ÖAMTC: Herbstzeit ist Risikozeit für Wildunfälle

2013: 296 Wildunfälle mit Personenschaden - Niederösterreich ist Spitzenreiter

Wien (OTS) - "Im Herbst wechselt das Rehwild in sein Winterquartier, dadurch ergeben sich verstärkt Wanderbewegungen über Straßen", erklärt ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte Markus Schneider. Laut Statistik Austria kam es im Jahr 2013 in Österreich zu 296 Wildunfällen mit Personenschaden, fünf Menschen kamen dabei ums Leben, 327 wurden verletzt. Mit 104 Unfällen mit Personenschaden liegt Niederösterreich klar an der Spitze der Unfallstatistik, gefolgt von Steiermark (62 Unfälle) und Oberösterreich (55 Unfälle).

Um Unfälle zu vermeiden, wurde das Autobahn- & Schnellstraßennetz in Österreich durchgehend mit Wildschutzzäunen ausgestattet. 2013 kam es in diesem Bereich nur zu fünf schweren Wildunfällen, der überwiegende Teil ereignete sich im unterrangigen Straßennetz. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass hier Wildwarngeräte oder das Anbringen von Duftstoffen, die den Geruch von Mensch, Luchs, Wolf oder Bär nachahmen, die beste Möglichkeit zur Prävention darstellen. "Der verstärkte Einsatz in kritischen Straßenabschnitten sollte österreichweit forciert werden", fordert der ÖAMTC-Experte.

Richtiges Verhalten entscheidet über Unfallausgang

Am größten ist die Wildunfall-Gefahr in den Morgen- und Abendstunden, weil die Tiere um diese Zeit im Revier auf Nahrungssuche unterwegs sind. Ist die Sicht beispielsweise durch Nebel beeinträchtig, stellt dies eine zusätzliche Gefahrenquelle für den Lenker dar. Deshalb sollte man besonders bei Dämmerung im Bereich von Wildwechselwarnschildern und bei bekannten Wildwechselstellen besonders aufmerksam und vorausschauend fahren und auf ausreichend Abstand zum Vorderfahrzeug achten. "Sobald man ein Tier sieht, gilt:
Geschwindigkeit reduzieren, Fernlicht ausschalten und hupen. Ergreift das Tier die Flucht, ist dennoch Vorsicht geboten, weil Wildtiere meist in Gruppen unterwegs sind", rät Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik. "Riskante Ausweichmanöver sollten stets vermieden werden. Kann ein Zusammenstoß nicht mehr verhindert werden: Stark bremsen und das Lenkrad dabei gut festhalten." Im Falle eines Unfalls: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen und die Unfallstelle mit einem Pannendreieck absichern. Eventuell verletzte Personen müssen sofort versorgt und die Polizei verständigt werden. Verletzte oder getötete Tiere sollten keinesfalls berührt werden.

Rechtliche Bestimmungen - Die Größe des Tieres ist zu beachten

In der Rechtsprechung bestimmt vor allem die Größe des Tieres das juristisch korrekte Verhalten des Lenkers. Wer wegen eines Tieres bremst, riskiert im Falle eines Auffahrunfalls ein Mitverschulden. Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch rechtfertigt die Gefahr für den Menschen eine Vollbremsung. "Trifft man beispielsweise mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht bereits zwei Tonnen", erklärt Roland Frisch den Sachverhalt. Ist aufgrund der Größe des Tieres eine Vollbremsung für den Nachfolgeverkehr gefährlicher als ein Zusammenstoß mit dem Tier -etwa bei Kleintieren wie Hasen, Wildvögeln und Eichhörnchen - muss man laut Rechtsprechung bei einem Auffahrunfall einen Teil des Schadens selbst begleichen. Dies gilt auch dann, wenn der nachfolgende Fahrer zu wenig Abstand gehalten hat. Eine sich annähernde Gruppe von Wildvögeln (etwa Fasane) kann eine Vollbremsung wiederum rechtfertigen. "Insbesondere bei den Gefahrenzeichen 'Achtung Tiere' und 'Achtung Wildwechsel' ist der Lenker außerdem verpflichtet, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass eine folgenschwere Kollision verhindert werden kann," so ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried. Sein Tipp: bremsbereit fahren.

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