- 05.09.2014, 19:00:31
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Wiener Zeitung: Forschungszentrum im Erzberg so gut wie fix
Europaweit einzigartiges Forschungszentrum in der Steiermark - Finanzierung für "Zentrum am Berg" wird kommende Woche finalisiert.
Utl.: Europaweit einzigartiges Forschungszentrum in der Steiermark -
Finanzierung für "Zentrum am Berg" wird kommende Woche
finalisiert. =
Wien (OTS) - Graz/Wien. Am pyramidenförmigen steirischen Erzberg wird
künftig nicht nur Eisenerz abgebaut, sondern auch hochkarätige
Forschung betrieben: Für die Gründung des neuen Forschungszentrums im
Erzberg unter der Federführung der Montanuniversität Leoben (MUL)
stehen nun alle Signale auf Grün. Die Partner haben sich nämlich auf
die Restfinanzierung von fünf Millionen Euro geeinigt - ein Betrag,
den lange niemand aufbringen wollte, was eine Beschlussfassung
verunmöglichte.
Kommenden Donnerstag werde die steirische Landesregierung die
Finanzierung finalisieren, bestätigte das Büro des zuständigen
SPÖ-Wirtschaftslandesrats Christopher Drexler am Freitag auf Anfrage
der "Wiener Zeitung". Am 15. September sollen dann die
Verhandlungspartner das "Zentrum am Berg" auf Bundesebene absegnen.
Der Spatenstich ist für kommendes Frühjahr geplant.
Wie berichtet, war mehr als drei Jahre lang über das Projekt
verhandelt worden. Die Kosten für die Inbetriebnahme des
Forschungszentrums in vier stillgelegten Stollen der Voest Alpine
liegen bei 30 Millionen Euro. Die Bundesministerien für Verkehr und
für Wissenschaft, das Land Steiermark, das steirische
Wissenschaftsressort und die Montanuni einigten sich, jeweils fünf
Millionen Euro zu investieren. Nur die verbliebenen fünf Millionen
wollte niemand übernehmen: Das Land hatte im Sinn, dass der Bund mehr
zahlt, und der Bund ging davon aus, dass das Land tiefer in die
Tasche greifen würde. Externe Mittel aus den für das Zentrum am
besten geeigneten EU-Töpfen der Efre-Strukturfonds hatte die
Steiermark bereits anderweitig zugesagt.
Nun haben die Verhandlungspartner entschieden, dass jeder seinen
Einsatz erhöht. "Wir übernehmen eine weitere Million vom noch offenen
Betrag", bestätigte Erhard Skupa, Sprecher der Montanuni, am Freitag
der "Wiener Zeitung". Die Gelder kämen aus dem laufenden Uni-Budget,
ein entsprechendes Schreiben sei Donnerstagnachmittag an die Partner
ergangen. Für Waltraud Klasnic, ehemalige steirische Landeshauptfrau
und Vorsitzende des MUL-Universitätsrats, ist es "ein gutes Ende":
Dem Vernehmen nach hat nämlich weiters der Bund zugesagt, zusätzliche
zwei Millionen Euro, verteilt auf Verkehrsministerium und
Wissenschaftsministerium, bereitzustellen. Auch die Steirische
Landesregierung will um zwei Millionen Euro aufstocken und diese
Summe am Donnerstag absegnen. Im Büro von Landesrat Drexler
bestätigte man den Betrag.
"Das Leit- und Impulsprojekt Zentrum am Berg soll in einem Konsens
aller Partner umgesetzt werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen für
die Finanzierung", sagte auch der steirische ÖVP-Wirtschaftslandesrat
Christian Buchmann auf Anfrage, wobei er unterstrich: "Jeder soll
einen anteilsmäßigen Beitrag leisten, um die Realisierung
sicherzustellen." - "Wir blockieren sicher nicht", sagte dazu Felix
Lamezan, Sprecher des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft:
Der Bund werde all seine Zusagen einhalten. Und Walter Fleißner,
Sprecher im Verkehrsministerium, hob hervor: "Das Projekt ist sehr
weit gediehen und auf einem guten Weg."
Das Zentrum am Berg dient der angewandten Forschung im Tunnelbau. In
stillgelegten Stollen im Erzberg soll eine 1:1-Versuchsanlage
entstehen, in der Infrastrukturunternehmen Bauweisen prüfen,
Belastungs-, Feuer- und andere Katastrophentests in Realsituationen
durchführen und Sicherheitsforschung betreiben. Nach der
Initialförderung durch die öffentliche Hand und die MUL sollen
Industriebetriebe, die im Erzberg forschen, die laufenden Kosten
tragen, indem sie Teilabschnitte des Berginneren mieten.
"Mit dem Spatenstich können schon erste Forschungsarbeiten starten",
erklärt Erhard Skupa. Da Bergstollen-Querschnitte kleiner sind als
jene von Straßen- oder Eisenbahntunnels, müssen sie aufgeweitet
werden. "Man wird sich die Geologie im Erzberg genau anschauen und
entsprechende Sicherheitsmaßnahmen entwerfen. Neue
Tunnelvortriebsmaschinen, Spritzgussbetonmischungen oder
Ankertechniken können sogleich auf die Probe gestellt werden."
Wie verhält sich eine Betonmischung in einem bestimmten Gelände? Wie
viel Wasser ist aus dem Gebirge zu erwarten? Probleme wie diese
stellen sich im Tunnelbau. "Wir haben im Erzberg reale Bedingungen
wie auf jeder Baustelle. Im Gegensatz zum Koralmtunnel können wir
aber hier experimentieren, weil wir nicht unter Zeitdruck stehen",
sagt Skupa. Die Liste der Interessierten lese sich "angefangen von
Asfinag, ÖBB Infrastruktur und Wiener Linien wie ein Who is Who der
Infrastruktur-Unternehmen". So könnten etwa die Wiener Linien im
Erzberg Schachtsysteme entwickeln, um zu testen, wie sie Rauchgase
möglichst rasch ableiten könnten. "Das ist für jeden U-Bahn-Betrieb
essenziell." Ähnliche Einrichtungen in Europa würden im Unterschied
zum Erzberg mit Einschränkungen kämpfen, so Skupa: Etwa läge ein
Tunnelforschungszentrum in der Schweiz so nahe an einer Autobahn,
dass Brandtests verboten seien.
Auch dem Ort Eisenerz, der heute nur noch 4500 (statt wie 1960
13.000) Einwohner zählt, könnte das Zentrum am Berg zu neuem Leben
verhelfen. Nachdem der "Brotlaib der Steiermark" mehr als ein
Jahrtausend die Region prägte, zählt der Raum Eisenerz seit rund 40
Jahren zu den Industrieregionen mit Problemen. Die nunmehr
forschungsintensive Steiermark setzt daher auf Hochtechnologie: In
der Nähe befindet sich nicht nur die Montanuni, sondern auch ein
Kerngebiet für Werkstoffforschung und eines für Weichentechnik. Das
Zentrum am Berg passt genau hier gut hin.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/658031
_Forschung-im-Erzberg-so-gut-wie-fix.html
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