- 17.11.2014, 13:53:35
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"kreuz und quer" am 18. November: "Alles was gerecht ist" und "Franz von Assisi - Programm für die Weltkirche?"
Wien (OTS) - Alle fordern sie, alle reklamieren sie für sich, aber
wie steht es tatsächlich um sie, und was bedeutet sie, die
Gerechtigkeit? Die HD-Dokumentation "Alles was gerecht ist" von Kurt
Langbein und Judith E. Innerhofer, die "kreuz und quer" - präsentiert
von Doris Appel - am Dienstag, dem 18. November 2014, um 22.35 Uhr in
ORF 2 zeigt, analysiert anhand dreier Familiengeschichten, wie es um
die Verteilung von Chancen, Vermögen, Glück und Gesundheit in unserer
Gesellschaft steht.
Franz von Assisi hat mit seiner Ordensgründung eine umfassende
Reformbewegung in der mittelalterlichen Kirche initiiert. Seine
Vorstellungen zu Armut, Friedfertigkeit und der Liebe zur Schöpfung
waren visionär und zugleich eine Provokation für die kirchliche
Obrigkeit seiner Zeit. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde er 1228
heiliggesprochen. In Friedrich Klütschs in HD produzierter
Dokumentation "Franz von Assisi - Programm für die Weltkirche?"
nehmen um 23.30 Uhr Experten zur Wirkungsgeschichte des Franziskus
Stellung, dessen Namen der gegenwärtige Papst - als erster in der
Geschichte - gewählt hat.
"Alles was gerecht ist" - Ein Film von Kurt Langbein und Judith E.
Innerhofer
Der Film - eine Koproduktion von ORF, Langbein & Partner und BMBF -
zeigt, dass Hoffnungen, Ängste, Alltagssorgen der Familien ebenso
unterschiedlich sind wie die Gedanken der einzelnen Familien und
Familienmitglieder zu Fragen von Gerechtigkeit, Freiheit, Glück:
Die Unternehmerfamilie: Seit Generationen vererben die Gmachls
Betrieb und Vermögen in Elixhausen, Salzburg. "Ich hätte es
schlechter erwischen können", sagt Michaela Gmachl, die das
Superior-Hotel weiterführt. Ihre jüngste Schwester bekam ein anderes
Hotel zum Ausgleich geschenkt, die dritte Schwester eine
Tierarzt-Praxis. In Sachen Verteilung scheint die Sache klar: Das
Vermögen der reichsten zehn Prozent wächst pro Stunde um 3,2
Millionen Euro, fast dreimal so schnell wie jenes der restlichen 90
Prozent. Und Vermögen wird hauptsächlich an jene vererbt, die schon
besitzen: Von den ärmsten zehn Prozent der Österreicher erbt nur
jeder Zehnte - durchschnittlich knapp 16.000 Euro. Von den reichsten
zehn Prozent erben rund zwei Drittel, durchschnittlich 312.900 Euro.
Und zwar pro Kopf.
Die Mittelstandsfamilie: "Ich bin ein Glückskind", sagt Philosoph
Clemens Sedmak, der mit Frau und drei Kindern in Seekirchen lebt.
Bildung ist ihr oberstes Gut - und Bildung wird in Österreich mehr
als anderswo vererbt. Zugleich versuchen die Sedmaks innerhalb der
Familie das Experiment Gerechtigkeit. Kann das zumindest im Kleinen
gelingen? Clemens Sedmak, Professor am King's College in London,
beobachtet aber auch den Zustand der österreichischen Gesellschaft:
"Es ist ärgerlich, dass die, die haben, noch mehr bekommen. Das ist
für ein Gemeinwesen nicht gut." 1976 teilten sich die reichsten 20
Prozent der Österreicher rund 40 Prozent des gesamten Lohneinkommens,
die ärmsten 20 Prozent mussten sich mit 4,8 Prozent begnügen.
Mittlerweile ist der Anteil der Ärmsten noch weiter geschrumpft, auf
nur mehr 1,9 Prozent. Und das Fünftel der Topverdiener kassiert schon
fast die Hälfte aller Einkommen.
Die sozial Schwachen: Die Großeltern haben ihr Leben lang schwer
gearbeitet, aber für die Kinder bleibt kaum etwas an Startvorteilen.
Und deren Kinder brechen die Schule wieder ab. Männer ohne
Pflichtschulabschluss leben um acht Jahre kürzer als Akademiker. Und
der Durchschnittsösterreicher ist im Lauf des Lebens um acht Jahre
länger krank als Menschen in den skandinavischen Staaten. Warum? Der
Film macht sich auf die Suche nach Antworten - und begegnet in
Dänemark Menschen und Modellen, die deutlich gerechter sind.
