Jahr 1 nach Neonic-Verbot: Maiswurzelbohrerregulierung trotz massiven Befallsdrucks biologisch möglich.

Fruchtfolge und Sortenwahl entscheidende Faktoren. Ölkürbis als Vorfrucht für Mais ist ungünstig.

Leibnitz/Wien (OTS) - Maisbauer und Nematoden-Pionier August Jost zieht eine positive Zwischenbilanz nach dem ersten Jahr ohne die -mittlerweile verbotenen - Neonicotinoide. Die Befürchtung, dass der Maiswurzelbohrer ohne Neonicotinoide nicht zu bekämpfen sei, hat sich auch in diesem Extremjahr nicht bestätigt. Dennoch beschreibt er die Lage als ernst, denn der Käfer schädigt zunehmend auch Randkulturen wie Sonnenblumen, Salat und Buschbohnen sowie Zwischenfrüchte wie Ölkürbis und Käferbohnen. "Ohne gute Fruchtfolge ist oft keine optimale Käferbekämpfung möglich", so Jost. Auch Ölkürbis oder Käferbohnen als Vorfrucht können einen Grundbesatz an Maiswurzelbohrereiern im Boden bewirken. Wird dann im ersten Jahr nach der Fruchtfolge nichts unternommen, kommt es im zweiten Jahr Mais nach Mais häufig zu erheblichen Schäden. Hier empfiehlt Jost den Einsatz von Nematoden bereits im ersten Jahr nach der Fruchtfolge, um die Käferpopulation so niedrig wie möglich zu halten. Die Nematoden (Fadenwürmer) haben zudem den Vorteil, dass sie von sich aus die Larven des Maiswurzelbohrers verfolgen und unschädlich machen.

Sortenwahl wurde bisher unterschätzt

Bedeutsam ist die Sortenwahl im Hinblick auf eine frühe Blüte, die Ausbildung eines guten Wurzelsystems und die Veranlagung zu einem breit gefächerten Adventivwurzelsystem. Denn ist die Befruchtung vor dem einsetzenden Hauptflug der Käfer abgeschlossen, gibt es kaum Narbenfraß. Sorten mit stabilen, weit ausladenden Adventivwurzeln sind wesentlich robuster. Häufig kann so eine vollständige Lagerung (Umfallen) vermieden werden. "Gerade die richtige Sorte war in diesem massiven Maiswurzelbohrer-Jahr ein ausschlaggebender Faktor", so Jost.

Späteinsatz mit Stelzentraktoren hat kaum Wirkung

Die von einigen Landwirten praktizierte Spätbekämpfung der Maiswurzelbohrer mit mit chemischen Insektiziden, die über Stelzentraktoren ausgebracht werden, brachte hingegen kaum Erfolge. Agrarexperte Foltin - er leite seit vielen Jahren Versuche in der Maiswurzelbohrerbekämpfung: "Die Fruchtfolge ist generell die erste und wichtigste Maßnahme. In befallsstarken Regionen reicht das allein jedoch nicht mehr." Chemische und biologische Bodeninsektizide (Nematoden) hätten dieses Jahr ähnlich abgeschnitten. Einzig die Spritzungen mit dem Stelzentraktor waren von äußerst geringer Wirkung" so Foltin. Zudem müsste diese bis zu vier Mal wiederholt werden, resümiert er.

Bauern brauchen mehr Unterstützung

Für August Jost ist - trotz massiven Maiswurzelbohrerauftretens - die biologische Regulierung die einzig verantwortbare und zukunftsfähige. Um die Ertragssicherheit im Maisbau zu bewahren, wünscht er sich aber - stellvertretend auch für seine Kollegen -von der Agrarpolitik eine finanzielle Unterstützung für eine verbesserte Fruchtfolge und die Umrüstung der Maschinen bei der Anwendung der Nematoden. Außerdem hält er jetzt Großflächenversuche unter Berücksichtigung der neusten Erkenntnisse (Sortenwahl, Fruchtfolge) für notwendig um den optimalen biologischen Bekämpfungs-Mix zu definieren. Denn auf seinen Äckern und jenen seiner Kollegen zeigt sich heuer auch, dass die Ergebnisse von Kleinparzellenversuchen nicht direkt auf Großflächen übertragbar sind. So gäbe es auch immer wieder einzelne, ungleich verteilte Wurzelbohrernester. In die Pflicht nehmen will Jost auch die Saatgutfirmen: "Diese sollen ihre Sorten auf optimale Adventivwurzelbildung bzw. Standfestigkeit screenen und so für die Bauern Anbau-Empfehlungen abgeben."
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