- 12.09.2014, 20:26:42
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Weckruf von der Westküste, Marktkommentar von Stefan Schaaf
Frankfurt (ots) - Geschichte droht sich zu wiederholen. Diese Angst
scheint die US-Notenbank umzutreiben im Hinblick auf die anstehende
Straffung ihrer Geldpolitik. Wie sonst wäre der Weckruf zu verstehen,
der in der abgelaufenen Woche die Finanzmärkte von der US-Westküste
erreichte. Die Zinsen könnten kräftiger und schneller als von den
Marktteilnehmern erwartet steigen, war der Tenor einer Studie, welche
die regionale Federal Reserve von San Francisco veröffentlichte. Die
Kursreaktionen waren eindeutig: Der Dollar legte in der Breite
kräftig zu, und die Renditen für US-Staatsanleihen zogen an.
Zehnjährige Treasuries erfuhren in der abgelaufenen Handelswoche
einen Renditeanstieg von 15 Basispunkten auf 2,60%.
Vor rund eineinhalb Jahren hat die Fed einen ähnlichen Weckruf
lanciert, um die Märkte aus ihrer liquiditätsgeschwängerten Lethargie
zu reißen. Ein kurzer Rückblick: Im Frühjahr 2013 hatten sich die
US-Konjunkturdaten deutlich aufgehellt. Die Märkte reagierten jedoch
nicht darauf, nur der Goldpreis brach ein. Ansonsten schienen die
Investoren davon auszugehen, dass die Fed auf Dauer Monat für Monat
Anleihen für 85 Mrd. Dollar kaufen würde. Als der damalige
Fed-Präsident Ben Bernanke ein Ende dieser Anleihekäufe in Aussicht
stellte, reagierten die Märkte auf diese später als Tapering bekannt
gewordene Politik mit Panik. Aktien- und Anleihekurse fielen,
Kapitalabflüsse setzten die Schwellenländer unter Druck.
Nun steht die Fed vor einer neuen Herausforderung. Das Tapering wird
sie im Oktober wohl abschließen, damit rückt angesichts der weiteren
Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den USA ein erster
Zinsschritt in den Fokus. Offenbar ist die Veröffentlichung der
Studie der Fed aus San Francisco Teil der Kommunikationsstrategie,
die darauf abzielt, die Marktteilnehmer auf steigende Zinsen
einzustimmen und Schocks wie im vergangenen Jahr zu vermeiden.
Jedenfalls war Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen selbst vor ihrem
Sprung an die Fed-Spitze Chefin jener regionalen Notenbank, deren
Ökonomen dieser Tage die Märkte aufweckten. Darin hieß es, die
US-Notenbank peile für Ende 2015 einen Leitzins von 1% (derzeit: 0
bis 0,25%) an, der bis Ende 2016 auf 2,5% steigen soll. Der
Marktkonsens rechnete dagegen mit Schlüsselsätzen von 0,75% (2015)
und 2,13% (2016). Außerdem werde der Zinserhöhungszyklus
voraussichtlich nicht erst im dritten Quartal 2015 beginnen, hieß es.
Der Dollar erreichte in Reaktion auf die Studie - gemessen an sechs
anderen Industrieländerwährungen - ein 14-Monats-Hoch. Der Euro fiel
auf 1,2859 Dollar und hat damit seit Anfang Mai gut 8% abgewertet.
Der schwache Euro ist einerseits ein Spiegelbild der Dollar-Stärke,
die sich nach allgemeiner Auffassung fortsetzen wird. Schon sprechen
einige Investmentbanken von der Parität zwischen den beiden
Währungen. Goldman Sachs erwartet diese für Ende 2017. Die
Euro-Schwäche ist allerdings auch hausgemacht. Denn der
Euro-Dollar-Kurs spiegelt eben auch die Geldpolitik der Europäischen
Zentralbank wider. So ging der kräftige Euro-Anstieg zu Jahresbeginn
auch darauf zurück, dass viele Banken die Mittel aus den 2011/2012
aufgelegten Drei-Jahres-Tendern der EZB zurückzahlten. Folglich
schrumpfte die Bilanzsumme der Notenbank kräftig, ihre Geldpolitik
war bis zum Sommer restriktiv. Angesichts der üblichen verzögerten
Wirkung solcher Maßnahmen lässt dies für die Konjunktur in Euroland
in den kommenden Monaten nichts Gutes erwarten.
Vor diesem Hintergrund senkte die EZB die Zinsen und will ihre Bilanz
mit Wertpapierkäufen kräftig ausweiten, möglicherweise sogar durch
eine quantitative Lockerung. Angesichts einer absehbar strafferen
US-Geldpolitik und einer damit wachsenden Zinsdifferenz stehen die
Zeichen auf eine weitere Abschwächung des Euro. Der Trend ist klar,
aber die Euro-Abwertung wird, wie sich zuletzt zeigte, von höherer
Volatilität begleitet.
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