendienstiftung Windhag (wird vom LH von NÖ verwaltet) und dem Stift Zwettl wurden Ablösen bezahlt und Gebiete restituiert. "Diese Ungleichbehandlung ist völkerrechtswidrig. Ich möchte mit meinem Buch dazu beitragen, dass die Republik dieses schreiende Unrecht an den Nachfahren wieder gutmacht" sagt Ilse Krumpöck.

Offene Wunde im Waldviertel

Bis heute ist der "TÜPL", wie der Truppenübungsplatz Allentsteig bei den Soldaten heißt, eine offene Wunde im tourismusarmen Waldviertel:
Angrenzende Dörfer leiden unter der Abwanderung, verlieren ihre Infrastruktur und verwaisen. Dazu tragen nicht zuletzt die wenig einladenden Warnschilder rund um das militärisch abgeriegelte Gebiet und der ständige Gefechtslärm bei.
Bis jetzt denkt die Republik nicht daran, für den Schaden der Zwangsaussiedlerfamilien aufzukommen.

"Das Nordlicht von Döllersheim", Ilse Krumpöck, Edition Innsalz, 312 Seiten, Gebunden, EUR 20.-, www.edition-innsalz.at

Video: https://www.youtube.com/watch?v=nSJXaYcxxv0
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