• 23.09.2014, 15:06:02
  • /
  • OTS0178 OTW0178

Früherkennung und Betreuung chronisch Kranker

Land OÖ, Medizin, OÖ GKK und Apothekerschaft gemeinsam für ein Ziel

Utl.: Land OÖ, Medizin, OÖ GKK und Apothekerschaft gemeinsam für ein
Ziel =

Linz (OTS) - Bewegungsmangel, Übergewicht, Tabakkonsum - allesamt
Indikatoren für chronische Erkrankungen. Chronische Erkrankungen sind
im Steigen begriffen, in Europa sind mehr als 86 Prozent der
Todesfälle auf chronische Krankheiten zurück zu führen.
Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zeigte im Vorfeld des Aktionstag
Gesundheit OÖ 2014: "Zucker", Diabetes & Co. gemeinsam mit Experten
aus der Medizin, der Apothekerschaft und der OÖGKK die umfangreichen
Möglichkeiten zur Früherkennung und der strukturierten Betreuung von
chronischen Erkrankungen im Land Oberösterreich auf.

Der Aktionstag Gesundheit OÖ 2014: "Zucker", Diabetes & Co. gab auch
heuer wieder Anlass dazu, dass die Vertreter des Landes OÖ, der
OÖGKK, AM Plus und der OÖ Apothekerkammer im Vorfeld gemeinsam
aufzeigten, welche Möglichkeiten zur Früherkennung und der
strukturierten Betreuung von chronischen Erkrankungen im Land
Oberösterreich bestehen.

Zahl der chronisch Kranken ist in Österreich weiter steigend

In Europa sind bereits mehr als 86 Prozent der Todesfälle auf
chronische Erkrankungen zurück zu führen. Aber auch in Schwellen- und
Entwicklungsländern gewinnt diese Gruppe der Zivilisationskrankheiten
an Bedeutung. In Österreich sind mehr als ein Drittel der über
15-Jährigen (2,6 Mio. Menschen) von einer chronischen Krankheit oder
einem chronischen Gesundheitsproblem betroffen. Diese nehmen mit dem
Alter zu, wobei Frauen in allen Altersgruppen stärker betroffen sind
als Männer. Während nur jeder sechste 15- bis 29-Jährige ein
dauerhaftes gesundheitliches Problem hat - 125.000 Männer und 140.000
Frauen - sind es bei den über 75-Jährigen etwa zwei Drittel der
Bevölkerung - 140.000 Männer und 300.000 Frauen (Quelle Statistik
Austria).

Land Oberösterreich setzt auf Prävention

Um den Patienten mit chronischen Erkrankungen die bestmögliche
Versorgung zu bieten, ist das Land Oberösterreich bemüht einerseits
die Früherkennung vor allem im extramuralen Bereich voranzutreiben
und andererseits die interdisziplinäre Vernetzung aller
Gesundheitsberufe zu stärken, stellte Dr. Josef Pühringer,
Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Oberösterreich dar. "Am
Beispiel Diabetes zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig
Prävention für die Vorbeugung, Früherkennung, Behandlung, Entstehung
und den Verlauf von Krankheiten ist. Um diese Bemühungen zu
verstärken, haben das Land Oberösterreich und die OÖGKK eine
Präventionsoffensive gestartet. Mit unserem Präventionsprogramm unter
der Dachmarke 'Gesundes Oberösterreich' wollen wir die Menschen
bereits ab dem Kindesalter zu einer gesünderen Lebensweise
motivieren. Besonders in den Bereichen Ernährung und Bewegung können
wir eine positive Beeinflussung wichtiger Risikofaktoren erreichen.
Genau dort setzen wir mit unseren Initiativen wie Gesunde Gemeinde,
Gesunder Kindergarten, Gesunde Schule, Haltungs- und
Bewegungsberatung, Gesunde Küche, 'Wir machen Meter' oder dem neuen
Schwerpunkt 'Mahlzeit miteinand - gemeinsam schmeckt's am besten' an.
Damit versuchen wir, mit verhaltens- und verhältnispräventiven
Ansätzen eine nachhaltige Wirkung auf die Gesundheit zu erzielen", so
Pühringer.

