- 06.10.2014, 19:30:31
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Im staatlichen Verbund"
Ausgabe vom 7. Oktober 2014
Utl.: Ausgabe vom 7. Oktober 2014 =
Wien (OTS) - Der Energieversorger Verbund ist 2006 mit Pomp in den
französischen Energiemarkt eingestiegen und hat dafür mehr als 400
Millionen Euro investiert. Jetzt ist er wieder ausgestiegen, verkauft
wurden die beiden Kraftwerke um zirka 150 Millionen Euro. Schon
Anfang 2013 wurde die Expansion in die Türkei radikal beendet. Auch
die war kein berauschender Erfolg.
In der OMV wird derzeit heftig gestritten über die Zukunft der
Gas-Strategie, sogar über einen Verkauf der Gas-Sparte soll
nachgedacht werden. Die Debatte geht quer durch den Vorstand, was zum
Gerücht des vorzeitigen Abgangs des Vorstandsvorsitzenden führte.
Seit Mai ist die Aktie von 33 auf 26 Euro gefallen.
Die beiden wenig glanzvollen Beispiele österreichischer
Wirtschaftspolitik haben ursprünglich nichts miteinander zu tun, aber
künftig doch.
Denn die mehrheitlich staatliche Verbund-Gesellschaft soll - so die
Absicht der Bundesregierung - in die komplett staatliche
Industrieholding ÖIAG eingegliedert werden.
Nun hat sich die ÖIAG bei der Telekom Austria nicht mit Ruhm
bekleckert und bei der jüngsten Debatte um die OMV wohl auch nicht.
Der ÖIAG also die Steuerung der beiden wichtigsten Energieunternehmen
Österreichs in die Hand zu geben, darf durchaus als gefährliche
Bedrohung angesehen werden.
Selbst wenn ins Treffen geführt wird, dass die ÖIAG selbst einer
Erneuerung unterzogen wird und die Regierung künftig den Aufsichtsrat
selbst bestimmt, bleibt die Frage nach deren Aufgabe. Mit OMV und
Verbund wäre sie eine Art Energieholding, angereichert durch die Post
und möglicherweise die Asfinag. Das klingt nicht nur sinnlos, sondern
ist es auch.
Was Österreich tatsächlich benötigen würde, ist eine strategische
Steuerung wesentlicher Beteiligungen. Dass die OMV ihre künftige
Gas-Strategie im Wesentlichen ohne die Politik diskutiert, ist
unerträglich. Und das hat wenig mit Macht und Postenschacher zu tun
als vielmehr mit der stabilen Energieversorgung des Landes. Und das
ist sehr wohl eine politische Entscheidung.
Eine engere Abstimmung zwischen OMV und Verbund wäre durchaus
wünschenswert, auch wenn der Schrecken der geplatzten Fusion 2006
nach wie vor in den Köpfen spukt. Dazu benötigt es aber in der ÖIAG
eines Managements, das nicht nur politische Rückendeckung genießt,
sondern auch Kompetenz aufweist.
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