Diagnose(un)sicherheit und Diagnosefehler

Ein lange Zeit unterschätztes Problem der Patientensicherheit

Wien (OTS) - Nationale und internationale ExpertInnen diskutierten auf Initiative der Plattform Patientensicherheit im Bundesministerium für Gesundheit über Gründe, Auswirkungen und mögliche Vermeidungsstrategien von Diagnosefehlern.

Im Rahmen der Patientensicherheit wurde in der Vergangenheit viel über Behandlungsfehler gesprochen - die Auseinandersetzung mit dem Thema Diagnosefehler und Diagnoseunsicherheit ist hingegen ein noch relativ junges Phänomen. "Mit dieser Veranstaltung übernehmen Sie hier in Österreich eine Schrittmacherfunktion für ein wichtiges, bisher vernachlässigtes Thema, das wird auch die Diskussion in Deutschland voranbringen", sagte Hardy Müller, Geschäftsführer des deutschen Aktionsbündnisses Patientensicherheit, in Richtung der beiden Gastgeberinnen Dr.in Brigitte Ettl, Präsidentin der Plattform Patientensicherheit, und Eva-Maria Kernstock, MPH, Leiterin des Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen.

"Diagnosefehler sind die häufigsten, die teuersten und die tödlichsten Fehler in der Medizin", brachte Univ.-Prof. Dr. Norbert Pateisky, Leiter der Abteilung für klinisches Risikomanagement an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der Medizinischen Universität Wien, die Problematik auf den Punkt. Auf Basis des bislang eher mäßig vorhandenen empirischen Datenmaterials schätzen ExpertInnen, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller gestellten Diagnosen falsch sind.

Häufigste Ursache für Diagnosefehler und -unsicherheiten sind menschliche Limitationen. "75 Prozent der Diagnosefehler sind auf kognitive Faktoren zurückzuführen", erläuterte Univ.-Prof. Dr. Andreas Valentin, Leiter der Allgemeinen und Internistischen Intensivstation, Krankenanstalt Rudolfstiftung Wien. Dazu zählen etwa selektive Wahrnehmung, Verzerrungen im Denken, vorzeitige Schlussfolgerungen, persönliche Überzeugungen oder das Festhalten an Bewährtem. Wichtige erste Schritte zur Vermeidung von Fehlern sind die Auseinandersetzung mit diesen Faktoren sowie ein Umfeld, das die kognitiven Faktoren zu verhindern versucht, anstatt sie noch maßgeblich zu fördern, etwa durch lange Arbeitszeiten, Übermüdung, Zeitdruck, psychischen Stress und Überforderung.

Anhand von nationalen und internationalen Initiativen wurden im Rahmen der Tagung auch Strategien vorgestellt, wie Fehler und Unsicherheiten in der Diagnose zu minimieren wären. Moderne Informationstechnologien könnten in diesem Sinn ebenso brauchbare Hilfsmittel sein wie etwa Diagnose-Checklisten, multiprofessionelle Fallbesprechungen, ein "Diagnostic Timeout" oder Simulationstrainings für multidisziplinäre Behandlungsteams.

Kontakt:

Dr.in Maria Kletecka-Pulker
maria.kletecka@univie.ac.at
0664/6027722202

Veranstalter: Plattform Patientensicherheit (www.plattform-patientensicherheit.at), Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen, Gesundheit Österreich GmbH (www.goeg.at) und European Union Network for Patient Safety and Quality of Care (www.pasq.eu)

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