AKNÖ-Präsident Markus Wieser fordert stärkeres Engagement gegen Armut

AKNÖ zu Tag der Armutsbekämpfung: 166.000 NiederösterreicherInnen betroffen

Wien (OTS/AKNÖ) - 166.000 NiederösterreicherInnen gelten als armutsgefährdet. AKNÖ-Präsident Markus Wieser fordert zum morgigen Internationalen Tag der Armutsbekämpfung "Arbeit, von der man leben kann" und mehr Engagement von Bund, Land und Gemeinden für die Betroffenen. Nicht nur müssen die finanziellen Rahmenbedingungen verbessert sondern auch die mit Armut häufig verbundene soziale Isolation bekämpft werden.

Ein Leben lang hat Gerda Christof aus Klosterneuburg gearbeitet: Als Kindergärtnerin, Skilehrerin, Kinderbetreuerin, Reisebegleiterin. Heute lebt die 76-Jährige von 867 Euro Pension im Monat. Zum Vergleich: Die offizielle Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 1.090 Euro. Computer hat sie keinen, Handy ebenso wenig. Von der Mutter hat sie eine kleine Wohnung geerbt, nur die Betriebskosten sind zu bezahlen.

"Ich muss mir mein Geld einteilen", erzählt sie. Konzerte kann die Musikliebhaberin nur sehr selten besuchen. Jede kleinere Reise will lange geplant und angespart sein. Ihr einziger Luxus: Einmal die Woche ins Kaffeehaus. Und ihr Auto, das sie für ihre ehrenamtliche Arbeit braucht. Christof betreut Menschen im Pflegeheim und ist in der evangelischen Gemeinde tätig. Ein platter Autoreifen kann ihr Budget bereits sprengen. Ohne den Sozialmarkt SOMA wäre für sie das Leben schwer leistbar. "Ich geh gerne hin", schildert sie. Nicht nur wegen der Preise, auch wegen der menschlichen Zuwendung. "Da trifft man Leute, man kann sich unterhalten." Mit Menschen in Kontakt zu bleiben, sei das wichtigste, sagt sie.

Das Glück, ein tragfähiges soziales Netzwerk zu haben, haben nicht alle der 166.000 NiederösterreicherInnen, die von Armut betroffen sind, schildert AKNÖ-Sozialrechtsexperte Maximilian Weh. "Aus Studien wissen wir, dass viele unter Isolation leiden. Sie können es sich nicht leisten, an vielen normalen Freizeitaktivitäten teilzunehmen und verlieren so den Anschluss." Überproportional betroffen sind Alleinerziehende und PensionistInnen.

AKNÖ-Präsident Wieser: "Brauchen mehr Engagement für die Betroffenen"

AKNÖ-Präsident Markus Wieser fordert anlässlich des morgigen Internationalen Tags der Armutsbekämpfung "Arbeit, von der man leben kann. Leider haben wir immer noch Berufe, in denen man weniger als 1.500 Euro für 40 Stunden in der Woche verdient. Das darf nicht sein." Auch die von AK und ÖGB geforderte Lohnsteuerreform würde die Lage von Menschen mit geringem Einkommen verbessern.

Wieser plädiert auch für mehr Engagement von Land und Gemeinden für die Betroffenen. "Bei der Mindestsicherung gibt es nach wie vor Ungleichheiten bei der Abwicklung und es wäre zu begrüßen, wenn man sie 14-mal im Jahr ausbezahlen würde", sagt er. Ebenfalls ein Thema sei die Kinderbetreuung. "Je mehr Frauen wir durch gute Kinderbetreuungseinrichtungen einen Vollzeitarbeitsplatz ermöglichen, desto besser. Das ermöglicht einen Ausweg aus der Armutsfalle."

Gleichzeitig sollten Maßnahmen verstärkt werden, die die soziale Isolation von Betroffenen verhindern, sagt Wieser: "Das reicht von Gratis-Tickets für Betroffene in den Öffis, über Treffpunkte in den Gemeinden oder Förderungen für gemeinnützige Einrichtungen wie die SOMAs bis hin zu mehr Sozialarbeit. Viele dieser Maßnahmen kosten nur wenig Geld, aber sie helfen Menschen, die von Armut betroffen sind, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Darauf haben sie ein Recht."

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AKNÖ-Sozialrecht, Maximilian Weh
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