ORF III am Dokumontag: Schwerpunkt Musik und Gesellschaft: Traditionspflege, Erfolgsdruck und Sexuelle Revolution

Außerdem: Adrian Eröd bei den "Salzburger Festspielgesprächen" und "Wiener Vorlesungen: Generation Porno? Mainstream? Befreiung? Gefahr?"

Wien (OTS) - ORF III steht nach dem "Day of Rock" am Freitag auch am Dokumontag, dem 18. August 2014, ganz im Zeichen der Musik - wenn auch zunächst mit krassem Genrewechsel. Zünftig, bodenständig und herrlich witzig wird es, wenn die Jodler von Wiesenberg um 20.15 Uhr in "20 Bauern auf dem Weg zu Ruhm: There is no business like show business" versuchen, Tradition und Erfolg zu vereinen, und um 21.10 Uhr der norwegische Philosophiestudent Björn Thomren sich in "Jubeln, Jauchzen, Jodeln" auf die Suche nach dem perfekten Jodler macht. Wieder zurück in die Welt des Rocks geht es im Anschluss mit dem vom ORF kofinanzierten Doku-Zweiteiler "Sex & Musik". Wie die Revolution in der Musik mit der Sexuellen Revolution ab 1968 einherging, beleuchtet um 22.10 Uhr "Von der Pille zu Aids" (22.10 Uhr). "Herren und Diener" zeigt um 23.05 Uhr die feministische Antriebskraft und das emanzipatorische Potenzial, das im Rock (auch) steckt anhand der Geschichte der Girl Rock Camps. Prickelnd bleibt es danach auch bei den "Wiener Vorlesungen", wenn um 0.00 Uhr der Sozialhistoriker Franz Eder und die Kulturwissenschafterin Suleika Mundschitz mit Hubert Christian Ehalt über "Generation Porno? Mainstream? Befreiung? Gefahr?" diskutieren. Für die letzte Folge der "Salzburger Festspielgespräche" spricht Barbara Rett außerdem im Vorabend um 19.45 Uhr mit Bariton Adrian Eröd über dessen Rolle im "Rosenkavalier" als unsympathischer Herr von Faninal.

Die Sendungen im Detail:

"Salzburger Festspielgespräche": Adrian Eröd bei Barbara Rett (19.45 Uhr)

Bariton Adrian Eröd ist seit 2003 an der Wiener Staatsoper engagiert und zählt dort zu den absoluten Publikumslieblingen. Bei den Salzburger Festspielen ist er heuer im "Rosenkavalier" als Herr von Faninal unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst zu erleben. In dieser letzten Folge der "Salzburger Festspielgespräche" spricht Barbara Retr mit Adrian Eröd über das Privileg, mit den Wiener Philharmonikern musizieren zu dürfen, seine musikalische Familie als Rückhalt und den gar nicht so sympathischen Herrn von Faninal, den sich Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss ausgedacht haben.

Doku-Hauptabend im Zeichen des Musikbusiness: "20 Bauern auf dem Weg zu Ruhm: There is no business like show business" (20.15 Uhr), "Jubeln, Jauchzen, Jodeln" (21.10 Uhr) und Zweiteiler "Sex & Musik":
"Von der Pille zu Aids" (22.10 Uhr) und "Herren und Diener" (23.05 Uhr)

