Neues Volksblatt: "Frage der Würde" (von Christian Haubner)

Ausgabe vom 3. November 2014

Linz (OTS) - Eine allgemeingültige Regelung zu finden für etwas, das man genau genommen objektiv nicht entscheiden kann, das zählt wohl zu den schwierigsten Aufgaben. Das Thema Sterbehilfe ist ein solcher Bereich. Es besteht immer die Gefahr, anmaßend und besserwisserisch zu erscheinen, wenn man schwer kranken Menschen oder deren Angehörigen erklären möchte, wie in einer solchen Situation am besten zu verfahren ist.
Dennoch darf die Tatsache, dass eine Fragestellung schwierig zu beantworten ist, nicht dazu führen, dass man sich um eine Antwort drückt. Und so ist festzustellen, dass zumindest mit aktiver Sterbehilfe doch erhebliche Gefahren verbunden sein könnten. Das bestätigt ein Blick in Länder, in denen diese erlaubt ist. Besonders problematisch wird es etwa dann, wenn Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren eigenen Willen kundzutun. Oder etwa, wenn es um schwer kranke Kinder geht. Oder auch, wenn Menschen mit psychischen Erkrankungen den Wunsch verspüren zu sterben.
Der bisherige heimische Weg, bei Bedarf Schmerztherapie und Palliativmedizin zu erhalten und auch am Ende des Lebens Würde zu erfahren, ist wohl der bessere. Ein Verbot aktiver Sterbehilfe im Verfassungsrang könnte Sicherheit geben - indem es verhindert, dass sich Betroffene und Angehörige in irgendeiner Weise unter Druck gesetzt oder zu einer Entscheidung genötigt fühlen. Denn das wäre würdelos.

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