Handlungsebenen der OÖGKK und Angebote für die Versicherten

Die Gruppe der Diabetiker wird in Österreich derzeit auf etwa 600.000
Menschen geschätzt. Speziell in Oberösterreich gibt es laut der OÖGKK
etwa 75.000 Diabetiker. Mag. Franz Kiesl, MPM, Ressortdirektor für
den Bereich Vertragspartner und Gesundheitsförderung der
Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse: "Diabetes ist eine der
schwerwiegendsten Zivilisationskrankheiten. Die Ursachen sind vor
allem falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Die Folgen für
Betroffene sind dramatisch, reichen bis hin zu
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Amputationen oder Erblindung - auch für
Angehörige eine schwere Belastung. Zudem ist Diabetes eine
strukturelle und finanzielle Herausforderung für das
Gesundheitssystem. Für die Therapie eines diabeteskranken Menschen
wendet die OÖGKK jährlich rund 4.000 Euro auf. Die Gesamtkosten für
Diabetes-Medikamente belaufen sich auf jährlich rund 13 Mio. Euro",
so Kiesl. Die OÖGKK ist sich der Tragweite der Erkrankung bewusst.
Umso vielschichtiger sind die Maßnahmen der OÖGKK im "Kampf" gegen
Diabetes:

- Gesundheitsförderung steht an erster Stelle: Die OÖGKK setzt
bereits beim Verhalten und den Lebensverhältnissen an, um das
Entstehen von Diabetes möglichst hintanzuhalten. Unter dem Titel
'...von Anfang an!' werden Workshops für Schwangere und junge Mütter
u.a. zur gesunden Ernährung von Mutter und Baby abgehalten. Von
Ernährungs- und Bewegungsangeboten für Schüler bis hin zur
Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) bietet die OÖGKK weitere
gesundheitsförderliche Angebote.

- Konkrete Diabetes-Risiken wie insbesondere Übergewicht bzw.
Adipositas zu bekämpfen, ist das zweite Handlungsfeld. Kursangebote
wie "Kim Kilo", "Leichter leben" oder "Surf dich schlank", ein
Online-Angebot zum Abnehmen, unterstützen Versicherte jeden Alters
auf ihrem Weg zu einem gesunden Gewicht.

- Für bereits erkrankte Diabetiker hat die OÖGKK - gemeinsam mit der
Ärztekammer und dem Land Oberösterreich - 'Therapie Aktiv' ins Leben
gerufen: Dieses Disease Management Programm (DMP) umfasst
standardisierte Leistungen, regelmäßige Kontrollen sowie definierte
Betreuungs- und Schulungsmaßnahmen. In enger Kooperation mit den
niedergelassenen Ärzten in Oberösterreich hat die OÖGKK dieses DMP
als Erstes eingeführt. Hinsichtlich der Beteiligung von Ärzten und
eingeschriebenen Patienten steht dieses Projekt im
Bundesländervergleich an der Spitze. Dennoch kann bei "Therapie
Aktiv" noch Steigerungspotenzial geortet werden. Denn Studien zeigen:
"Strukturierte Diabetes-Betreuung hebt die Wirksamkeit der Therapie.
Gemeinsam mit den Apotheken, der Ärztekammer und dem Land
Oberösterreich soll es gelingen, das volle Potenzial von 'Therapie
aktiv' in Zukunft noch mehr auszuschöpfen", so Kiesl.

Evaluation von 'Therapie Aktiv' zeigt Erfolg des Disease
Management Programms

Ein Zeugnis für das Engagement in Oberösterreich ist das DMP
"Therapie Aktiv", das - neben anderen Gesundheitsberufen - Apotheker
in die Früherkennung und integrierte Betreuung von Patienten mit Typ
2-Diabetes integriert. "So werden noch nicht diagnostizierte Personen
mit hohem Risikopotenzial mittels FINDRISK-Fragebogen in der Apotheke
herausgefiltert und zum Arzt zur Abklärung und Diagnosestellung
verwiesen. Diagnostizierte Diabetiker werden von der Apotheke für die
Aufnahme in das Programm Therapie Aktiv beim betreuenden Hausarzt
motiviert. Wenn kein am Disease Management Programm Diabetes
teilnehmender Arzt zur Verfügung steht, betreut die Apotheke nach
einem strukturierten Apothekenbetreuungsprogramm mit definierten
Vorgaben, in abgestimmter Ergänzung zur Diagnose und Therapie des
behandelnden Arztes", erläuterte Mag. pharm. Dr. Ulrike
Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Apothekerkammer Oberösterreich. Um
die Wirksamkeit des Pilotprojekts zu belegen, zeigte Ulrike
Mursch-Edlmayr die Ergebnisse der Evaluation des "Therapie
Aktiv"-Programms auf, das vom oberösterreichischen Institut für
Gesundheitsplanung evaluiert wurde. In den Apotheken wurden bislang
6.154 FINDRISK-Fragebögen (von insgesamt 6.233 ausgefüllten
Fragebögen) fachgerecht ausgefüllt, sodass diese analysiert werden
konnten. 69,5% der Teilnehmer waren Frauen, wobei der Frauenüberhang
in den jüngeren Altersgruppen größer ist, als in der Gruppe der
älteren Teilnehmer. Nach Altersgruppen betrachtet sind ältere
Personen stärker unter den Teilnehmenden vertreten als jüngere. "Rund
37,4 Prozent der Teilnehmer weisen einen Risikopunkte-Score von 12
und mehr Punkten auf (2.302 Personen). Davon werden 91,4% zur
ärztlichen Abklärung überwiesen (2.104 Personen). Von den zur
Abklärung Überwiesenen wird leider von den Ordinationen nur bei 8,3
Prozent (175 Personen) das Ergebnis der Abklärung an die Apotheke
zurückgemeldet", so Mursch-Edlmayr.

