• 05.08.2014, 19:30:32
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Thomas Seifert: "Sinnloser Krieg, sinnloser Sieg"

Ausgabe vom 6. August 2014

Utl.: Ausgabe vom 6. August 2014 =

Wien (OTS) - Der israelisch-palästinensische Konflikt ist zum
grausamen, blutigen und unmenschlichen Ritual erstarrt: Eine in
diesem Fall besonders scheußliche Provokation von Seiten
palästinensischer Gewalttäter - die Entführung und der kaltblütige
Mord an drei israelischen Jugendlichen - führt zu einem nicht minder
verabscheuungswürdigen Rachemord an einem palästinensischen
Jugendlichen durch drei junge israelische Extremisten. Die Hamas
beschießt israelische Siedlungen mit Raketen, Israel bombardiert am
3. Juli den Gazastreifen. Bisherige Bilanz des Blutvergießens: fast
2000 getötete Palästinenser, darunter 329 Kinder, 64 tote israelische
Soldaten, 3 tote Zivilisten.

Nun gibt es einen Waffenstillstand, bald werden beide Seiten - die
Hamas und Israel - ihren Sieg proklamieren. Ein sinnloser Sieg. Denn
beide Seiten glauben, zum status quo ante zurückkehren zu können. Hat
der israelische Premier Benjamin Netanyahu sein Ziel erreicht, die
Hamas in Gaza auszuschalten und die Raketen-Gefahr für die
israelische Bevölkerung zu minimieren? Nein. Und haben die
Hamas-Chefs Ismail Haniyeh und Chalid Maschal erreicht, die Blockade
des Gazastreifens durch Ägypten und Israel, die das Land in ein
Freiluftgefängnis verwandelt, zu brechen? Ebenfalls nein. Warum auch
sollten die Israelis die Grenzen für Menschen und Güter öffnen,
solange sie fürchten müssen, von Gaza aus beschossen zu werden?

Das Problem: Die Hamas will keinen Frieden, denn Krieg und Hass ist
das Lebenselixier der Extremisten. Die Hamas-Kämpfer wissen: Für den
Frieden braucht es kompetente Verwalter und kreative Macher, keine
gewaltbesessenen Krieger. Netanyahu wiederum hat in seiner Amtszeit
alles getan, um das bisschen Friedensprozess, das noch übrig war, zu
torpedieren. Er beschleunigte den Ausbau der illegalen Siedlungen auf
palästinensischem Land, hat die Vermittlungsbemühungen von
US-Außenminister John Kerry hintertrieben und die Autorität des
moderaten Palästinenserführers Mahmoud Abbas untergraben - alles, um
die Entstehung eines Palästinenserstaates zu verhindern.

Dabei gibt es nur einen Weg: Und der läuft über Verhandlungen
zwischen beiden Seiten über die Zukunft eines Palästinenserstaats und
die Anerkennung des Existenzrechts Israels sowie Sicherheitsgarantien
durch die Palästinenser. Sonst gibt es auch im nächsten sinnlosen
Krieg keine Gewinner, sondern nur Verlierer.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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