• 17.10.2014, 20:51:38
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Schwarm schwarzer Schwäne, Marktkommentar von Stefan Schaaf

Frankfurt (ots) - Als Anleger muss man schon spekulativ auf
steigende
Kurse bei Bundesanleihen gewettet, aggressiv auf einen fallenden Dax
oder steigende Volatilität gesetzt haben, um der abgelaufenen
Handelswoche etwas Positives abgewinnen zu können. Sicher,
Performance ist immer eine Frage der Positionierung, aber klar ist
auch: Die Finanzmärkte sind innerhalb weniger Tage wieder in den
Krisenmodus gerutscht. Scheinbar augenfällig ist dies am kräftigen
Anstieg der Volatilität abzulesen. Richtig ist, Vola-Indizes wie Vix
und VDax-New sind in die Höhe geschossen, dies aber auch von einem
sehr niedrigen Ausgangsniveau, so dass sie sich eben auch
normalisierten. Andere Indikatoren sprechen eine deutlichere Sprache:
Der regelrechte Absturz der Renditen von als sicher - und liquide -
erachteten Staatsanleihen aus Deutschland und den USA zeigt ein hohes
Maß an Verunsicherung unter Investoren.

Flucht aus Aktien

Zudem gab es massive Umschichtungen aus Aktien heraus. Die Abflüsse
aus europäischen Aktienfonds erreichten dieser Tage laut Bank of
America Merrill Lynch einen Rekordwert von 5,7 Mrd. Dollar. Das
Dax-Wochentief von 8355 Punkten lag 17% unter dem Jahreshoch von
Juni. Was für ein Crash!

Was war passiert? Der jüngste Kursrutsch ging einher mit schwachen
US-Einzelhandelsdaten. Inzwischen gelten diese aber nur als der
berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn die Krise
deutete sich an, unter anderem durch einen Sprung der Volatilität am
Devisenmarkt und starken Kursverlusten bei den risikosensitiven
Hochzinsanleihen.

Ein Gewitter mit Ansage? Keinesfalls. Der Weg zur US-Zinswende würde
volatil werden, nicht alle Konjunkturdaten würden für steigende
Zinsen sprechen. Das war zu erwarten. Viele Marktteilnehmer hatten
allerdings eine Reihe weiterer Risiken nicht auf dem Zettel bzw.
wurden von deren unerwartetem Auftreten überrascht. In der Summe
führte dieser Schwarm an schwarzen Schwänen zum jüngsten Absturz:
Erstens: Geopolitik. Die Vielzahl an Krisen - unter anderem Ukraine,
IS-Terror, Hongkong - verunsichert.

Zweitens: Deutschland selbst gilt einer wachsenden Zahl an
Marktteilnehmern inzwischen als Problem, und das nicht nur wegen der
engen wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland. Es überrascht viele
nicht nur, dass die bisherige europäische Konjunkturlokomotive eine
Störung im Betriebsablauf hat. Für Irritationen sorgt vor allem der
Gleichmut, mit dem die Regierenden in Berlin dies bislang zu
beobachten scheinen.

Drittens: Euro-Krise 2.0. Nüchtern betrachtet ist es so weit noch
nicht, zumal die Europäische Zentralbank, um mit den Worten ihres
Präsidenten zu sprechen, bisher alles tut, was für den Erhalt des
Euro notwendig ist. Wenn jedoch Analysten und Brokerhäuser in ihren
Marktkommentaren von der Euro-Krise 2.0 schreiben, so kann sich diese
Prophezeiung von selbst erfüllen.

Viertens. Griechenland. Ja, Griechenland, wieder einmal. Und das
gleich doppelt. Die Regierung in Athen betrieb ein Hasardeurspiel mit
den Gedanken über einen Ausstieg aus dem Rettungsprogramm.
Zehnjahres-Anleiherenditen von 9% waren die Antwort. Doch nicht
genug, das Land steht jederzeit vor Neuwahlen, die reform- und
sparfeindliche Kräfte an die Regierung bringen und das Land aus dem
Euro treiben dürften. Fünftens: Ebola. Bei jedem Einzelnen wächst die
Angst vor einer Ansteckung. Wer in Panik gerät, wird kaum
risikofreudig investieren.

Illiquider Sekundärmarkt

Sechstens: Liquidität: Sicher, die Notenbanken stellen genug
Liquidität zur Verfügung. Im Anleihe-Sekundärmarkt sieht es jedoch
anders aus. Der Absturz der Treasury-Renditen ging offenbar auch auf
eine geringe Liquidität am Sekundärmarkt zurück. Investmentbanken
haben wegen strengerer Regulierung ihre Handelsbestände gesenkt. Wenn
dies schon bei sinkenden Renditen zum Problem wird, dann lässt dies
für einen Renditeanstieg im Fall einer US-Zinswende Schlimmes
erwarten.

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