- 12.09.2014, 10:00:33
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"200 Jahre Wiener Kongress" - ein Ö1-Programmschwerpunkt
Wien (OTS) - Von 15. September bis 27. Oktober präsentiert Ö1 einen
Schwerpunkt zum Thema "200 Jahre Wiener Kongress". Vom Walzer, der
ein Wiener wurde, über die Rolle der Frauen bei diesem diplomatischen
Großereignis bis zu dessen globalhistorischen Perspektiven reicht das
inhaltliche Spektrum. Die Sendungen im Detail sind abrufbar unter
http://oe1.orf.at/wienerkongress.
"Der Kongress tanzt! - Aber zu welcher Musik eigentlich?" ist
Thema des "Radiokollegs" von 15. bis 18. September, jeweils um 9.45
Uhr in Ö1. 1814: Ludwig van Beethoven war 44 Jahre alt, Franz
Schubert ein Teenager, Johann Strauß (Vater) und Joseph Lanner
verdienten erste musikalische Sporen. Sie alle lebten in Wien, wo am
18. September 1814 der Startschuss zum erstmaligen Versuch, ein
dauerhaftes Friedenssystem für Europa auszuarbeiten, erfolgte. Unter
der Vorsitzführung des österreichischen Außenministers Fürst von
Metternich berieten sich politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund
zweihundert europäischen Staaten am "Wiener Kongress". Ziel war es,
die Landkarte Europas nach den Napoleonischen Kriegen neu zu ordnen.
Tausende Gäste strömten in die österreichische Haupt- und
Residenzstadt. Dabei hatten sie nicht nur diplomatische
Spitzfindigkeiten mit im Gepäck, sondern importierten auch Kunst und
Kultur aus der Heimat. Kulinarik, Mode, Literatur aber natürlich und
vor allem Musik. Damit war der "Wiener Kongress" der wahrscheinlich
nachhaltigste Angelpunkt in der Musikgeschichte des Kontinents. Es
kam zu einer Vermischung der unterschiedlichsten Stile. Neues wurde
hier zur Aufführung gebracht. Zudem wurde der Volksmusik außerhalb
ihres Entstehungsgebietes eine Bühne geboten. Also quasi der Samen
für das gelegt, was heute mit dem vielfach strapazierten Begriff der
"Unterhaltungsmusik" assoziiert wird.
Unter dem Titel "Herrschaften in Bewegung" setzen sich die
"Dimensionen" am 18. September (19.05 Uhr) mit Infrastruktur und
Logistik beim Wiener Kongress auseinander. Dessen Teilnehmer reisten
mit ihrer Entourage aus allen Teilen Europas nach Wien. Da die
Straßen der Stadt zu eng für die Kutschen waren, wurde eigens eine
riesige Kutschenhalle nahe des heutigen Ballhausplatzes errichtet.
Für winterliche Vergnügungen wurden goldene Schlitten angefertigt und
für die Fortbewegung in den engen Gassen der Stadt Wien gab es
Tragsessel samt Diener, die diese schleppten. Die Teilnehmer
brauchten für ein Dreivierteljahr standesgemäße Wohnungen,
ausreichend Verpflegung und Versorgung durch ihre Dienerschaft, und
auch die Dienstboten mussten untergebracht und verpflegt werden. Die
Wiener Stadtverwaltung und der Hof sorgten für Unterhaltung,
Ablenkung und Bequemlichkeit. Die rauschenden Feste, für die der
Wiener Kongress berühmt wurde, boten neben Entspannung auch die
Gelegenheit zum "Netzwerken". Eine wichtige Rolle spielten dabei die
Mätressen, die oft als Sprachrohr, Ratgeberinnen und Vermittlerinnen
fungierten, wie ein kürzlich im Staatsarchiv aufgetauchtes
"Mätressenbuch" vermuten lässt.
"Es hätte ein großes europäisches Fest werden sollen": In "Im
Gespräch" am 18. September (21.00 Uhr) ist die Sozialwissenschafterin
und Autorin Hazel Rosenstrauch zu Gast. In ihrem neuesten Buch
"Congress mit Damen" hat die in London geborene, in Wien
aufgewachsene und in Berlin lebende Kulturwissenschafterin Hazel
Rosenstrauch die Frauen des Wiener Kongresses in den Vordergrund
gestellt. Im Gespräch mit Renata Schmidtkunz erzählt sie, was auf
diesem europäischen Großereignis an Neuem entstand: in den
Vorstellungen von Ordnung und Freiheit und im Umgang mit der
Komplexität und den Unsicherheiten der Moderne.
"Ambiente" unternimmt am 21. September (10.05 Uhr) eine
historische Exkursion auf den Spuren von Matthias Perth ins südliche
Niederösterreich - zur Zeit des Wiener Kongresses. 53 Jahre seines
Lebens widmete sich der Wiener Hofbeamte Perth (1788-1856) seiner
Leidenschaft, dem Tagebuch-Schreiben. Nur selten hat er seine
Heimatstadt verlassen. Eine Lustreise während der Amtsferien im
September 1814 führte ihn zehn Tage lang in das südliche
Niederösterreich.
