75 Jahre Zweiter Weltkrieg: ORF-Zeitgeschichte-Themenabend mit drei Folgen der preisgekrönten "Menschen & Mächte"-Weltkriegs-Reihe

Am 31. August ab 22.05 Uhr in ORF 2, ab 1. September in 3sat

Wien (OTS) - Im Rahmen des ORF-Zeitgeschichte-Programmschwerpunkts "75 Jahre Zweiter Weltkrieg" in ORF 2, ORF III, 3sat und Ö1 (Details unter presse.ORF.at) stehen am Sonntag, dem 31. August 2014, ab 22.05 Uhr drei Teile der preisgekrönten "Menschen & Mächte"-Reihe über den Zweiten Weltkrieg auf dem Programm von ORF 2: Am Beginn des Themenabends spannt Andreas Novak in "Hitlers Blitzkriege" einen zeitlichen Bogen von der Eroberung Polens ab 1. September 1939 bis zum Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Juni 1941. Robert Gokl erzählt in "Sterben für Hitler" (22.55 Uhr) die Geschichte einer Generation, die von Hitler mit dem Angriff auf die Sowjetunion in den größten Eroberungs- und Vernichtungskrieg der Geschichte gehetzt wurde. In "Die Ungehorsamen" (23.45 Uhr) schildert Peter Liska die Schicksale von Deserteuren, sogenannten Vaterlandsverrätern.

"Hitlers Blitzkriege" - Eine Dokumentation von Andreas Novak (22.05 Uhr)

"Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen", verkündet Adolf Hitler am 1. September 1939. Der Zweite Weltkrieg beginnt mit einer Lüge. Um den Angriffskrieg zum Verteidigungskampf zu manipulieren, muss Polen als Aggressor vorgeführt werden. Hitler, der Politik grundsätzlich und Außenpolitik im Speziellen ausschließlich vom Standpunkt der Unterwerfung betreibt, wird von Frankreich und England, den Siegermächten des Ersten Weltkriegs, erst nach dem Einmarsch in Polen militärischer Widerstand entgegengesetzt. Doch bis dahin ist die Wehrmacht zur besten Kampfmaschine Europas hochgerüstet, ein ganzes Volk uniformiert, Österreich und das Sudetenland in Blumenkriegen erobert und trotz gegenteiliger Versprechen auch der Rest der Tschechoslowakei geschluckt. Die Politik des Nachgebens und der Kompromisse zur Erhaltung des Friedens in Europa war gescheitert.

Vor dem großen Sterben an den russischen Fronten lag die Phase militärischer Erfolge, die Unterwerfung großer Teile Europas. Nicht erst in der Sowjetunion, sondern bereits im September 1939 in Polen wird der Angriffskrieg zum Vernichtungskrieg. Die schnelle Eroberung europäischer Staaten wie Polen, Norwegen Frankreich oder Griechenland, die binnen weniger Wochen erfolgten Kapitulationen erweckten kurzfristig auch bei vielen Skeptikern den Eindruck der Unbesiegbarkeit der Wehrmacht und ihres obersten Kriegsherrn. Nach dem Frankreichfeldzug befand sich Hitler am Höhepunkt seiner Macht. Hitlers Stärke ist die militärische Schwäche seiner Gegner.

"Hitlers Blitzkriege" behandelt und analysiert die Jahre der Siege, die Zeit zwischen 1. September 1939 und dem Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion im Juni 1941. Hitler verordnete Aufrüstung, Einmarsch und Krieg, um Deutschland von den Friedensverträgen zu befreien, die von den Siegern des Ersten Weltkriegs nach 1918 verfügt wurden, von der sogenannten "Schande von Versailles". Doch schon während der ersten Kriegsjahre sollte deutlich werden, dass man nach der Heimkehr mit noch größerer Schande überhäuft sein würde. Hitler führt Blumenkriege, Grenzrevisionskriege, Revanchekriege, Wirtschaftskriege, Eroberungskriege, Rassenkriege und Vernichtungskriege. Die Feldzüge sind zwar durch unterschiedlichste Ursachen getrennt, durch das Leitmotiv der Unterwerfung aber wieder miteinander verknüpft.

