• 29.08.2014, 20:31:38
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Die Rückkehr der Volatilität, Marktkommentar von Stefan Schaaf

Frankfurt (ots) - Meinungsverschiedenheiten sind das Salz in der
Suppe des Börsenhandels. Zwei Marktteilnehmer werden nur ein Geschäft
abschließen, wenn sie unterschiedlicher Auffassung über die
Kursentwicklung sind. Glauben aber alle beispielsweise an einen
fallenden Euro, wie derzeit der Konsens lautet, dann geht der Kurs
ohne große Ausschläge nach unten.

In die Terminologie des Finanzmarktes übersetzt: Die Volatilität ist
gering. Dieses Phänomen prägt schon seit Monaten den Devisenmarkt.
Der von der Deutschen Bank berechnete Volatilitätsindex CVIX für den
Währungshandel liegt noch immer nur knapp über seinen Rekordtiefs vom
Frühsommer. Und das, obwohl an den Finanzmärkten noch immer vieles
nicht stimmt, wie der negative Tagesgeldsatz Eonia zeigt. Vereinfacht
gesagt: Banken leihen sich gegenseitig selten Geld, wenn sie es aber
tun, dann bezahlen sie dafür, dass sie einem anderem Institut
Liquidität geben dürfen.

Mit der niedrigen Volatilität könnte es aber bald vorbei sein. Grund
dafür sind die immer stärker divergierenden Zinserwartungen zwischen
den USA auf der einen sowie der Eurozone auf der anderen Seite.
Hierbei ist es sinnvoll, auf die Ursache der niedrigen Volatilität zu
schauen. Sie ist vor allem eine Folge der sogenannten Forward
Guidance der beiden wichtigsten Notenbanken, der Federal Reserve
(Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie hatten vor geraumer
Zeit angekündigt, ihre Zinsen noch eine ganze Weile niedrig zu
lassen. Das war eine Abkehr von der lange üblichen, vagen
Kommunikation von Notenbankern. Man erinnere sich an das Orakelhafte
von Alan Greenspan oder die wortreichen Nicht-Statements von
Jean-Claude Trichet. Ganz anders Mario Draghi sowie erst Ben Bernanke
und dann Janet Yellen: Sie haben in für Notenbanker ungewohnter
Klarheit den Zinspfad skizziert. Dies ließ kaum Spielraum für
Zinsspekulationen und davon induzierten Währungsschwankungen.

Solange sich die Zinsen nicht ändern werden - und der Markt dies den
Notenbanken auch glaubt -, kann es am Markt nur eine Meinung geben,
die Volatilität ist gering. Das hat nebenbei einen gewissen
Beruhigungseffekt, da niedrige Volatilität auch immer mit niedrigem
Risiko assoziiert wird. Zusammen mit der seit Jahren anhaltenden
reichlichen Liquiditätsversorgung insbesondere durch die Fed - die
EZB hat zwischenzeitlich ihre Bilanz kräftig geschrumpft - führte die
von den Notenbanken gedämpfte Volatilität zu höherer
Risikobereitschaft und damit steigenden Kursen bei Risk-Assets wie
Aktien oder Hochzinsanleihen.

Auch wenn der CVIX trotz geopolitischer Spannungen noch ein anderes
Signal sendet, die Volatilität am Devisenmarkt dürfte wieder steigen.
Dafür spricht, dass auch "ein längerer Zeitraum", so die Definition
der Forward Guidance, einmal zu Ende geht. Das scheint der Fall zu
sein, und der Anleihemarkt nimmt dies bereits vorweg. Der Spread
zwischen den zinssensitiven Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit aus den
USA und aus Deutschland (als Benchmark der Eurozone) hat sich
deutlich ausgeweitet. Da höhere Spreads im Denken der Finanzmärkte
für höheres Risiko stehen, dürfte sich dies früher oder später in
höherer Volatilität niederschlagen.

Hintergrund dafür ist, dass die EZB wohl die Geldpolitik noch weiter
lockern wird, möglicherweise schon am nächsten Donnerstag, während
die Fed voraussichtlich auf steigende Zinsen zugeht. Auf diesem Weg
wird es jedoch Unebenheiten geben - in den zugrundeliegenden
Konjunkturdaten, in der Kommunikation, in den Erwartungen an den
Zeitpunkt der US-Zinserhöhung. All dies wird die Volatilität steigen
lassen, weil es Raum für Spekulationen und Meinungsunterschiede der
Marktteilnehmer gibt.

Doch allzu sehr wird - zur Enttäuschung der Händler - die Volatilität
wohl kaum steigen. Denn auch bei einer Zinswende werden die US-Zinsen
im historischen Vergleich niedrig bleiben.

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