- 01.09.2014, 10:30:31
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Wehsely/Reischl/Felix/Dressel: "Alkohol 2020" - Menschen mit Alkoholerkrankung werden in Wien künftig besser versorgt
Gemeinsames Projekt von PVA, WGKK und Stadt Wien im Rahmen der Gesundheitsreform - Pilot startet im Oktober
Utl.: Gemeinsames Projekt von PVA, WGKK und Stadt Wien im Rahmen der
Gesundheitsreform - Pilot startet im Oktober =
Wien (OTS) - "Wienweit gibt es zwischen 35.000 und 75.000
alkoholkranke Menschen - Handlungsbedarf war dringend notwendig",
betonte Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely bei der
heutigen Pressekonferenz. Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und die Stadt Wien möchten Menschen
mit einer Alkoholerkrankung mit am Bedarf der PatientInnen
ausgerichteten Angeboten zukünftig besser als bisher unterstützen und
haben im Rahmen der Gesundheitsreform ein neues Projekt ins Leben
gerufen: "Alkohol 2020", das Gesundheitsstadträtin Wehsely gemeinsam
mit der Obfrau der WGKK Ingrid Reischl, dem Obmann der PVA Manfred
Felix und dem Koordinator für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien
Michael Dressel heute im Rathaus präsentierte. Erstmals arbeiten die
PVA, WGKK und die Stadt Wien als gemeinsame PartnerInnen in der
Konzeption, Umsetzung und Finanzierung der Versorgung von Menschen
mit einer Alkoholerkrankung in Wien zusammen.
Damit gibt es erstmals ein gemeinsam erarbeitetes Gesamtkonzept zur
integrierten Versorgung und Zusammenarbeit aller Beteiligten, den
niedergelassenen ÄrztInnen, den spezialisierten
Suchthilfe-Einrichtungen im ambulanten und stationären Bereich sowie
der medizinischen und beruflichen Rehabilitation. Die einjährige
Testphase für 500 WienerInnen startet im Oktober 2014.
Ziel von "Alkohol 2020" ist es, die Versorgung von Menschen mit einer
Alkoholerkrankung in Wien zu verbessern und die Betroffenen
nachhaltiger in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Neu ist,
dass es neben den stationären Angeboten zu einem Ausbau der
ambulanten Versorgung kommen wird.
"Bis dato gab es in Wien kein koordiniertes Gesamtkonzept und kein
integriertes Versorgungssystem zur Betreuung inklusive Behandlung
und Rehabilitation von alkoholkranken Menschen. Als verantwortliche
Gesundheitsstadträtin war mir aber die Notwendigkeit bewusst, für
alkoholkranke und alkoholgefährdete Menschen die Betreuungsangebote
weiterzuentwickeln, damit die jeweiligen Einrichtungen ein Netzwerk
bilden, in dem sie einander ergänzen und ihre Leistungen
bedarfsorientiert aufeinander abstimmen", erklärt Gesundheits- und
Sozialstadträtin Sonja Wehsely.
"Wien hat mit "Alkohol 2020" ein komplett neues Betreuungsangebot für
Menschen mit einer Alkoholerkrankung entwickelt und schafft in den
kommenden Jahren ein integriertes Versorgungssystem, das die
beteiligten Einrichtungen und ExpertInnen miteinander vernetzt und so
erstmals orientiert an den Bedürfnissen der PatientInnen ambulante,
stationäre, rehabilitative und integrationsfördernde Angebote
aufeinander abstimmt", so Wehsely.
Und Wehsely weiter: "Man kann ganz ohne Untertreibung sagen, dass
hier ein Paradigmenwechsel passiert. Erstmals erarbeiteten PVA, WGKK
und Stadt Wien, als PartnerInnen gemeinsam eine neue Strategie,
setzen diese dann gemeinsam um und finanzieren sie auch gemeinsam.
Dass die einzelnen LeistungserbringerInnen im Interesse der
PatientInnen in Zukunft in diesen Fragen so eng zusammenarbeiten, ist
eine ganz direkte Auswirkung der Umsetzung der Gesundheitsreform.
Insofern ist "Alkohol 2020" ein Vorzeigeprojekt, wenn es darum geht,
zu zeigen, dass die Gesundheitsreform konkrete positive Auswirkungen
auf die medizinische Versorgung und Rehabilitation der BürgerInnen
hat".
