• 08.10.2014, 09:24:51
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Hands on: Rheumatoide Arthritis

Früherkennung und leben mit der Erkrankung

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5976 Im Bild
v.l.n.r.: Baruch Wolski , Dr. Anna Vavrowsky, MSc / Managing
Partner, Academy for Value in Health GmbH, Ludwig Erlacher /
Vorstand der 2. Med. Abteilung mit Rheumatologie, Osteologie und
Akutgeriatrie am SMZ-Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital

Utl.: Früherkennung und leben mit der Erkrankung =

Wien (OTS) - Rheumatoide Arthritis (RA) betrifft weltweit 0,4 % bis 2
% der Bevölkerung, in Österreich leiden zwischen 50.000 und 80.000
Menschen daran - Frauen dreimal so häufig wie Männer. Obwohl RA in
jedem Alter - auch bei Kindern und Jugendlichen - zum ersten Mal
auftreten kann, erkranken die meisten Menschen zwischen dem 40. und
50. Lebensjahr, also im erwerbsfähigen Alter. Die Arbeitsfähigkeit zu
erhalten ist damit eine wichtige Herausforderung. Auch die
strukturellen Herausforderungen im Versorgungsbereich sind nicht zu
unterschätzen. All diese Faktoren haben Auswirkung auf die
Lebensqualität der Betroffenen und lassen der Früherkennung eine
gravierende Bedeutung zukommen.

Früherkennung: Diagnose innerhalb von 12 bis 16 Wochen

Die Prognose einer rheumatoiden Arthritis ist umso besser, je früher
und intensiver mit der Basistherapie begonnen wird. Das möglichst
rasche Stellen der Diagnose ist deswegen entscheidend. Laut Prim.
Univ. Prof. Dr. Ludwig Erlacher, Vorstand der 2. Med. Abteilung mit
Rheumatologie, Osteologie und Akutgeriatrie am SMZ-Süd,
Kaiser-Franz-Josef-Spital, sollte eine Diagnose idealerweise
innerhalb von 12 bis 16 Wochen nach dem ersten Auftreten von
Beschwerden gestellt sein. Zu den wichtigsten Warnsignalen zählen:
"Mehr als ein geschwollenes Gelenk, die gummiartig geschwollenen
Gelenke sind sehr druckempfindlich, jedoch nicht gerötet und die
Morgensteifigkeit dauert länger als 30 Minuten an." Bei der RA
beginnt die entzündungsbedingte Gelenkzerstörung schon sehr früh im
Krankheitsverlauf. Beispielsweise sind mittels
Magnetresonanztomographie der Hände nach drei Monaten bereits bei
mehr als einem Drittel der Patienten Erosionen nachweisbar. Die
Gelenkschäden sind irreversibel: Wenn sie einmal aufgetreten sind,
können sie auch mit einer optimalen Basistherapie nicht mehr
rückgängig gemacht werden.

Moderne Bildgebung - Chance für die Früherkennung von RA
Durch ihren hohen Weichteilkontrast ist die MRT in der Lage, neben
den knöchernen Läsionen auch das entzündliche Weichteilgewebe
(Pannus) in den peripheren Gelenken sensitiv darzustellen. Das
Knochenmarködem im MRT hat einen hohen prädiktiven Wert für die
spätere Entwicklung von Erosionen bei der RA.

Ein Leben mit rheumatoider Arthritis

Bei Baruch Wolski wurde vor zwei Jahren eine chronische Polyarthritis
diagnostiziert. Der 38-jährige Wiener verspürte ganz plötzlich starke
Schmerzen in den Gelenken am ganzen Körper. Bis zum Zeitpunkt der
Diagnose sind in seinem Fall sechs Monate vergangen; Eine Zeit, in
der er nur durch die Einnahme von Kortison zeitweise arbeitsfähig
war. Der Tipp, einen Rheumatologen zu konsultieren, kam aus dem
privaten Umfeld. Prim. Univ.-Prof. Dr. Ludwig Erlacher am SMZ-Süd
stellte durch eine eingehende rheumatologische Untersuchung die
Diagnose chronische Polyarthritis. "Ich könnte mir vorstellen, dass
die Diagnose auch deshalb so lange gedauert hat, weil ich
sero-negativ bin. Das bedeutet, die Rheumafaktoren im Blut waren in
meinem Fall negativ. Die finale Diagnose ergab ein MRT", erklärt
Wolski. Laut Experten kann man davon ausgehen, dass mindestens ein
Drittel der Patienten sero-negativ ist, was die Diagnose zusätzlich
erschwert.

