- 26.08.2014, 09:22:47
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Schulanfang nicht leistbar - Arme Eltern, schlechte Chancen?
Diakonie fordert mehr Ressourcen für sozial benachteiligte Schulstandorte - und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf.
Utl.: Diakonie fordert mehr Ressourcen für sozial benachteiligte
Schulstandorte - und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf. =
Wien (OTS) - "Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele
Kinder heuer nicht ausgehen", warnt der Sozialexperte der Diakonie
Österreich, Martin Schenk. 127.000 Kinder und Jugendliche gelten als
manifest arm. Je früher, je schutzloser und je länger Kinder der
Armutssituation ausgesetzt sind, desto stärker die Auswirkungen,
weist Schenk auf schlechte Startbedingungen für viele Kinder am
Schulanfang hin.
"Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren Beiträge,
die ihnen zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches Startpaket
für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel,
Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet
100 bis 300 Euro", beschreibt Claudia Röthy, Geschäftsführerin der
Stadtdiakonie Wien, die schwierige Situation.
Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie
Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und
Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.
Mehr Ressourcen für sozial benachteiligte Schulstandorte
"Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es
Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der
nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert," betont
Sozialexperte Schenk. "Wichtig wäre auch, Schulen in sozial
benachteiligten Bezirken besonders gut auszustatten, damit sie keine
Schüler zurücklassen und für alle Einkommensschichten attraktiv
bleiben", schlägt Schenk ein Modell "kompensatorischer
Ressourcenzuteilung" vor. Mit dieser schulpolitischen Intervention
kann zwar die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden nicht
aufgehoben werden - die liegt ja in der Einkommens- und Wohnpolitik -
aber es kann in den Schulen einiges verbessert werden. Die
Niederlande, Zürich, Hamburg und auch Kanada haben mit einer
kompensatorischen Mittelzuteilung gute Erfahrungen gemacht." Mit
einem solchen Sozialindex, der unter anderem Bildungsstand, Beruf und
Einkommen der Eltern umfasst, würde eine Schule um einen bestimmten
Prozentsatz x mehr an Ressourcen bekommen.
Mehr Geld bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie qualitativ besser
werden, gibt Schenk zu bedenken. "Deswegen muss jeder Standort ein
Konzept entwickeln, wie er die Ressourcen am sinnvollsten einsetzt.
Und nach einer Zeit wird überprüft ob die Maßnahmen helfen. Die
Vorteile sind: Schulische Autonomie und Demokratie wird gefördert und
Anreize für engagierte Pädagogen gesetzt. Das zahlt sich aus: Bessere
Leistungen, mehr Chancen und attraktivere Schulen."
Reform des Schulstartgelds, SchülerInnenbeihilfe und
Schulveranstaltungen
"Dringend reformbedürftig" sind die Geldleistungen, die SchülerInnen
aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen sollen, so die
Diakonie.
Da ist einmal das Schulstartgeld. Das ist in jedem Bundesland anders
geregelt, in drei Bundesländern gibt es gar keines: nicht in der
Steiermark, in Niederösterreich und nicht in Vorarlberg. Der Betrag
liegt zwischen 29 und 158 Euro, es gibt unterschiedlichste
Anspruchsvoraussetzungen (Einkommen, Schulstufe, Status),
unterschiedlichste Antragstellen und unterschiedlichste
Antragsfristen. Für all den Wirrwarr gibt es keine sachlichen Gründe.
Was fehlt, ist ein einheitliches Schulstartgeld für armutsbetroffene
Kinder bundesweit, klare Antragstellungen und klare
Anspruchsvoraussetzungen.
Auch die SchülerInnenbeihilfe ist dringend reformbedürftig. Die
Auszahlung sollte auch die 9.Schulstufe erfassen, gerade hier gibt es
hohe Kosten im Ausbildungsjahr - und die Ausbildungsentscheidung
steht an. Die Inanspruchnahme ist ein weiteres Problem.
Ähnliche Probleme gibt es bei den Finanzierungshilfen für
Schulveranstaltungen: Kein Rechtsanspruch, in der Regel überaus
niedrige Einkommensgrenzen, Hohe Non-take-up Rate
(Nichtinanspruchnahme), Sicherstellung der Information an potentiell
anspruchsberechtigte Eltern.
Für die Geldleistungen steht also 1. die Verbesserung des Zugangs und
der Inanspruchnahme an: Information, bürgerfreundlich und nicht
beschämend. 2. die Verfahrensqualität: "Good governance",
grundrechtsorientiert und bundeseinheitlich. Und 3. die Dotierung:
z.B. in einem Schulausgleichsfonds.
Aktion Schulanfang: Schulsachen für Kinder armer Eltern
Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht
leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto
eingerichtet. "Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen
und Möglichkeiten haben", so Claudia Röthy abschließend.
Aktion Schulanfang der Stadtdiakonie Wien.
Kt.Nr: 207477417, Raiffeisen BLZ 32 000
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