WGKK-Obfrau Ingrid Reischl betont: "Durch das Projekt "Alkohol 2020"
soll den Betroffenen der Zugang zu Behandlungs- und
Rehabilitationsprogrammen möglichst einfach gemacht werden. Bisher
war es oft dem Zufall überlassen, ob ein Alkoholproblem entdeckt und
eine suchtspezifische Betreuung eingeleitet wurde."
Neu ist auch, dass es künftig maßgeschneiderte Angebote geben wird.
Reischl erklärt: "Aus verschiedenen Modulen wird für jede
Patientin/für jeden Patient ein individueller Betreuungsplan
zusammengestellt. Berücksichtigt werden dabei der Schweregrad der
Suchterkrankung und der Gesundheitszustand, aber auch die sozialen
Faktoren wie Beruf, Familie, Finanzen und Wohnen." Ein ambulanter
Betreuungsplan könnte beispielsweise sowohl den Entzug wie auch eine
längerfristige, nachhaltige Therapie und Rehabilitation beinhalten.
Die WGKK-Obfrau unterstreicht, dass es durch "Alkohol 2020" zu einem
Ausbau der ambulanten Versorgung kommt. "Bisher hat es hier kaum
Angebote gegeben. Die Betroffenen konnten während der Betreuung in
der Regel nicht zuhause bei ihrer Familie übernachten und nicht ihrem
Beruf nachgehen. Das soll sich nun ändern."
Für den Obmann der PVA Manfred Felix ist die Rehabilitation ein
zentrales Element von "Alkohol 2020". "Übermäßiger Alkoholkonsum und
seine Folgeerkrankungen sind die Ursache für zahlreiche
Pensionierungen infolge Arbeitsunfähigkeit sowie für verfrühte oder
vermehrte Pflegebedürftigkeit. Eine wirksame Rehabilitation der
betroffenen Menschen kann viele dieser Fälle verhindern. Das Projekt
Alkohol 2020 schafft erstmals ein durchgängiges Betreuungsangebot für
alkoholkranke Menschen. Mit der Beteiligung der PVA können die
Betroffenen die für sie notwendigen Rehabilitationsleistungen im
neuen Versorgungsnetz erhalten. Gleichzeitig können wir wichtige
Erkenntnisse für die weitere Entwicklung von passgenauen
Rehabilitationsangeboten für alkoholkranke Menschen gewinnen."
Mit "Alkohol 2020" wird es erstmals möglich sein, Menschen mit einer
Alkoholerkrankung auch sektorübergreifend zu versorgen und den
PatientInnenbedarf am "best point of service" auszurichten. "Für eine
umfassende Betreuung und Reintegration von Menschen mit einer
Alkoholerkrankung muss im integrierten Versorgungssystem "Alkohol
2020" eine intensive Vernetzung und Kooperation von allen beteiligten
Einrichtungen und Angeboten gewährleistet sein", unterstreicht der
Koordinator für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien Michael
Dressel. Demnach sind neben der patientInnenorientierten
Zusammenarbeit der Gesundheitseinrichtungen auch die Vernetzung und
die Kooperation mit Einrichtungen des therapeutischen Wohnens,
Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen anderer TrägerInnen,
Betreuungsangeboten für Angehörige, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen,
alternativen Freizeitangeboten und anderen unterstützenden Angeboten
(Kinderbetreuung, Versorgung von Haustieren etc.) zentraler Teil des
Konzepts.
Die Eckpunkte von Alkohol 2020 sind:
Schaffung neuer Versorgungsstrukturen: regionale Kompetenzzentren
(vor Ort sind z.B. ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen),
spezialisierte stationäre und ambulante Einrichtungen,
Nahtstellenmanagement (z.B. Kontaktaufbau zwischen den Wiener
Krankenhäusern und dem Sucht- und Drogenhilfenetzwerk,
Alkoholsprechstunden im niedergelassenen Bereich, etc.)
Individuelle Betreuung durch Modulsystem: Nach einer
multidimensionalen Diagnostik, die die Ausgangslage der Betroffenen
erhebt (z.B. Alkohol-Konsumverhalten, berufliche Lage,
Wohnsituation), kann ein Betreuungsplan festgelegt werden. Dieser
wird individuell erstellt und kann sich aus mehreren stationären
und/oder ambulanten Modulen mit unterschiedlicher Dauer und
Intensität zusammensetzen.
Verstärkte Einbindung des niedergelassenen Bereichs im Rahmen der
Früherkennung, Kurzintervention und Nachbetreuung.
Pressefotos werden in Kürze unter www.wien.gv.at/pressebilder zur
Verfügung stehen.
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