- 18.11.2014, 19:30:32
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Verrückte"
Ausgabe vom 19. November 2014
Utl.: Ausgabe vom 19. November 2014 =
Wien (OTS) - "Vereint gegen Gewalt im Namen der Religion" nennt sich
die laufende Veranstaltung des von Saudi-Arabien finanzierten
Abdullah-Zentrums in Wien. In Jerusalem wird dieses Motto nach dem
blutigen Anschlag gegen eine Synagoge wohl nur als Hohn empfunden. Im
Nahen und Mittleren Osten werden im Namen des Islam von beunruhigend
gut organisierten Verrückten Grausamkeiten verübt, deren
Grenzenlosigkeit an die Nazis erinnert.
In Israel tauchte sogar der Vorschlag auf, die Synagogen von der
Polizei beschützen zu lassen. Das allein möchte man nicht glauben.
Nun sollen jüdische Bürger Israels leichter zu Waffenscheinen kommen
können, um sich selbst zu bewaffnen. Auch das möchte man lieber nicht
glauben.
Radikalisierte Palästinenser haben es geschafft, den zarten Versuch
ihres Präsidenten Mahmoud Abbas, mit Israel zu einer Einigung zu
kommen, im Keim zu ersticken. Der Anschlag auf die Synagoge zeigte
die Machtlosigkeit von Abbas. Was wäre wohl das Papier wert, das er
unterschreibt?
Ohne Einigung zwischen Israel und den Palästinensern ist aber in der
Region keine Ächtung der IS-Terroristen möglich, so viele Konferenzen
kann das ohnehin zweifelhafte Abdullah-Zentrum in Wien gar nicht
veranstalten. Es handelt sich dabei um den Kernkonflikt.
Deshalb wäre es so wichtig, dass die Welt in der Region geeint
auftritt. Die USA, die EU und Russland könnten gemeinsam wohl etwas
bewegen, doch das ist im Moment pure Illusion. Dass Russland hier
nicht eine stärkere Zusammenarbeit mit der EU sucht, ist ein Jammer.
Immerhin finden sich viele Tschetschenen unter den radikalen
Kämpfern, die fälschlicherweise den Islam vor sich hertragen. Auch
Russland wird diesem Terror nicht entgehen.
Von der israelischen Regierung nach den Anschlägen der jüngsten
Vergangenheit Zurückhaltung zu verlangen, wäre ein bisserl viel. Aber
die USA und die EU könnten etwas tun. Abbas mag schwach sein, aber
jemand anderen haben sie nicht. Ihn politisch zu unterstützen, wäre
wohl ein Gebot der Stunde.
Sollten es die Radikalen schaffen, aus dem jetzigen Konflikt einen
Religionskrieg zu machen (der er nicht ist), würde auch Israel einen
gefährlichen Weg einschlagen müssen. Am Ende stünden noch mehr Tote,
und zwar sehr viel mehr Tote.
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