Im Schnitt sieht ein österreichischer Allgemeinmediziner 0,4
Betroffene mit neuer Erkrankung pro Jahr. Da RA aber in sehr hohem
Maße mit einer frühzeitigen Arbeitsunfähigkeit assoziiert ist, ist es
wichtig, Allgemeinmedizinern und Betroffenen bereits beim ersten
Verdacht Anlaufstellen bei Spezialisten zu bieten. Die
Früharthritisambulanzen leisten hierzu einen wertvollen Beitrag, sind
aber nicht österreichweit vorhanden. Für Baruch Wolski kam die
Diagnose immer noch rechtzeitig, er hatte Glück: "Mittlerweile
verspüre ich kaum noch Beschwerden. Ich erhalte eine
immunmodulierende Basistherapie. Die Dosis konnten wir in
drei-Monatsschritten bereits reduzieren."

Vavrovsky: Versorgungssituation und betriebliche
Wiedereingliederung von RA-Patienten

Um die Früherkennung weiter zu verbessern, müssen auch die dafür
vorhandenen Versorgungsstrukturen gegeben sein. "Die
strukturpolitischen Rahmenbedingungen müssen den Bedürfnissen
österreichischer Betroffener angepasst werden - mit nur 20
niedergelassenen Rheumatologen im ganzen Land wird dies nicht zu
bewerkstelligen sein. Burgenland, Tirol und Vorarlberg verfügen über
keinen einzigen niedergelassenen Rheumaspezialisten mit
Kassenvertrag", weiß Anna Vavrovsky als Expertin zu berichten.
Auch das Angebot der Akutbegutachtung sollte ausgeweitet werden, um
Anlaufstellen bei Verdacht auf entzündliches Rheuma zu bieten.
Derzeit werden entsprechende Kurzkonsultationen in nur fünf
Bundesländern angeboten. Rasches Handeln beim ersten Verdacht ist
auch deswegen so wichtig, weil die Erkrankung enorme Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit Betroffener hat: 15 Jahre nach Diagnose ist nur
noch einer von fünf Patienten in der Lage, Vollzeit zu arbeiten.
Aber auch bei einer frühzeitigen Erkennung der Krankheit und bei
rechtzeitiger Therapie gilt es, die Hürden der Wiedereingliederung
ins Berufsleben zu überwinden. "Oft werden Patienten und Arbeitnehmer
als zwei getrennte Gruppen betrachtet und diskutiert", verweist Dr.
Anna Vavrovsky, MSc, von der Academy for Value in Health GmbH. Diese
Unterscheidung ist aus ihrer Sicht falsch: "Patienten sind in
überwiegendem Maße auch erwerbstätig. Das Recht auf Arbeitsfähigkeit
ist in der europäischen Menschenrechtskonvention verankert und so
sollte es gelingen, die Dichotomie zwischen entweder vollständig
gesund oder krank, und damit vollständig arbeitsunfähig, endlich
abzuschaffen." Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement kann
maßgeblich dabei helfen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem selbst
ein nicht 100 % gesunder Mitarbeiter die Möglichkeit hat, seine
bestmögliche Leistung zu erbringen. Neben ökonomischen Vorteilen, wie
einer Vermeidung von Produktivitätsausfällen, Wissensverlust und
Verwaltungsaufwand, ist Arbeit für die Lebensqualität der Betroffenen
von immenser Bedeutung. Die RA zählt zur Gruppe der muskuloskeletalen
Erkrankungen, die in Österreich die zweithäufigste Ursache für
verfrühtes Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess darstellen.
Zusammengewürfelt mit mehr als 200 anderen Krankheitsbildern ist
keine genaue Transparentmachung von Daten zur RA möglich. Vavrovsky
appelliert: "Für eine gesundheitspolitische Prioritätensetzung ist
eine höhere Granularität in der Erfassung und eine Transparentmachung
dieser Daten unabdingbare Voraussetzung."

Hands on RA - Selbsterfahrungsübung

Mittels speziell entwickelter Handschuhe (Arthritis Simulation Gloves
entwickelt von Forschern des Georgia Tech Research Institute), lassen
sich die Funktionseinschränkungen der Hand, mit denen RA-Betroffene
im Alltag konfrontiert sind, lebensecht nachvollziehen:
Einschränkungen der Griffstärke, der Fingerfertigkeit, des

Bewegungsumfangs und des Tastempfindens. Durch das Tragen der
Handschuhe wird sichtbar gemacht, welche Schwierigkeiten die RA bei
einfachsten Dingen des Lebens verursacht - greifen, drücken, drehen,
heben und biegen.

Abschließend appelliert Ludwig Erlacher: "Rheumatoide Arthritis ist
keine Erkrankung der älteren Generation. Frühzeitig auftretende

Beschwerden sollten ernstgenommen und rasch abgeklärt werden."

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Der Journalistenworkshop "Hands on: Rheumatoide Arthritis -
Früherkennung und leben mit der Erkrankung" fand mit freundlicher
Unterstützung von Roche Austria GmbH statt.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5976

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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