- 11.09.2014, 10:40:14
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Agrarförderpläne: Minister Rupprechter riskiert verstärktes Artensterben durch Mittelstreichungen für den Naturschutz
Verlierer im aktuellen Streit von Bund und Ländern um Naturschutzmittel bleiben die bedrohten Arten und Lebensräume Österreichs!

Utl.: Verlierer im aktuellen Streit von Bund und Ländern um
Naturschutzmittel bleiben die bedrohten Arten und Lebensräume
Österreichs! =
Wien (OTS) - Österreichs Naturschutzorganisationen schlagen Alarm.
Seit Monaten finden die im Landwirtschaftsministerium eingebrachten
Vorschläge zur Verbesserung des "Programms für ländliche Entwicklung,
2014-2020" kein Gehör. Auch die jüngsten Gespräche blieben bis dato
ergebnislos. Nicht einmal die harsche, ähnliche Kritik der
EU-Kommission vom 5. August bringt Minister Rupprechter und die
Landesräte für Naturschutz zum Einlenken. Die geplanten
Mittelkürzungen für Naturschutzprojekte um ca. 30% bleiben aufrecht.
Aus Sicht der NGOs ist das ein umweltpolitischer Skandal ersten
Ranges: Obwohl der Handlungsbedarf für Natura 2000 Gebiete und für
z.B. vom Aussterben bedrohte Feldvogelarten enorm gestiegen ist, soll
genau das in der Förderpraxis dieses zentralen Umwelt-Programms
ignoriert werden. Offensichtlich werden diese Umweltinteressen jenen
der Intensivlandwirtschaft geopfert.
Trotz vieler belegter Naturschutz-Misserfolge Budgetkürzung
statt Aufstockung
Mit 1,1 Mrd. Euro jährlich an Fördermittel sollen Österreichs
Landwirte in diesem Programm für Ländliche Entwicklung gefördert und
gleichzeitig das Artensterben in Österreich gestoppt werden. Die 9
Bundesländer haben einen umstrittenen Bedarf von 25 Mio. Euro
jährlich für Naturschutzprojekte angemeldet. Aus Sicht der NGOs viel
zu wenig, angesichts der vielen Misserfolge der letzten Jahre, bei
ähnlichen Mitteln. Nicht einmal das will Minister Rupprechter dem
Naturschutz zustehen und diese Gelder auf 18 Mio. kürzen, das wäre
mit 1,6% eine verschwindende Größe des Gesamtbudgets.
Geht es nach den NGOs braucht es 40 Mio. jährlich um einerseits die
offenkundigen Mängel zu beheben und andererseits zumindest die
dringend notwendigen neuen Projekte finanzieren zu können. Die
geplanten Kürzungen führen absehbar in ein Desaster des Naturschutzes
- Arten und Lebensräume werden darunter leiden, manche Arten
aussterben.
Die NGOs fordern deshalb Minister Rupprechter und die
Naturschutzlandesräte auf, aus den Misserfolgen der letzten Jahren zu
lernen und die Naturschutzmittel dieses Programm auf mindestens 40
Mio. pro Jahr zu erhöhen!
Werden Feldlerche & Co. endgültig der Intensivlandwirtschaft
geopfert?
Neben arg mangelhafter Umsetzung von Natura 2000 Gebieten, z. B.
fordert die EU von Österreich 220 neue Schutzgebiete, zeigt die
Entwicklung der Feldvögel die Misserfolge der bisherigen Förderpraxis
eindrucksvoll auf: Obwohl im letzten Programm 540 Mio. jährlich im
Agrar-Umweltprogramm ÖPUL an die Landwirte ausgeschüttet wurden,
beschleunigt sich das Sterben der Feldvögel: Laut Farmland Bird Index
2013, erhoben von BirdLife, gingen die häufigsten Feldvögel (wie
Feldlerche, Kiebitz, Kuckuck etc.) allein seit 1998 um 37% zurück.
Das von Agrariern gern mit Eigenlob überhäufte ÖPUL ist diesbezüglich
nicht nur wirkungslos, im Gegenteil: In Österreich verläuft dieses
Artensterben deutlich schneller als im EU-Durchschnitt (EU:
-1,7%/Jahr, Ö: -2,3%/Jahr).
In manchen Regionen sind diese häufigeren Arten bereits völlig
verschwunden, z. B. das Rebhuhn in ganz Vorarlberg. Letztere, von
der Ackerbewirtschaftung besonders betroffene Art, ging bundesweit
seit 1998 um 72% zurück. Da Ackerbauern im künftigen Programm kaum
Nützlings- und Blühsteifen anlegen oder Landschaftselemente erhalten
müssen, wird allein dadurch das Aussterben des Rebhuhns
beschleunigt.
Noch viel schlechter geht es anspruchsvolleren Vögeln der
Kulturlandschaft. Trotz Schutzgebieten und Artenschutz sind letzte
Vorkommen von Wachtelkönig, Bekassine, Braunkehlchen und Co. nicht zu
halten, wenn der Mitteleinsatz nicht erhöht wird, z. B. durch
intensive Bewerbung der Schutzmaßnahmen bei Grundeigentümern,
Beratung der Landwirte, funktionierende Schutzgebietsbetreuung etc.
Bleiben die momentanen Förderpläne bestehen, werden viele diese Arten
2020 dort stehen, wohin die Blauracke in der Südsteiermark oder der
Ortolan in Tirol durch die industrielle Landwirtschaft in Kombination
mit erfolglosem Naturschutz bereits gedrängt wurde: die letzten 3-5
Paare Österreichs sind trotz Schutzgebietsausweisung akut vom
Aussterben bedroht.
BirdLife Österreich, Mag. Gerald Pfiffinger
Naturfreunde Österreich, DI Regina Hrbek
Naturschutzbund Österreich, Mag. Birgit Mair-Markart
WWF Österreich, Dr. Bernhard Kohler
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