Für jene, die künftig wie Schachfiguren an den unterschiedlichsten Fronten hin und her geschoben werden sollten, beginnt ab 1939 das Leben im System von Befehl und Gehorsam. Eine differenzierte Annäherung an die Kriegsgeneration ist eines der zentralen Anliegen, sagt Andreas Novak: "Die nationalsozialistische Rasse- und Kriegsideologie ermöglicht auf der einen Seite bereits während der Blitzkriege das sanktionsfreie Ausleben von Sadismus und moralischer Anarchie, die Entkoppelung des soldatischen Handelns von den Prinzipien des Kriegsrechts und der Humanität. Auf der anderen Seite versetzt der verordnete Frontkampf eine überwiegend junge Generation in permanente mentale Ausnahmezustände. Er wird zum elementarsten biografischen Bruch im Leben dieser Menschen, er bringt die permanente Konfrontation mit Verrohung und den Abbau von Tötungshemmungen." Damit hatten viele ihr Leben lang zu kämpfen, taten dies mit unterschiedlichsten Reaktionsmustern. Da reicht die Palette vom Schweigen bis hin zu intensiver Erzähllust.

"Ich habe mir den Krieg gewünscht, denn nur der Krieg konnte das NS-Regime beseitigen, doch niemals hätte ich mir gedacht, dass er so lange dauern würde", sagt Heinrich Treichl, der in einer Artillerie-Einheit diente. Diese Erfahrung teilt der ehemalige CA-Generaldirektor mit vielen Kriegsteilnehmern. So mancher dachte, der Krieg werde wohl nach dem Polenfeldzug zu Ende sein, spätestens aber nach der Eroberung Frankreichs. Doch aus der Hoffnung auf einen kurzen Krieg sollte der lange Abschied von Freiheit und Zivilleben werden, zählt man die Kriegsgefangenschaft in sibirischen Lagern dazu.

Die Auswahl der Zeitzeugen sollte gleichzeitig die unterschiedlichen Zugänge und Annäherungen zu Soldatentum und Krieg spiegeln: von der Distanz zu NS-Regime und Wehrmacht über Anpassung an das Diktat des Faktischen bis hin zum befehlstreuen, kampfbereiten Soldaten, der Hitlers Kriege als militärischen Befreiungsakt vom Diktat der Siegermächte des Ersten Weltkriegs versteht.

"Sterben für Hitler" - Eine Dokumentation von Robert Gokl (22.55 Uhr)

Der zweite Teil der ORF-Zeitgeschichteserie behandelt die Kriegsjahre 1941 bis 1945. Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion beginnt der brutalste Vernichtungsfeldzug der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Doch der proklamierte Endkampf gegen den "bolschewistischen Erbfeind" leitet den apokalyptischen Untergang des NS-Staates ein, damit vollzieht sich die Wende von den erfolgreichen Blitzkriegen zum Massensterben an den russischen Fronten. Mit dem Kriegseintritt Amerikas beginnt für Hitlers Wehrmacht ein aussichtsloser Zweifrontenkrieg.

"Die Ungehorsamen" - Eine Dokumentation von Peter Liska (23.45 Uhr)

Im dritten Teil der ORF-Serie stehen Wehrmachtsdeserteure und militärische Widerstandskämpfer im Mittelpunkt. Der Film stellt Menschen vor, die Fahneneid, "Führertreue" und militärische Pflichterfüllung weder mit ihrem Weltbild noch mit ihrem moralischen Gewissen vereinbaren konnten. Die befohlenen Eroberungskriege, der Bruch von Völkerrecht und Kriegsrecht, die Verstrickung der Wehrmacht in Kriegsverbrechen und Massenmord und sinnlose Durchhaltebefehle bilden die Grundlagen für die Analyse der gebrochenen Pflichten des Eidnehmers Adolf Hitler.

3sat zeigt die Dokumentationen ab 1. September

Mit "Hitler unterwirft Europa" (1. September, 20.15 Uhr) zeigt 3sat eine 90-minütige Langfassung von Andreas Novaks "Blitzkrieg"-Dokumentation. In "Sterben für Hitler" (22.25 Uhr) vollzieht Robert Gokl die Wende von den großen Erfolgen zum großen Massensterben im Zweifrontenkrieg, vom Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 bis zur Niederlage und bedingungslosen Kapitulation im Jahr 1945. Wehrmachtsdeserteure, militärischen Widerstand, Hitler-Eid und soldatische Pflichterfüllung thematisiert Peter Liska in "Die Ungehorsamen" (2. September, 23.05 Uhr).

Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern im Rahmen aktueller Berichterstattung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zahlreiche TV-Sendungen des Programmschwerpunkts werden auf der ORF-TVthek als Live-Stream bzw. als Video-on-Demand bereitgestellt.

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