• 12.09.2014, 12:18:10
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"Anonymität und Identität im Netz"

ISPA Summit als Diskussionsplattform für ein aktuelles und sensibles Thema.

Sonja Steßl, Staatssekretärin für Verwaltung und Öffentlichen
Dienst eröffnet die von der ISPA in Kooperation mit dem
Bundeskanzleramt durchgeführte Veranstaltung IGF Austria / ISPA
Internet Summit.

Utl.: ISPA Summit als Diskussionsplattform für ein aktuelles und
sensibles Thema. =

Wien (OTS) - Bereits zum 10. Mal hat die ISPA am Donnerstag den
Internet Summit Austria (ISA), der sich als zentrales Forum der
Web-Community und der Internetwirtschaft in Österreich etabliert hat,
ausgerichtet. Dieses Jahr wurde die Veranstaltung in Kooperation mit
dem Bundeskanzleramt im Rahmen des 1. österreichischen Internet
Governance Forums (IGF-Austria) abgehalten. Mehr als 200 Teilnehmer
besuchten die ganztägige Veranstaltung in der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften.

Das IGF-Austria beschäftigte sich nach der Eröffnung durch
Staatssekretärin Sonja Steßl mit den Themen "Internet und
Zivilgesellschaft", "globales versus europäisches Internet" und
"Netzneutralität", während sich der ISA am Nachmittag mit zwei
Keynotes und einer anschließenden Podiumsdiskussion mit teilweise
reger Publikumsbeteiligung ganz der Problematik "Anonymität und
Identität im Netz" widmete. "Im Rahmen unseres jährlich
stattfindenden Summits versuchen wir immer Spannungsverhältnissen,
die durch die rasante Entwicklung des Internets entstehen, auf den
Grund zu gehen und sachlich über mögliche Zukunftsszenarien zu
diskutieren. Durch die derzeit sehr intensiv geführte Debatte um die
Vor- und Nachteile der Anonymität im Netz hat sich das Thema dieses
Jahr geradezu aufgedrängt", erläutert Andreas Koman, Präsident der
ISPA den Schwerpunkt der Veranstaltung.

ISPA Internet Summit

Die Anonymität im Internet ist tatsächlich ein sehr aktuelles, breit
diskutiertes und durchaus mit Emotionen behaftetes Thema. Einerseits
hat uns Edward Snowden vergegenwärtigt, dass die Kommunikationsmittel
des 21. Jahrhunderts dem Schutz der Privatsphäre nicht besonders
zuträglich sind. Dass aber nicht nur Geheimdienste mehr von uns
wissen als unsere engsten Freundinnen und Freunde oder manchmal auch
wir selbst, können wir jeden Tag an Werbebannern sehen, die uns im
Netz geradezu verfolgen. All das weckt den Wunsch nach mehr
Anonymität.

Andererseits verkehrt sich dieser Wunsch ins Gegenteil, sobald man
auf die Kommentarseiten diverser Online-Medien oder in die Sozialen
Medien blickt. Dort jagt ein "Shitstorm" den anderen, Hasspostings
sind an der Tagesordnung. Übelste Beleidigungen, Verleumdung und auch
Gewaltaufrufe erfolgen anonym oder unter einem Pseudonym. Der Schutz
der - manchmal allerdings nur scheinbaren - Anonymität und auch das
fehlende direkte Gegenüber beseitigen bei manchen Userinnen und Usern
alle Hemmungen.

Ingrid Brodnig, Autorin eines jüngst zu diesem Thema erschienenen
Buches und Journalistin beim Falter, ging in ihrer Keynote auf die
jüngsten Fälle und den aktuellen Stand der Debatte in Österreich ein
und erläuterte, inwiefern die Anonymität unser Verhalten
beeinflusst. Sie machte aber auch klar, dass für sie eine gänzliche
Abschaffung der Anonymität im Netz nicht vorstellbar ist und sich der
Ton bei Online-Debatten auch durch andere Wege verbessern lässt.
"Derzeit wird viel über die Anonymität im Internet gestritten: Soll
sie abgeschafft werden, sollen wir nur noch per Klarname miteinander
kommunizieren? Ich warne aber vor einem Internet ohne anonyme
Freiräume", so Brodnig.

In der zweiten Keynote erwies sich der ehemalige IT-Journalist Jonas
Westphal, der als Analyst und Berater in Sachen digitaler
Kommunikation tätig ist und zahlreiche Publikationen zur
Digitalisierung von Politik und Gesellschaft verfasst hat, als klarer
Befürworter der Anonymität und fordert mehr von derselben: "Freie
Kommunikation und unabhängige Informationen durch Medien brauchen
Pseudonyme: Sie sind unverzichtbar. Die Welt nach Snowden wird durch
Total-Überwachung geprägt. Unsere Gesellschaft benötigt deswegen mehr
Pseudonymität und Anonymität. Sie benötigt keine Klarnamen-Pflicht
und keinen Identifikationszwang. Wir müssen neue, sichere und
geschützte Kommunikationsräume schaffen. Eine freie Gesellschaft mit
Identifikationszwang ist nicht mehr frei."

Dass die Sichtweisen bei diesem Thema sehr unterschiedlich sind,
kristallisierte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion unter
der Leitung von Franz Zeller von Ö1 heraus. So plädierte Sebastian
Hofer, Journalist beim profil, für die Klarnamenpflicht, um die
Hemmschwelle für Pöbelei im Internet anzuheben: "Wem nützt die
Anonymität im Netz - wenn es sie denn überhaupt noch gibt? Der
Demokratie? Da habe ich meine Zweifel. Eine Zivilisierung von
Online-Debatten wäre demokratiepolitisch jedenfalls sinnvoll.
Klarnamen können ein wichtiger Schritt zu diesem Ziel sein - und sei
es nur als Signal, das sagt: Hier gelten Regeln." Jörg Bauer,
Sprecher für die DACH-Region bei ixquick, der nach eigenen Angaben
"diskretesten Suchmaschine der Welt", sieht das naturgemäß anders:
"Netzfreiheit steht unmittelbar mit unserer Demokratie in
Zusammenhang. Die Privatsphäre und damit die persönliche Freiheit hat
sich unsere Gesellschaft nach 1945 hart erkämpft. Es wäre mehr als
unklug, diese kampflos aufzugeben." Und auch Pepi Zawodsky, unter
anderem Mitbegründer der Austrian Privacy Foundation und
Mitveranstalter der monatlich stattfindenden CryptoParty Wien bricht
eine Lanze für die Anonymität: "Wir nehmen täglich verschiedene
Rollen im Leben an. Anonyme Identitäten sind dabei für die
persönliche wie auch gesellschaftliche Entwicklung unerlässlich."

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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