- 30.09.2014, 13:30:07
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Matching-Punkte wenig sinnvoll
Hannover (ots) - Viele Internet-Partnerbörsen teilen ihren suchenden
Mitgliedern Matching-Punkte mit, die darüber Auskunft geben, wie gut
sie zueinander passen sollen. Die Theorie der Matching-Punkte ist
typischerweise, dass Menschen umso besser zueinander passen, desto
ähnlicher ihre Persönlichkeiten seien.
Tatsächlich zeigen Studien, dass die Persönlichkeits-Ähnlichkeit eine
Rolle für die Qualität und Dauer einer Beziehung spiele, berichtet
Dr. Guido F. Gebauer, Diplom-Psychologe bei der Partnerbörse
www.Gleichklang.de.
Allerdings sei die Persönlichkeitsähnlichkeit nach wissenschaftlichen
Befunden für höchstens neun Prozent der Unterschiede in der
Beziehungsqualität und Beziehungsdauer verantwortlich. Es sei daher
zweifelhaft, ob ein Matching nach Persönlichkeit überhaupt einen
praktisch relevanten Beitrag für die Partnervermittlung leisten
könne.
Für unsinnig oder sogar schädlich hält der Gleichklang-Psychologe die
Rückmeldung der Matching-Punkte. Dadurch werde den Nutzern vorschnell
suggeriert, dass bestimmte Personen besonders passend oder unpassend
seien. Ein unvoreingenommenes Kennenlernen werde so blockiert. Die
Matching-Punkte könnten das Verhalten der Nutzer steuern und sich so
als eine selbsterfüllende Prophezeiung erweisen, die mit der
Wirklichkeit nichts oder wenig zu tun haben müsse.
Gebauer findet es außerdem unlogisch, nach Passung zu vermitteln und
dann den Nutzern trotzdem auch angeblich unpassende Vorschläge zu
unterbreiten. Nach Ansicht von Dr. Gebauer sollte sich eine wirksame
Vermittlung darauf beschränken, passende Mitglieder zu ermitteln und
einander vorzuschlagen, so dass diese unbefangen miteinander in
Kontakt treten können. Eine Reihenfolge der Passung mithilfe der
Angabe von Matching-Punkten sollte nicht gebildet werden.
Außerdem sollte für die Ermittlung der Passung von zwei Personen aus
der psychologischen Sichtweise von Dr. Gebauer vorwiegend die
Übereinstimmung in von beiden Personen auch als wirklich wichtig
erachteten Lebensstilmerkmalen herangezogen werden. Allgemeine
Persönlichkeitsmerkmale seien demgegenüber zweitrangig. So könnte
beispielsweise eine gemeinsame vegane Lebensweise für die Passung von
zwei Partnersuchende weitaus wichtiger sein als Unterschiede im
Ausmaß der Geselligkeit oder Ordnungsliebe.
Gleichklang verfolgt einen solchen psychologischen Vermittlungsansatz
ohne Angabe von Matching-Punkten nach Angaben von Dr. Gebauer
jedenfalls mit seit 2006 mit sehr guten Vermittlungserfolgen.
Ob eine psychologisch basierte Partnervermittlung überhaupt zu einer
verbesserten Qualität und Dauerhaftigkeit der durch sie entstandenen
Beziehungen führe, bleibe allerdings offen, gibt Dr. Gebauer zu.
Wissenschaftlich könnte dies nur in Langzeitstudien mit immensen
Aufwand untersucht werden, die bisher noch nicht durchgeführt worden
seien. Die Annahme, dass eine psychologisch basierte Vermittlung
besonders wirksam sei, sei insofern derzeit lediglich eine Hypothese,
nicht aber ein erwiesener Fakt. Dies brauche allerdings diejenigen
Menschen, die über eine psychologische Vermittlung zueinander fänden,
nicht zu stören, meint Dr. Gebauer.
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