"Es ging um mehr als nur Europa ... Der Wiener Kongress: Ein
diplomatisches Großereignis vor 200 Jahren aus globalhistorischer
Perspektive" so der Titel der "Dimensionen" am 7. Oktober um 19.05
Uhr. Der Wiener Kongress muss als Reaktion auf die schon seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts stattfindenden weltweiten politischen und
sozioökonomischen Transformationsprozesse verstanden werden. Dazu
zählen auch die Umwälzungen in den europäischen Kolonien in Übersee -
durchaus in Zusammenhang mit der Angst der europäischen
Kolonialherren vor dem revolutionären Potenzial zum Beispiel in
beiden Amerikas. Dass bei dem Monarchen- und Fürstentreffen in Wien
erstmals eine internationale Ächtung des transatlantischen
Sklavenhandels ausgesprochen wurde, dürfte damit in engem
Zusammenhang stehen. Mit den Einflüssen außereuropäischer Ereignisse
auf den Wiener Kongress und seinen globalen Auswirkungen befasst sich
im September eine internationale Konferenz in Wien, am historischen
Originalschauplatz: im Kongresssaal der Geheimen Hofkanzlei - dem
heutigen Bundeskanzleramt.
Die Ö1-Reihe "Betrifft: Geschichte" (Mo.-Fr., 17.55 Uhr) steht
zwei Wochen im Zeichen des Wiener Kongresses. Von 13. bis 17. Oktober
spricht Reinhard Stauber (Institut für Geschichte, Universität
Klagenfurt) über "Die Neuordnung Europas": Deren Prinzipien waren von
der Idee der Restauration getragen, von der Autorität und Solidarität
der Monarchien in ihrer gemeinsamen Abwehr von revolutionären
Gedanken. Hauptziel war die Herstellung eines Gleichgewichts der
Kräfte zwischen den Großmächten und der Abtausch territorialer
Ansprüche. Damit waren die explosiven innen- und außenpolitischen
Konflikte des 19. Jahrhunderts vorprogrammiert. Von 20. bis 24.
Oktober setzt sich Cristian Cwik, Professor an der University of the
West Indies, Trinidad and Tobago, unter dem Titel "Gefahr für Europa"
mit den "Amerikas" auf dem Wiener Kongress auseinander. Dessen
Teilnehmern war bewusst, dass der Versuch einer Neuordnung Europas
unter den Doktrinen der Restauration nicht nur Europa betraf, sondern
auch die Kolonien. Die politischen Entscheidungen hatten globale
Auswirkungen für die Zukunft; v.a. für die Zukunft der Amerikas, die
man ja - bedingt durch die frühe Besitzergreifung - als
transatlantische Erweiterung Europas verstanden hatte.
"Der Wiener Kongress: Jahrhundertspektakel zur Machtverteilung"
ist Thema des "Salzburger Nachtstudios" am 22. Oktober um 21.00 Uhr.
Der Kongress lieferte nicht nur bis heute nachwirkende Grundlagen für
die europäischen Grenzen, sondern war die Geburtsstation einer
modernen politischen Kultur; er schuf den Ausschuss als politisches
Instrument, begründete eine neue Verabredungskultur der Mächte und
stand am Beginn eines internationalen Urheberrechts. Jetzt wird der
Wiener Kongress intensiv beforscht. Das Neueste aus 1814 kommt aus
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der
Nationalbibliothek und den Universitäten Innsbruck, Wien und
Klagenfurt.
Die auf historische Stoffe spezialisierte Autorin Marianne Sula
hat den Fürsten Metternich, eine der schillerndsten Figuren des 19.
Jahrhunderts, in einem Hörspiel-Zweiteiler porträtiert. Der erste
Teil wird am 20. Oktober als Vorpremiere in Anwesenheit der Autorin
im ORF-KlangTheater präsentiert (Beginn: 20.00 Uhr). Ö1 sendet Sulas
"Metternich" in der "Hörspiel-Galerie": am 25. Oktober um 14.00 Uhr
und am 26. Oktober um 16.00 Uhr. Es wirken Michael König, Eva Herzig,
Michael Dangl, Joseph Lorenz, Detlev Eckstein, Krista Stadler, Ernst
Konarek, Peter Uray, Harald Harth, Michou Friesz, Eva Mayer, Erhard
Hartmann u.a. mit, Regie bei der ORF-Produktion aus dem Jahr 2014
führt Renate Pittroff.
"Wie der Walzer zum Wiener wurde" ist Thema von "Apropos Musik" am
27. Oktober (15.05 Uhr). Was ein "Walzer" eigentlich genau ist, das
hat man bis 1814 nicht recht gewusst. Als aber am Wiener Kongress mit
Leidenschaft Walzer getanzt wurde, da war es klar, dass er ein Wiener
ist. Ein Wiener allerdings mit Vorfahren, die aus Niederösterreich
und aus Tirol stammen. Das Programm im Detail ist abrufbar unter
http://oe1.orf.at/wienerkongress.
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