- 16.09.2014, 10:15:31
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BELVEDERE: Josef Dobrowsky - Wahrnehmung und Farbe
Meisterwerke im Fokus
Utl.: Meisterwerke im Fokus =
Wien (OTS) - Der österreichische Maler Josef Dobrowsky (1889-1964)
zählt zweifelsohne zu den maßgebenden österreichischen Künstlern der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis zu seinem Tod im Jahr 1964
schuf Dobrowsky ein umfassendes Oeuvre, für das er mehrfach
ausgezeichnet wurde. Erstmals seit 55 Jahren zeigt nun mit dem
Belvedere wieder eine staatliche Institution eine Einzelausstellung
Dobrowskys und setzt sich mit dem Werk dieses bedeutenden heimischen
Künstlers auch wissenschaftlich auseinander. Die Ausstellung
"Meisterwerke im Fokus: Josef Dobrowsky - Wahrnehmung und Farbe"
zeichnet vom 17. September 2014 bis 18. Jänner 2015 Dobrowskys
Entwicklung vom Landschafts- und Porträtmaler, der beide Weltkriege
erlebt hat, zu einem entscheidenden Akademieprofessor und Vorbereiter
der österreichischen Nachkriegsmoderne nach und präsentiert diesen
bislang unzulänglich gewürdigten Künstler in seiner gesamten
Bandbreite.
"Obwohl Dobrowsky zweimal (1936 und 1962) den Großen Österreichischen
Staatspreis erhielt und zwischen 1932 und 1956 fünfmal auf der
Biennale in Venedig vertreten war, ist er in den letzten Jahren ein
Künstler der Experten und des Kunstmarktes gewesen - einem breiteren
und auch internationalen Publikum ist sein umfangreiches Werk jedoch
bislang eher unbekannt geblieben. Es freut mich daher, dass nun im
Rahmen der Reihe Meisterwerke im Fokus Dobrowskys Bedeutung für die
österreichische Malerei wiederentdeckt und der bedeutende Stellenwert
des Künstlers in seiner Zeit nachvollzogen werden kann", erläutert
Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco.
Josef Dobrowsky gilt nicht nur als wichtiger Künstler der
Zwischenkriegszeit, sondern auch als Wegbereiter der
Nachkriegsmoderne in Österreich, zumal in seinem Werk die Themen der
formalen und gestischen Abstraktion schon angelegt sind. In diesem
Zusammenhang wird besonders die Hinwendung zur Farbe als autonomem
Ausdrucks- und Kompositionsmittel wichtig. Schon sehr früh setzte
sich Dobrowsky mit den Themen Farbe, Bildkomposition und Kunsttheorie
auseinander. Seine Bilder zeigen virtuos, dass die malerische
Tradition nicht übergangen wird und zugleich die Errungenschaften der
Moderne mitgedacht werden. So sind in seinem Werk, im Umgang mit
Formen und Farben, die Themen der österreichischen
Nachkriegsavantgarde bereits vorhanden: der Aufbau eines Bildes aus
dem Eigenwert der Farben heraus, der Anspruch auf künstlerische
Autonomie und die Überwindung des Akademismus.
Zahlreiche Werke aus der Sammlung des Belvedere stehen im Mittelpunkt
der Ausstellung und spiegeln die unterschiedlichen Arbeitsphasen des
Künstlers, sein thematisches und stilistische Bandbreite wider, das
von Landschaften und Dorfansichten bis zu Porträts und
(Blumen-)Stillleben reicht. Gezeigt werden vor allem
Entwicklungslinien innerhalb seines Oeuvres: von den Anfängen, der
"klassischen Phase" und dem Spätwerk bis hin zu seinem Einfluss auf
die österreichische Nachkriegsmoderne. Ölgemälde, Zeichnungen und
Grafiken zeigen das breite Spektrum von Dobrowskys Schaffen. "Es
scheint aus heutiger Sicht geboten, einen neuen Blick auf diesen
großen und wichtigen österreichischen Künstler zu werfen und ihn mit
einem entsprechend zeitgenössischen Diskurs zu verschränken", erklärt
Kurator Axel Köhne. "Um einen frischen Blick auf Dobrowsky zu werfen,
wurde im Zuge der Ausstellung auf neue wissenschaftliche Methoden und
Ansätze zurückgegriffen. Anhand von Beispielen wurden die formale
Entwicklung der Bildstruktur und die Rolle der Farbe bei Dobrowsky
untersucht, auch im Hinblick auf deren inhaltlichen oder auch
symbolischen Gehalt", so der Kurator weiter.
Wissenschaftliche Forschungen
Für die Ausstellung hat sich ein Schwerpunkt mit Arbeiten der 1930er-
und 1940er-Jahre herauskristallisiert, deren Produktion wie auch
Rezeption mithilfe neuer Methoden untersucht wurden. So förderten
etwa infrarotreflektografische Aufnahmen seiner Arbeiten, die in der
Restaurierungsabteilung des Belvedere angefertigt wurden,
Erkenntnisse zu Dobrowskys spezifischer Mal- und Kompositionstechnik
zutage. Dabei wurde ein akribisch vorgehender Künstler entdeckt, der
weniger intuitiv bzw. expressiv malte als vielmehr exakt planend.
