Podiumsdiskussion von DAS BAND: Deinstitutionalisierung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen

Wien (OTS) - DAS BAND, eine der ältesten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Wien, begeht unter dem Titel "vielfältig wohnen" 2014 gleich mehrere Jubiläen. Alle drei Wohneinheiten, von denen zwei im Zuge der Deinstitutionalisierungsbewegung entstanden sind, feiern dieses Jahr einen (halb)runden Geburtstag. In jüngster Vergangenheit erst untersuchte der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) die Behandlungssituation behinderter Kinder im Otto-Wagner-Spital in den 1960er- bis 1980er-Jahren. Das Fazit: Die Kinder wurden misshandelt und weggesperrt - allerdings entsprach dies den üblichen Behandlungsmethoden der damaligen Zeit. DAS BAND veranstaltete daher heute eine Diskussion zur Wohnsituation von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.

Mit am Podium saßen Univ.-Prof. Dr. Ernst Berger (Facharzt für Psychiatrie und Neurologie), Mag.a Dorothea Brozek (Mitbegründerin der WAG - Assistenzgenossenschaft), Raphael Eder (geschäftsführender Obmann des Vereins Pilgrim), Katja Ronesch (Leiterin der WG "Zur Spinnerin" von DAS BAND), Gitti Eigner (begleitet durch das teilbetreute Wohnen von DAS BAND) und Prof.(FH) Dr. Tom Schmid (Geschäftsführer von DAS BAND).

Thema war die schrittweise Deinstitutionalisierung in den 1980er-Jahren bis hin zu möglichen Entwicklungen in der Zukunft. Es waren sich alle einig, dass sich in den letzten 20 Jahren viel zum Positiven verändert hat, aber "wir die Vergangenheit noch lange nicht los sind", wie Raphael Eder attestiert. Dorothea Brozek verortet die Problematik besonders dort, "wo Behinderung mit hohem Unterstützungsbedarf mit halbherzigen Reformen zusammenstößt" und appelliert damit an die Politik, neben formalen Willenserklärungen auch Entscheidungen sprechen zu lassen.

Auch Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger war unter den Gästen und gibt zu bedenken: "Es wird nicht von heute auf morgen keine Institutionen mehr geben. Aber es gibt jetzt schon Errungenschaften, die es zu würdigen gilt, auch wenn sie nicht das Ende sein dürfen". "Es ist wichtig, erfreuliche Zwischenschritte als solche zu schätzen, aber der professionelle Zugang braucht immer auch einen kritischen Blick auf die eigene Organisation", erinnert Tom Schmid an die Verantwortung von Einrichtungen im Betreuungssektor.

Einen Vorschlag, wie der UN-Behindertenrechtskonvention in Zukunft Rechnung getragen werden könnte, formuliert Ernst Berger: "Es braucht eine Verlagerung der Ressourcen hin zu den Betroffenen - das könnte den Durchbruch bringen." Tom Schmid stimmt ein und konstatiert: "In der Zukunft wird es den einen Weg nicht geben. Es müssen viele verschiedene Wege entstehen, weil auch die Problemlagen unterschiedliche sind."

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