- 29.08.2014, 12:11:36
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75 Jahre Zweiter Weltkrieg: ORF-Zeitgeschichte-Themenabend mit drei Folgen der preisgekrönten "Menschen & Mächte"-Weltkriegs-Reihe
Am 31. August ab 22.05 Uhr in ORF 2, ab 1. September in 3sat
Utl.: Am 31. August ab 22.05 Uhr in ORF 2, ab 1. September in 3sat =
Wien (OTS) - Im Rahmen des ORF-Zeitgeschichte-Programmschwerpunkts
"75 Jahre Zweiter Weltkrieg" in ORF 2, ORF III, 3sat und Ö1 (Details
unter presse.ORF.at) stehen am Sonntag, dem 31. August 2014, ab 22.05
Uhr drei Teile der preisgekrönten "Menschen & Mächte"-Reihe über den
Zweiten Weltkrieg auf dem Programm von ORF 2: Am Beginn des
Themenabends spannt Andreas Novak in "Hitlers Blitzkriege" einen
zeitlichen Bogen von der Eroberung Polens ab 1. September 1939 bis
zum Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Juni 1941. Robert
Gokl erzählt in "Sterben für Hitler" (22.55 Uhr) die Geschichte einer
Generation, die von Hitler mit dem Angriff auf die Sowjetunion in den
größten Eroberungs- und Vernichtungskrieg der Geschichte gehetzt
wurde. In "Die Ungehorsamen" (23.45 Uhr) schildert Peter Liska die
Schicksale von Deserteuren, sogenannten Vaterlandsverrätern.
"Hitlers Blitzkriege" - Eine Dokumentation von Andreas Novak (22.05
Uhr)
"Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium
auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird
jetzt zurückgeschossen", verkündet Adolf Hitler am 1. September 1939.
Der Zweite Weltkrieg beginnt mit einer Lüge. Um den Angriffskrieg zum
Verteidigungskampf zu manipulieren, muss Polen als Aggressor
vorgeführt werden. Hitler, der Politik grundsätzlich und Außenpolitik
im Speziellen ausschließlich vom Standpunkt der Unterwerfung
betreibt, wird von Frankreich und England, den Siegermächten des
Ersten Weltkriegs, erst nach dem Einmarsch in Polen militärischer
Widerstand entgegengesetzt. Doch bis dahin ist die Wehrmacht zur
besten Kampfmaschine Europas hochgerüstet, ein ganzes Volk
uniformiert, Österreich und das Sudetenland in Blumenkriegen erobert
und trotz gegenteiliger Versprechen auch der Rest der
Tschechoslowakei geschluckt. Die Politik des Nachgebens und der
Kompromisse zur Erhaltung des Friedens in Europa war gescheitert.
Vor dem großen Sterben an den russischen Fronten lag die Phase
militärischer Erfolge, die Unterwerfung großer Teile Europas. Nicht
erst in der Sowjetunion, sondern bereits im September 1939 in Polen
wird der Angriffskrieg zum Vernichtungskrieg. Die schnelle Eroberung
europäischer Staaten wie Polen, Norwegen Frankreich oder
Griechenland, die binnen weniger Wochen erfolgten Kapitulationen
erweckten kurzfristig auch bei vielen Skeptikern den Eindruck der
Unbesiegbarkeit der Wehrmacht und ihres obersten Kriegsherrn. Nach
dem Frankreichfeldzug befand sich Hitler am Höhepunkt seiner Macht.
Hitlers Stärke ist die militärische Schwäche seiner Gegner.
"Hitlers Blitzkriege" behandelt und analysiert die Jahre der Siege,
die Zeit zwischen 1. September 1939 und dem Beginn des Überfalls auf
die Sowjetunion im Juni 1941. Hitler verordnete Aufrüstung, Einmarsch
und Krieg, um Deutschland von den Friedensverträgen zu befreien, die
von den Siegern des Ersten Weltkriegs nach 1918 verfügt wurden, von
der sogenannten "Schande von Versailles". Doch schon während der
ersten Kriegsjahre sollte deutlich werden, dass man nach der Heimkehr
mit noch größerer Schande überhäuft sein würde. Hitler führt
Blumenkriege, Grenzrevisionskriege, Revanchekriege,
Wirtschaftskriege, Eroberungskriege, Rassenkriege und
Vernichtungskriege. Die Feldzüge sind zwar durch unterschiedlichste
Ursachen getrennt, durch das Leitmotiv der Unterwerfung aber wieder
miteinander verknüpft.