Musik zwischen Traditionspflege und Erfolgsgedanken erkundet die Dokumentation "20 Bauern auf dem Weg zu Ruhm: There is no business like show business". Die rechtschaffenen Jodler vom Wiesenberg und ihre bienenfleißige Dirigentin werden mit dem größtmöglichen Erfolg belohnt. Dies stellt die verschworene Gemeinschaft allerdings vor eine existenzielle Herausforderung: Verkaufen sie ihre Musik, ihre Seele oder gelingt es ihnen, im gleißenden Scheinwerferlicht des Showbusiness ihren Werten und Traditionen treu zu bleiben? Erfolg und verführerische Angebote werden zur Zerreißprobe.
Danach folgt die Doku "Jubeln, Jauchzen, Jodeln" dem norwegischen Philosophiestudenten und begeisterten Jodler Björn Thomren, kurz "Polkabjörn", auf seiner abenteuerlichen Entdeckungsreise in der Kunst des Jodelns. Björn ist Teil der Musikgruppe "Polkabjörn & Kleine Heine", die sowohl in kleinen Sälen norwegischer Fjorde als auch in großen Konzerthallen spielen. Auf seiner Suche nach dem "perfekten Jodler" begegnet der junge Musiker Jodel-Experten und Kollegen von den Färöer-Inseln, aus den USA und Deutschland - eine unterhaltsame und ungewöhnliche Reise durch die Kunst des Jodelns. Im Anschluss erkundet der Doku-Zweiteiler "Sex & Musik" die gemeinsame Entwicklung dieser zwei ganz grundlegenden menschlichen Bedürfnisse in den vergangenen 30 Jahren. Als die Pille erfunden wurde und Rockmusik die Charts eroberte, brechen auch fest gefügte gesellschaftliche Muster auf. Man feiert die Sexuelle Revolution. Inwiefern diese auch einen Ausdruck in der Musik fand, zeichnet die Dokumentation "Von der Pille zu Aids" nach. Zeitzeugen erzählen, welches Musikstück für ihre sexuelle Selbstfindung eine Schlüsselrolle gespielt hat. Ihre Songauswahl vermittelt nicht nur Einblick in persönliche Geschichten, sondern auch in große politische und gesellschaftliche Themen. Der amerikanische DJ und Produzent Arthur Baker, der Wissenschafter Jeffrey Escoffier, der sich mit der Entwicklungsgeschichte homo- und heterosexueller Paarbeziehungen befasst, und der Evolutionspsychologe Gordon Gallup, Professor an der Universität Albany im Bundesstaat New York, tragen ihre Ansichten bei.
Teil zwei der Dokumentation, "Herren und Diener", beleuchtet das Phänomen der Rock-Sommerlager für Mädchen und junge Frauen, der sogenannten Girls Rock Camps, die aus der feministischen Riot-Grrrl-Bewegung heraus entstanden. Das weibliche Selbstbewusstsein soll durch feministische Seminare, Musik- und Theaterunterricht gestärkt werden. Das erste Girls Rock Camp fand 2001 in Portland statt und hat sich seitdem auf weltweit mehr als 30 Orte ausgeweitet. Julie Benasra wirft in der Dokumentation einen Blick in die Vergangenheit und untersucht am Beispiel von verschiedenen Rocksängerinnen, wie sie das Bild der Frau neu definiert und Themen wie Emanzipation zum Gegenstand ihrer Musik gemacht haben. L7-Frontfrau Donita Sparks kommentiert diese musikalische und gesellschaftliche Revolution. Außerdem kommen Frauen vom Fach wie Vivien Goldman, Lehrbeauftragte für Punk-Kultur an der Universität New York, Sarah Dougher, Professorin für Genderstudies an der Universität Portland, und Andi Zeisler, Chefredakteurin der Zeitschrift "Bitch" aus Portland, zu Wort.

"Wiener Vorlesungen: Generation Porno? Mainstream? Befreiung? Gefahr?" (0.00 Uhr)

Porno boomt. Faktum ist, dass die Generation derer, die jetzt 20 Jahre alt sind, zu 99 Prozent mit pornografischen Inhalten sozialisiert wurde. Ihre Vorstellungen von Geschlechterrollen, Liebe, Erotik und Sex wurden durch Pornografie jedenfalls mitgeprägt. Im Internet werden pornografische Inhalte vermittelt und gehandelt, Pornografie wird professionell, zunehmend aber auch autonom und individuell produziert. Löst die Pornografie damit die Unterscheidung zwischen alltäglich und erotisch auf? Oder sind Tabus anthropologisch festgelegt und bleibt deren Verletzung durch die Pornografie damit eine unendliche Geschichte? Im Gespräch mit Hubert Christian Ehalt geben Sozialhistoriker Franz Eder und Kulturwissenschaftlerin Suleika Mundschitz Antworten.

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