Grüne Wien/Wurzer zu Schulbeginn: Potentiale entfalten statt aussortieren

Schule soll mehrsprachige Kinder nicht länger einsprachig machen MigrantInnensprachen mehr wertschätzen

Wien (OTS) - Über die Hälfte aller Kinder in Wien haben eine andere Alltags-sprache als Deutsch - 23 Prozent sprechen daheim Türkisch oder bosnisch/serbisch/kroatisch. "In unseren Bildungseinrichtungen wird dies immer noch als Defizit gesehen und nicht als ein wertvolles Potential. Oberstes Ziel sollte sein, Wiens Sprachenvielfalt anzuerkennen und vom Sprachenschatz zu profitieren. Das Aussortieren von Kindern mit fehlenden oder unzureichenden Deutschkenntnissen in Vorschul- oder Sonderschulklassen und der Fokus auf den möglichst schnellen Erwerb der deutschen Sprache sind kontraproduktiv", so die Bildungssprecherin der Grünen Wien, Martina Wurzer.

Die Erkenntnisse der Wissenschaft liegen längst auf dem Tisch. Eine gefestigte und geschätzte Familiensprache ist die Grundlage für eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit. Besonders erfolgreich sind Kinder, die bereits im Kindergarten und dann systematisch und langfristig in der Schule ihre eigene Sprache UND Deutsch erlernen. "Deutsch zugleich" statt "Deutsch zuerst" soll das Motto sein", betont Wurzer.

Wien bemüht sich seit Jahren um bessere sprachliche Förderung. In einem eigenen Forschungskindergarten wurden Methoden, Materialien und Modelle zur Steigerung der sprachlichen Kompetenzen von Kindern in der Erst- und Zweitsprache erarbeitet. Die MA10 ist dabei, die Erkenntnisse aus diesem Projekt in ganz Wien umzusetzen. Rund 17.000 SchülerInnen besuchen in Wien muttersprachlichem Unterricht, Sprachförderkurse werden auch für SeiteneinsteigerInnen angeboten. Weitere Schritte sind jedoch notwendig, wie etwa:

1. Der Unterricht in den in Wien wichtigsten MigrantInnensprachen muss im Kindergarten und in den Schulen massiv ausgebaut werden.
2. Eine gezielte Anwerbung von MigrantInnen für den Beruf PädagogIn. 3. Sprachförderung muss möglichst früh, begleitend und flächendeckend angeboten werden. Flexible Schuleingangsphasen nehmen den Zeitdruck beim Sprachenerwerb. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr sichert die möglichst frühe mehrsprachige Förderung.

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