• 27.10.2014, 13:45:35
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Social Egg Freezing ist für viele Frauen eine Chance

Dr. Heinz Strohmer vom Kinderwunschzentrum im Goldenen Kreuz: "Kryokonservierung kann Zeit schenken und Druck nehmen, wenn sie rechtzeitig erfolgt und der rechtliche Rahmen geklärt ist."

Utl.: Dr. Heinz Strohmer vom Kinderwunschzentrum im Goldenen Kreuz:
"Kryokonservierung kann Zeit schenken und Druck nehmen, wenn
sie rechtzeitig erfolgt und der rechtliche Rahmen geklärt
ist." =

Wien (OTS) - Kinder? Jetzt nicht, aber "später": Das ist das Problem
Das Alter der erstgebärenden Frauen in Österreich steigt und liegt
derzeit im Schnitt bei 29 Jahren. Diese Tatsache ist aus
verschiedenen Gründen ein Problem: Erstens sinkt die weibliche
Fruchtbarkeit bereits ab dem 33. Lebensjahr, da die Eizellreserve der
Frau ständig abnimmt; zweitens nehmen die genetischen Auffälligkeiten
des Embryos mit steigendem Alter der Mutter deutlich zu. Gegen diese
unglücklichen Umstände gibt es keine ursächliche Behandlung. Damit
bleibt als einziger Ausweg die Prävention, und zwar durch die
frühzeitige Erhebung der Eizellreserve u.a. mittels Ultraschall und
Bestimmung von AMH (Anti Müller Hormon) und FSH (Follikel
Stimulierendes Hormon) sowie bei Bedarf mittels Kryokonservierung,
sprich des Einfrierens, von Eizellen. Medizinisch sinnvoll ist diese
Form der "Fruchtbarkeitsvorsorge" allerdings nur, wenn sie vor dem
33. Lebensjahr erfolgt. Die Möglichkeit, ihre Eizellen in einem
sinnvollen Alter einzufrieren, bedeutet daher für Frauen eine gewisse
Chance auf ein Anhalten der vielzitierten biologischen Uhr. Warum nur
eine "gewisse Chance"? Weil der Eintritt einer Schwangerschaft - oder
gar die Geburt eines gesunden Kindes - durch die Kryokonservierung
keineswegs garantiert sind.

Eine mögliche Lösung für ein Dilemma

Natürlich ist eine Gesellschaft überaus wünschenswert, in der Frauen
sowohl ein erfülltes Berufsleben als auch ein glückliches
Familienleben mit eigenen Kindern haben können. Wir wissen aber nur
zu gut, dass dieses wichtige Ziel leider noch nicht vollständig
erreicht ist. Besonders pikant ist dabei folgender Umstand: Genau
jene Jahre, in denen Frauen beruflich voll durchstarten können und
wollen, sind gleichzeitig jene, die biologisch für die Realisierung
ihres Kinderwunsches ideal oder zumindest noch günstig sind. Social
Egg Freezing ist eine mögliche Antwort auf dieses Dilemma, indem es
den Frauen de facto Zeit schenkt und etwas Druck nimmt.

So oder so: Eine zeitgemäße gesetzliche Regelung muss her

Wie auch immer man zur Kryokonservierung steht - es braucht in jedem
Fall einen klaren gesetzlichen Rahmen. Davon kann in Österreich
derzeit leider keine Rede sein. Das Einfrieren von Eizellen ist nur
im Fall einer medizinischen Indikation erlaubt, und der entsprechende
alte Passus des Fortpflanzungsmedizingesetzes ist nicht eindeutig
formuliert. Eine Berücksichtigung des massiven medizinischen
Fortschritts in der vergangenen Dekade ist aus unserer Sicht dringend
notwendig. Es steht zu hoffen, dass die mit Ende des Jahres fällige
Gesetzesnovelle auch in dieser Frage Klarheit bringen wird - ebenso
wie zu den verschiedenen neuen Entwicklungen im Bereich der
Präimplantationsdiagnostik.

Was beeinflusst die Fruchtbarkeit? Aufklärung ist notwendig

Selbst, wenn die Kryokonservierung jeder Frau offen stünde, gilt es
bei uns Aufklärung auf einem anderen Level zu betreiben. Denn der
Wissensstand der Österreicherinnen zum Abfall der Fruchtbarkeit ab
dem 33. Lebensjahr ist erschreckend gering. Auch der Einfluss des
Lebensstils, sprich Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Bewegung,
Gewicht und Stress, ist vielen Frauen nicht bewusst - geschweige denn
die Möglichkeit, die verbleibenden fruchtbaren Jahre feststellen zu
lassen oder im Fall des Falles eine Kryokonservierung durchzuführen.

Abschließend: Keinesfalls darf Social Egg Freezing als Ersatz für ein
günstiges politisches und gesellschaftliches Umfeld zur besseren
Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesehen werden. Vielmehr kann es
eine von vielen Maßnahmen sein, die Frauen mehr Selbstbestimmung
geben.

Univ. Prof. Dr. Heinz Strohmer (Jahrgang 1964) ist gemeinsam mit
Univ. Prof. Dr. Andreas Obruca Gründer und Leiter des
Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz, einer der führenden
Fertilitätskliniken Europas.

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