10. 10. World Mental Health Day - Leben mit Schizophrenie in Österreich

Betroffene von Schizophrenie und deren Angehörige leiden nicht nur an der Erkrankung selbst, sondern haben auch mit Diskriminierung und Versorgungsproblemen zu kämpfen.

Wien (OTS) - Der World Mental Health Day am 10. Oktober steht heuer unter dem Motto "Leben mit Schizophrenie". Weltweit leiden rund 24 Millionen Menschen an Schizophrenie. Die Lebenszeitprävalenz liegt bei 1 Prozent. In Österreich gibt es rund 800 Neuerkrankungen pro Jahr. Trotz der Häufigkeit der Erkrankung und der Tatsache, dass rund 80.000 Österreicher einmal in ihrem Leben eine psychotische Phase durchleben, wird das Krankheitsbild der Schizophrenie noch immer von zahlreichen Mythen begleitet.

Gesellschaftliche Vorurteile erschweren das Leben der Betroffenen

Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Prim. Dr. Georg Psota, verdeutlicht mit Hilfe von rezenten Daten aus Deutschland, dass die Vorurteile gegenüber den Betroffenen in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen haben:
"Trotz steigender Akzeptanz für psychiatrische Behandlung hat sich die negative Einstellung gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft nicht verbessert. Im Gegenteil: In den letzten zwanzig Jahren hat sich diese nicht verändert und im Fall der Schizophrenie haben Angst und soziale Ablehnung sogar noch zugenommen." Der führende Experte Österreichs in der Erforschung der Schizophrenie, Univ.-Prof. Dr. W. Wolfgang Fleischhacker von der Medizinischen Universität Innsbruck, erklärt eine mögliche Ursache für das Stigma: "Die Erklärung für die starke Stigmatisierung der Schizophrenie ist wahrscheinlich doch recht simpel. Die Menschen können sich in andere psychische Erkrankungen wie eine Depression oder in eine Angststörung viel leichter hineinversetzen, als in die Schizophrenie. Daher ist uns das Erleben der Betroffenen so fremd und darum macht es oft Angst."

Frühe Intervention um psychosoziales Leistungsniveau zu erhalten

Eine frühe Diagnose ist bei Schizophrenie besonders entscheidend, da sich zwei Drittel aller Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises im Krankheitsverlauf als chronisch-rezidivierend erweisen. Das oberste Behandlungsziel ist daher die Vermeidung von Rezidiven bzw. Rückfällen, denn jeder Rückfall kann die Prognose dramatisch verschlechtern. Univ. - Prof. Dr. W. Wolfgang Fleischhacker betont:
"Je früher behandelt wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung. Bei rascher Diagnose und prompter konsequenter Therapie erzielen wir bei zwei Drittel der Ersterkrankten ausgezeichnete Erfolge mit zum Teil völliger Rückbildung der Symptomatik. Wenn diese Therapie aufrechterhalten wird, können auch beim Großteil der Patienten Rückfälle vermieden werden."

Mehr Aufklärung und bessere Versorgung

Eine Aufklärung über psychiatrische Erkrankungen und die Etablierung eines leicht zugänglichen, modernen Versorgungsnetzes, das auch ambulant und direkt beim Patienten zur Verfügung steht, ist daher unabdingbar für eine Inklusion der Betroffenen und zur Unterstützung der Angehörigen, die vielfach einen Großteil der extramuralen Betreuung leisten. Eine gesellschaftliche Akzeptanz der Schizophrenie würde auch einer Vielzahl der Betroffenen den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern.

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