Weiters wurde an der Universität Wien eine Studie durchgeführt, die
mittels Eye-Tracking-Verfahren untersuchte, wie sich Betrachter Werke
von Dobrowsky ansehen und wie die Wahrnehmung von Farbe, Form und
Stimmung in seinen Bildern funktioniert. Im Zuge dieser Untersuchung
konnte festgestellt werden, dass Dobrowsky anhand seiner Wahl der
einzelnen Motive und des Einsetzens von Farbkontrasten den Blick des
Betrachters zur tiefsten Stelle des Bildraumes lenkt - unabhängig
davon, ob dieser Punkt zentral oder dezentral im Bild angelegt ist.
Damit suggeriert er Räumlichkeit. Auch bei der Frage an die
Betrachter, ob eher die Farbe oder der Bildgegenstand in den Werken
dominant sei, kam es zu einer deutlich häufigeren Nennung der Farbe.
Dobrowsky gelang es also, durch die geschickte Kombination aus dem
Material Farbe und den bewussten Einsatz von Motiven seine Bilder mit
einer tieferen Bedeutungsebene zu unterlegen.
Darüber hinaus konnte auch die Stellung Dobrowskys in der Tradition
der österreichischen Landschaftsmalerei kunsthistorisch erhellt
werden. Dobrowsky, zu dessen Kommilitonen noch Egon Schiele und Anton
Faistauer zählten, der zwei Weltkriege erlebt hat und der neben
Herbert Boeckl ab 1946/47 zu den einflussreichsten Professoren an der
Akademie der bildenden Künste gehörte, ist mit seinem Werk ohne
Zweifel den zentralen österreichischen Künstlern der
Zwischenkriegszeit und den Wegbereitern der heimischen
Nachkriegsmoderne zuzurechnen.
Frühe Jahre
Nach seiner Ausbildung von 1906 bis 1910 bei Christian Griepenkerl an
der allgemeinen Malerschule der Wiener Akademie der bildenden Künste
besuchte Josef Dobrowsky die Spezialschule von Rudolf Bacher, die er
- unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg - im Jahr 1919 abschloss.
Anschließend arbeitete Dobrowsky als freier Künstler in Wien und
wurde bereits Ende 1919 Mitglied der Wiener Secession, deren
Ehrenmitgliedschaft er im Jahr 1955 erhielt. In seinen Anfangsjahren
fertigte Dobrowsky zum Teil großformatige figurale bzw. allegorische
Bilder an, die noch religiöse Inhalte aufweisen. Diese frühen
Arbeiten zeigen Einflüsse nicht nur seines Lehrers Rudolf Bacher,
sondern auch Gustav Klimts, Ferdinand Hodlers und Albin Egger-Lienz'.
Darüber hinaus beschäftigte sich Dobrowsky anfangs auch mit der
niederländischen und der italienischen Malerei der Renaissance, im
Speziellen mit Pieter Bruegel d. Ä. und Rembrandt. Besonders Bruegels
Farbpalette und die Lichtführung in dessen Werken beschäftigten
Dobrowsky nachhaltig, was in den warmen, dunkelerdigen Farben seiner
Bilder aus dieser Zeit deutlich wird. Der für sein Schaffen
charakteristische Einsatz von Farbe und Lichtkontrasten verleiht
besonders seinen zahlreichen Genredarstellungen des einfachen
ländlichen Lebens eine melancholische Stimmung. Ab Ende der
1920er-Jahre wird Dobrowskys Stil freier, später auch expressiver,
und es kommen hellere, leuchtendere Farben zum Einsatz, wie etwa das
Bild Kirchplatz in Ybbs zeigt. Hier findet Dobrowsky zu seinem
unverkennbaren, meisterhaften Stil, der die Melancholie und die
Sehnsucht des Stadtbewohners nach der Natur widerspiegelt.
Gleichzeitig entstehen in dieser Phase aber auch vermehrt Porträts
und Stillleben, in denen Dobrowsky der Farbe selbst eine autonome
Rolle beim Bildaufbau zuweist und sie dadurch in den Mittelpunkt der
Bildkomposition rückt.
Landschaftsmalerei
In der Motivwahl für seine Landschaftsbilder übernahm Josef Dobrowsky
grundsätzlich die klassischen Elemente der Landschaftsmalerei:
Menschliche Figuren werden, wenn überhaupt vorhanden, in den
Hintergrund gedrängt, seine Landschaften zeigen Ausschnitte eines
heimischen Naturraumes, der jedoch zumeist von Menschen beeinflusst
und geprägt wurde. Zu sehen sind oft unspektakuläre dörfliche
Ansichten, wobei meist ein Weg oder eine Straße den Betrachter in das
Bild hineinführt und zugleich Tiefe und Ferne suggeriert.
Charakteristisch für das Werk Dobrowskys sind aber vor allem der
Einsatz der Farbe und seine spezifische Malweise. Betrachtet man
seine (Landschafts-)Bilder, scheint es beinahe so, als würden sie von
innen her leuchten. Dabei zeigt sich auch, dass es Dobrowsky nicht um
eine exakte fotografisch-realistische Wiedergabe ging, sondern
vielmehr um eine realistische Darstellung eines Gegenstandes oder
einer Landschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt, in einem besonderen
Licht oder in einer außergewöhnlichen Stimmung. Durch diesen
geschickten Einsatz von Farben, Licht und Formen spricht er den
Betrachter direkt an und beteiligt ihn sinnlich und emotional an
seinen Werken.
Die Ausstellung "Meisterwerke im Fokus: Josef Dobrowsky - Wahrnehmung
und Farbe" ist von 17. September 2014 bis 18. Jänner 2015 im Oberen
Belvedere zu sehen.
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