Flexibler Wiedereinstieg nach Krankheit: Aus Erfahrungen lernen

Internationale Expert/inn/en berichteten auf Einladung von AK Wien, AUVA, WKÖ und Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Wien über unterschiedliche Modelle

Wien (OTS/PWK581) - Am Mittwoch berichteten internationale Expertinnen und Experten auf Einladung von AK Wien, AUVA, WKÖ und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Wien von Modellen des flexiblen Wiedereinstiegs nach Krankenstand und den Erfahrungen damit.

Dr. Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut präsentierte einen Überblick über flexible Möglichkeiten zum Wiedereinstieg nach Krankheit. Etwa in den nordischen Ländern, Deutschland und der Schweiz gibt es funktionierende Modelle.

Über Erfahrungen mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement in Deutschland referierte Prof. Mathilde Niehaus, Universität zu Köln. Die deutsche Regelung sieht vor, dass Arbeitgeber Maßnahmen zur Wiedereingliederung anbieten müssen, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen erkrankt sind. Nimmt der Arbeitnehmer das Angebot an, ist für die Dauer der Wiedereingliederung sein Arbeitsplatz gesichert. Prof. Niehaus dazu:
"Es besteht Handlungsbedarf, will man effizient zum Arbeitsplatzerhalt jener Erwerbstätigen beitragen, die mit steigendem Lebensalter längere gesundheitlich bedingte Ausfallzeiten aufweisen." In Großbetrieben wird das betriebliche Eingliederungsmanagement bereits sehr gut umgesetzt, bei Klein-und Mittelbetrieben herrscht noch Nachholbedarf.

"Für uns ist wichtig, dass sich Beschäftigte im Krankheitsfall in Ruhe auskurieren können. Bei einer frühzeitigen Arbeitsaufnahme ist die Gefahr eines Rückfalles immer sehr groß und würde letztlich zu einem noch längeren Fernbleiben vom Betrieb führen", sagt Alexander Heider, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der Arbeiterkammer Wien.

Anders stellt sich die Situation nach Ansicht der AK dann dar, wenn beispielsweise psychische Erkrankungen oder Krebs einen wochenlangen Krankenstand erforderlich machen. "In diesem Fall", sagt Alexander Heider, "kann es nach unserer Ansicht sinnvoll sein, dass nach Beendigung des Krankenstandes eine schrittweise Wiedereingliederung in den Betrieb stattfindet. Dabei darf nicht erwartet werden, dass die sonst gewohnte Arbeitsleistung erbracht wird."

Bei einer zukünftigen Regelung müssen aber auch eine medizinische Begleitung vorgesehen sein und arbeitsrechtliche Aspekte mitberücksichtigt werden.

Dr. Arie Rijkenberg, Arbeitsmediziner vom Präventionsdienst in Antwerpen beschrieb die Lösungen in Belgien und in den Niederlanden. Er betonte die Vorteile von flexiblen Lösungen im Krankheitsfall und meinte dazu: "Ein Schirennfahrer wird nach einem Sturz auch nicht sofort wieder ein Rennen fahren, sondern langsam wieder mit dem Training beginnen". So sei es etwa in Belgien üblich, nach einem Burnout mit einer Halbzeit-Tätigkeit wieder ins Berufsleben einzusteigen.

"Wir müssen weg vom "Schwarz - Weiß- Denken" beim Thema Krankenstand. Es gibt nicht nur gesund oder krank sondern auch Graubereiche dazwischen. Ein flexibler Wiedereinstieg ermöglicht es dem gesundenden Arbeitnehmer, seinem Gesundheitszustand entsprechend den Anschluss an die Arbeit wieder zu finden. Eines ist ganz selbstverständlich: Kranke Menschen sollen nicht arbeiten, sondern gesund werden", meint dazu Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ. "Jetzt müssen wir ein geeignetes Modell für Österreich entwerfen. Dieses sollte von allen bewährten Beispielen in anderen europäischen Ländern das Beste nehmen und gleichzeitig für Österreich die optimale Lösung sein. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen", so Gleitsmann abschließend. (JR)

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