Erstinstanzliches Urteil des LG für ZRS Wien vom 3.11.2014 im Zivilprozess von Christoph Harand als Kläger gegen die Erste Bank

Eishockey Liga als beklagte Partei wegen der Punkteregelung der EBEL

Wien (OTS) - Nunmehr liegt in einer der bedeutendsten Sportrechtsstreitigkeiten des Landes zwischen Christoph Harand und der Ersten Bank Eishockey Liga ein erstinstanzliches Urteil des LG für Zivilrechtssachen Wien vor. Dieses Urteil des LG für ZRS Wien datiert vom 3.11.2014. Im Rahmen dieses Verfahrens wird der ehemalige Nationalteamspieler Chris Harand, der für sein Heimatland bei insgesamt acht Welt- und Europameisterschaften im Einsatz war, von Sportrechtsanwalt Mag. Dr. Johannes Reisinger (mit den Spezialgebieten des nationalen und internationalen Sportrechts sowie Vereins- und Verbandsrechts) rechtsfreundlich vertreten.

Die Klage von Chris Harand als - neben unzähligen anderen prominenten Spielern der EBEL wie Markus Peintner, Martin Oraze, Christian Ratz, Christian Ban, Christian Dolezal, Phillip Winzig sowie Markus Pirmann - ein weiteres "Opfer" der Punkteregelung der EBEL wurde am 21.1.2013 beim LG für ZRS Wien eingebracht. Inhalt des Klagebegehrens war einerseits ein Leistungsbegehren und andererseits ein Feststellungsbegehren. Chris Harand ist durch die Nichtverlängerung eines "Try-out"-Vertrages mit dem Eishockey Club Dornbirn über den 15.12.2012 hinaus durch das Bestehen der Punkteregelung der EBEL, laut welche Christoph Harand als U-24 Spieler im Gegensatz zu jüngeren Spielern, welche über einen Punktewert von null Punkten verfügen, mit zwei Punkten bewertet, ein Vermögensschaden in Form eines Verdienstausfalls sowie Marktwertverlustes erwachsen. Ursprünglich war der Arbeitsvertrag des Spielers Christoph Harand mit dem Eishockey Club Dornbirn von 17.10.2012 bis Mitte November 2012 befristet. Durch das NHL-Lockout wurde die "Try-out"-Phase der EBEL jedoch im Wege eines Umlaufbeschlusses sämtlicher Vereine der EBEL von 12.11.2012 bis 15.12.2012 verlängert worden.

In diesem Zusammenhang ist auszuführen, dass derartige "Try-out"-Verträge im Eishockey, welche sich momentan bei sämtlichen Vereinen der EBEL größter Beliebtheit erfreuen, aufgrund der jüngsten Entscheidung des OGH 9 ObA 118/13p vom 29.1.2014, in welchem Rechtsstreit sich Christoph Harand als Kläger und die UPC Vienna Capitals als Verein der EBEL als beklagte Partei gegenüberstanden, unwirksam sind.

Das Feststellungsbegehren der Klage des Spielers Christoph Harand hatte hingegen zum Inhalt, dass die Punkteregelung der EBEL iSd Teils C §§ 1 und 2 Durchführungsbestimmungen der Meisterschaft der EBEL per se aufgrund eines Verstoßes gegen die Bestimmungen des § 17 Abs 1 Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (GlBG) sowie weiteren gemeinschaftsrechtlichen Bestimmungen rechtswidrig bzw nichtig ist. Die Bestimmung des § 17 Abs 1 GlBG besagt, dass im Rahmen der Begründung bzw Beendigung eines Arbeitsverhältnisses niemand aufgrund des Alters diskriminiert werden darf.

Entgegen anderslautenden Meldungen diverser Printmedien in den letzten Tagen wurde vom LG für ZRS Wien in seinem erstinstanzlichen Urteil vom 3.11.2014 jedoch nur das Leistungsbegehren des Klägers einer rechtlichen Würdigung unterzogen. Aufgrund der Tatsache, dass das Erstgericht jedoch bereits zur Auffassung gelangte, dass zwischen dem dem Kläger durch die Nichtverlängerung seines "Try-out"-Vertrages beim Eishockey Club Dornbirn über den 15.12.2012 hinaus erwachsenen Vermögensschaden und der Punkteregelung der EBEL kein kausaler Zusammenhang bestehe, musste vom Erstgericht erst gar nicht geprüft werden, ob die Punkteregelung der EBEL einen diskriminierenden Charakter im Zusammenhang mit der Begründung und Beendigung eines Arbeitsverhältnisses eines älteren Spielers (U-24 Spieler) - wie bspw Christoph Harand - inne hat.

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Mag. Dr. Johannes Reisinger
Verteidiger in Strafsachen
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