"Franz von Assisi - Programm für die Weltkirche?" - Ein Film von
Friedrich Klütsch
Wie konnte ein Kaufmannssohn ohne theologische Ausbildung zum
Begründer der größten Ordensfamilie in der römisch-katholischen
Kirche werden? Warum wurde das Grab des Mannes, der eine wandernde
Kirche ohne Grundbesitz wollte, zum Grundstein eines monumentalen
Kirchenbaus? Über die Wundmale Jesu, die er auf dem Berg La Verna
empfangen haben soll, hat Franziskus zeitlebens geschwiegen. Ab wann
wurden die Stigmata dazu benützt, ihn zu einem zweiten Christus zu
verklären? Wer hat aus dem radikalen Kirchenkritiker Franziskus den
wichtigsten katholischen Heiligen gemacht? Erstmals in der
Kirchengeschichte hat sich der Argentinier Jorge Bergoglio nach
seiner Papstwahl den Namen Franziskus gegeben: Ist für den Papst die
Gestalt des Heiligen aus Assisi zugleich Programm für die Weltkirche?
Der Film geht den Widersprüchen in der Gestalt des Franz von Assisi
(1181/82 - 1226) nach. Spielszenen beschreiben die Wendepunkte im
Leben des Franziskus. Recherchen an Originalschauplätzen und Aussagen
von Historikern verdichten sich zu einem neuen Bild des Heiligen. Die
Überlieferung, die ihn auf einen Tierfreund und zum Erfinder der
Weihnachtskrippe reduziert hat, wird als Geschichtsfälschung
entlarvt. Was aber wollte Franziskus wirklich, wie lautete seine
Botschaft? In einer Zeit der Kreuzzüge gegen innere und äußere Feinde
formulierte er eine kompromisslose Botschaft des Friedens. Angesichts
einer Kirche, der es in erster Linie um Macht und Reichtum ging,
forderte er eine Rückkehr zum urchristlichen Ideal der Evangelien.
Seine Gemeinschaft von Laienbrüdern wollte nicht nur die Menschen zu
einer Umkehr bewegen, sondern vor allem die Kirche selbst. Vom Klerus
verlangte Franziskus die Aufgabe aller Besitzstände. Die
Kirchenhierarchie sollte abgeschafft und die Geistlichen sich auf
immerwährende Wanderschaft begeben. Mit seinen Forderungen stand der
Kirchenerneuerer in der Nähe der mittelalterlichen Armutsbewegungen
wie der der Katharer, die die Kirche als Bedrohung für ihre Einheit
wahrnahm und mit allen Mitteln bekämpfte. Bei seinem Besuch in Rom
würde sich entscheiden, ob der Bürgersohn aus Assisi selbst als
Ketzer verurteilt oder als kirchenpolitische Antwort auf die
Herausforderung durch die Armutsbewegungen eingesetzt werden sollte.
Die Instrumentalisierung des Kritikers als Garanten für das Überleben
der traditionellen Kirche gelingt. Noch zu Lebzeiten wird Franz von
Assisi wie ein Heiliger verehrt. Zehntausende in ganz Europa
schließen sich seiner Bewegung an. Bald aber beginnt die
Kirchenleitung damit, Einfluss auf die Entwicklung der "Minderen
Brüder" des Franziskus zu nehmen. Bei der Diskussion um die
Ordensregel greift sie durch und verhindert eine Festschreibung der
radikalen Ziele. Franziskus wird entmachtet und gibt schließlich die
Ordensleitung auf. Um ihn als Vorbild unerreichbar zu machen, wird
Franz von Assisi zu einem zweiten Jesus stilisiert. Seine Botschaft
wird verstümmelt. Alle vorhandenen Darstellungen über sein Leben
werden unter Ordensgeneral Bonaventura vernichtet und durch eine
kirchenkonforme Heiligenlegende ersetzt. Die treuesten Anhänger des
Franziskus werden als Ketzer verfolgt und enden auf den
Scheiterhaufen der Inquisition.
Mit Professor Helmut Feld aus Tübingen und Professor Chiara Frugoni
aus Padua geben zwei ausgewiesene Experten Auskunft über Leben und
Werk des Franziskus. Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts aus Berlin
besuchen die Basilika von Assisi, um die Möglichkeiten einer
Rekonstruktion der beim Erdbeben 1997 zerstörten Fresken zu prüfen.
Nuklearphysikalische Untersuchungen von Kleidungsstücken, die
Franziskus getragen haben soll, klären die Echtheit der Reliquien.
Recherchen unter franziskanischen Ordensleuten der Gegenwart zeigen,
inwieweit die ursprüngliche Botschaft des Franziskus auch heute noch
lebendig ist.
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.
Seit 25. Oktober sind die Spartenkanäle ORF III und ORF SPORT + sowie
die "Bundesland heute"-Ausgaben auch im HD-Standard zu empfangen.
Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen
HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die
ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz
Österreich persönliche Hilfestellung.
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