Für jene, die künftig wie Schachfiguren an den unterschiedlichsten
Fronten hin und her geschoben werden sollten, beginnt ab 1939 das
Leben im System von Befehl und Gehorsam. Eine differenzierte
Annäherung an die Kriegsgeneration ist eines der zentralen Anliegen,
sagt Andreas Novak: "Die nationalsozialistische Rasse- und
Kriegsideologie ermöglicht auf der einen Seite bereits während der
Blitzkriege das sanktionsfreie Ausleben von Sadismus und moralischer
Anarchie, die Entkoppelung des soldatischen Handelns von den
Prinzipien des Kriegsrechts und der Humanität. Auf der anderen Seite
versetzt der verordnete Frontkampf eine überwiegend junge Generation
in permanente mentale Ausnahmezustände. Er wird zum elementarsten
biografischen Bruch im Leben dieser Menschen, er bringt die
permanente Konfrontation mit Verrohung und den Abbau von
Tötungshemmungen." Damit hatten viele ihr Leben lang zu kämpfen,
taten dies mit unterschiedlichsten Reaktionsmustern. Da reicht die
Palette vom Schweigen bis hin zu intensiver Erzähllust.
"Ich habe mir den Krieg gewünscht, denn nur der Krieg konnte das
NS-Regime beseitigen, doch niemals hätte ich mir gedacht, dass er so
lange dauern würde", sagt Heinrich Treichl, der in einer
Artillerie-Einheit diente. Diese Erfahrung teilt der ehemalige
CA-Generaldirektor mit vielen Kriegsteilnehmern. So mancher dachte,
der Krieg werde wohl nach dem Polenfeldzug zu Ende sein, spätestens
aber nach der Eroberung Frankreichs. Doch aus der Hoffnung auf einen
kurzen Krieg sollte der lange Abschied von Freiheit und Zivilleben
werden, zählt man die Kriegsgefangenschaft in sibirischen Lagern
dazu.
Die Auswahl der Zeitzeugen sollte gleichzeitig die unterschiedlichen
Zugänge und Annäherungen zu Soldatentum und Krieg spiegeln: von der
Distanz zu NS-Regime und Wehrmacht über Anpassung an das Diktat des
Faktischen bis hin zum befehlstreuen, kampfbereiten Soldaten, der
Hitlers Kriege als militärischen Befreiungsakt vom Diktat der
Siegermächte des Ersten Weltkriegs versteht.
"Sterben für Hitler" - Eine Dokumentation von Robert Gokl (22.55 Uhr)
Der zweite Teil der ORF-Zeitgeschichteserie behandelt die Kriegsjahre
1941 bis 1945. Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion beginnt der
brutalste Vernichtungsfeldzug der Geschichte des Zweiten Weltkriegs.
Doch der proklamierte Endkampf gegen den "bolschewistischen Erbfeind"
leitet den apokalyptischen Untergang des NS-Staates ein, damit
vollzieht sich die Wende von den erfolgreichen Blitzkriegen zum
Massensterben an den russischen Fronten. Mit dem Kriegseintritt
Amerikas beginnt für Hitlers Wehrmacht ein aussichtsloser
Zweifrontenkrieg.
"Die Ungehorsamen" - Eine Dokumentation von Peter Liska (23.45 Uhr)
Im dritten Teil der ORF-Serie stehen Wehrmachtsdeserteure und
militärische Widerstandskämpfer im Mittelpunkt. Der Film stellt
Menschen vor, die Fahneneid, "Führertreue" und militärische
Pflichterfüllung weder mit ihrem Weltbild noch mit ihrem moralischen
Gewissen vereinbaren konnten. Die befohlenen Eroberungskriege, der
Bruch von Völkerrecht und Kriegsrecht, die Verstrickung der Wehrmacht
in Kriegsverbrechen und Massenmord und sinnlose Durchhaltebefehle
bilden die Grundlagen für die Analyse der gebrochenen Pflichten des
Eidnehmers Adolf Hitler.
3sat zeigt die Dokumentationen ab 1. September
Mit "Hitler unterwirft Europa" (1. September, 20.15 Uhr) zeigt 3sat
eine 90-minütige Langfassung von Andreas Novaks
"Blitzkrieg"-Dokumentation. In "Sterben für Hitler" (22.25 Uhr)
vollzieht Robert Gokl die Wende von den großen Erfolgen zum großen
Massensterben im Zweifrontenkrieg, vom Beginn des Feldzuges gegen die
Sowjetunion im Juni 1941 bis zur Niederlage und bedingungslosen
Kapitulation im Jahr 1945. Wehrmachtsdeserteure, militärischen
Widerstand, Hitler-Eid und soldatische Pflichterfüllung thematisiert
Peter Liska in "Die Ungehorsamen" (2. September, 23.05 Uhr).
Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern im Rahmen
aktueller Berichterstattung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Zahlreiche TV-Sendungen des Programmschwerpunkts werden auf der
ORF-TVthek als Live-Stream bzw. als Video-on-Demand bereitgestellt.
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