- 22.09.2014, 19:30:31
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Klima-Killer"
Ausgabe vom 23. September 2014
Utl.: Ausgabe vom 23. September 2014 =
Wien (OTS) - Die Welt bemüht sich, die Schäden durch die von Menschen
verursachte Klimaveränderung zu reduzieren. Diese Welt besteht
allerdings aus nationalen Regierungen, die versuchen, Klimaschutz
ohne Auswirkungen auf das wirtschaftliche Handeln zu definieren. Dies
ist ein Ding der Unmöglichkeit, also schlägt die Stunde der
Diplomaten. Bei den diversen UN-Vereinbarungen wird um jedes Wort
gefeilscht. In der Zwischenzeit verdorren Ernten oder werden durch
Wassermassen zerstört, Menschen sterben.
Die Klima-Diplomaten reduzieren sich geschickt auf CO2-Emissionen,
nicht auf den Raubbau generell. Das würde die Geschäfte stören.
Der ausgetrocknete Aralsee (ehemals so groß wie die Schweiz)
verändert das Klima in Teilen Zentralasien, er wurde aber durch
unkontrollierte Bewässerung zerstört. In China und Indien brennen
seit Jahrzehnten unterirdische Kohlenflöze in biblischem Ausmaß, eine
Folge menschlicher Achtlosigkeit. In den Ozeanen treiben
Plastikmüllhaufen von der Größe Deutschlands. All dies wird von den
Klima-Diplomaten sorgsam außer Acht gelassen.
In China sind 2013 binnen Jahresfrist die CO2-Emissionen um 58
Prozent gestiegen. In den USA um 20 Prozent, in Indien um 17 Prozent.
In den 28 EU-Ländern fielen sie um 10 Prozent.
Auch dieses Thema wird mit großer Anstrengung vermieden. Es geht in
der Klima-Diplomatie ja darum, Export- und andere befreundete Märkte
nicht vor den Kopf zu stoßen.
Die Folgen sind desaströs. Riesige Flächen gehen für die
Landwirtschaft verloren, obwohl die Weltbevölkerung wächst. In der EU
sperren Industriebetriebe zu, während in Asien Produktionen
hochgezogen werden, die deutlich umweltschädlicher produzieren. Rund
um afrikanische Rohstoffvorkommen ist die Landschaft so verseucht,
dass sie unbewohnbar ist wie die Rückseite des Mondes.
Daraus werden beträchtliche Gewinne gezogen, von denen sehr, sehr
wenige Menschen profitieren. So funktioniert der Markt halt, sagen
die Diplomaten und verändern an einer Klimaschutz-Vereinbarungen noch
schnell eine Präposition, die es "dem Markt" erlaubt, die nächsten
Jahre untätig zu bleiben.
Die Klima-Killer sind jetzt wieder in New York bei der UNO aktiv, und
sie haben dabei alles Mögliche im Sinn, nur eines nicht: Vereinte
Nationen.
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