Drei Viertel der ärztlichen Rückmeldungen (74,4%) sind ohne Befund.
Hochgerechnet auf das gesamte Patientengut bedeutet das, dass bei
15,5% (954 Patienten) ein erhöhter Nüchternblutzucker festgestellt
wurde, bei 3,4 Prozent (72 Patienten) eine Glukose-Toleranz-Störung
besteht und 6,9 Prozent (145 Personen) von Diabetes mellitus
betroffen sind - Menschen, die von ihrer Krankheit bisher nichts
wussten! "Es zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede der
Rückmeldungen nach Alter und Geschlecht. Es freut mich, dass wir als
OÖ Apothekerschaft einen wesentlichen Beitrag im Bereich der
Prävention und Primärversorgung leisten können und gleichzeitig die
interdisziplinären Zusammenarbeit mit den anderen Gesundheitsberufen
intensivieren, wobei es hier noch viel Verbesserungspotenzial gibt",
erläutert Mursch-Edlmayr weiter.

Chronic Care - Modell zur optimalen Versorgung chronisch
Kranker

"Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigen eine gute und
strukturierte Betreuung und Behandlung. Für chronisch Kranke ist die
wohnortnahe Betreuung in der Primärversorgung unbedingt notwendig.
So bieten Primary Health Care-Modelle die optimale Möglichkeit, die
Versorgung zu verbessern. Darin arbeiten Gesundheitsberufe eng
vernetzt zusammen, wobei der Hausarzt als zentraler Koordinator
fungiert", so Dr. Erwin Rebhandl, Allgemeinmediziner und Präsident
der Initiative AM PLUS. Ein Teilkonzept in der Primärversorgung, das
explizit zur Verbesserung der Versorgung multimorbider, chronisch
kranker Menschen ganz besonders gut geeignet ist, ist das Chronic
Care-Modell (CCM) nach E. Wagner (1999). Dieses umfasst die
ganzheitlich gesteuerte Versorgung über die einzelnen Sektorengrenzen
hinweg. "Dies bedeutet eine Umorientierung von einer derzeit primär
reagierenden Krankenversorgung, hin zu einem pro-aktiven
Behandlungsansatz. So muss sich die inhaltliche Organisation an den
besonderen Bedürfnissen chronisch Kranker orientieren, ebenso wie die
Einstellung und die Bemühungen des medizinischen Personals gegenüber
Patienten. Wenn dies gewährleitet ist, kann das CCM die
Lebensqualität der Patienten verbessern und Folgeschäden verhindern
oder zumindest verzögern", führte Dr. Rebhandl weiter aus.
Schließlich bereitet eine strukturierte Patientenschulung mit Focus
auf Self-Monitoring und Self-Management den Patienten auf seine Rolle
als zentralen Entscheidungsträger für seine Erkrankung vor. Das CCM
ist eine Strategie, die aus mehreren Komponenten zur Implementierung
und zur Erreichung der EbM-gesicherten Versorgung chronisch Kranker
besteht. "Die Komponenten umfassen eine Änderung des Praxisablaufs
mit einer klaren und abgestimmten Aufgabenverteilung zwischen
Hausarzt und anderen Gesundheitsberufen, die Unterstützung des
Praxispersonals und der Patienten, ein EDV-gestütztes Informations-
und Dokumentationssystem sowie die Unterstützung des
Selbstmanagements der Patienten durch gemeinsame Zielvereinbarungen,
Schulungen, und Patientengespräche zu Informationsstand, Erwartungen,
Selbstbild oder Auffassung von der Erkrankung", erläuterte Dr.
Rebhandl.

Aktionstag Gesundheit OÖ 2014: "Zucker", Diabetes & Co.

Der Aktionstag Gesundheit OÖ 2014: "Zucker", Diabetes & Co. am 24.
September 2014 informiert bei freiem Eintritt von 9 bis 16 Uhr über
chronische Erkrankungen und die damit einhergehenden Krankheiten
sowie über alles, was Österreich und im speziellen Oberösterreich in
diesem Bereich an Früherkennung, Therapie und therapiebegleitenden
Maßnahmen leisten kann. Dieser ist eine Initiative der
Apothekerkammer OÖ gemeinsam mit AM PLUS, Land OÖ und dem ORF OÖ.
Durch sein breites Informationsangebot sollen Neuerkrankungen
reduziert werden. Das Programm zum Aktionstag Gesundheit OÖ finden
Sie auf www.aktionstagoö.at.

Bilder finden Sie unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5840

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AOO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel