- 04.08.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Bitcoins - der Sicherheit wegen" - von Herbert Geyer
Bitcoins mehr zu vertrauen als der eigenen Währung, ist bedenklich
Utl.: Bitcoins mehr zu vertrauen als der eigenen Währung, ist
bedenklich =
Wien (OTS) - Es ist kein Zufall, dass die Idee für Bitcoin
ausgerechnet Ende 2008 entstand, als nach dem Zusammenbruch der
Lehman Brothers die Zentralbanken weltweit versuchten, durch billiges
Geld die Krise einzudämmen. Während rund um den Globus Dollar, Euro
und Yen zu Milliarden neu generiert wurden, lag es nahe, eine
Weltwährung zu schaffen, die - wie Gold - von Staaten und
Zentralbanken unabhängig und vor allem nicht beliebig vermehrbar sein
sollte.
Während der Zypern-Krise im Frühjahr 2013 schien sich die neue
Währung auch zu bewähren: Wie Gold legte sie binnen weniger Wochen
auf ein Vielfaches ihres vorherigen Werts zu.
Allerdings ging es danach auch ebenso schnell wieder bergab, als sich
die Sorgen über einen möglichen Zusammenbruch des Euro wieder
verflüchtigten. Seither strebte die Internetwährung zu immer neuen
Hochs und erlebte zwischendurch fast ebenso tiefe Abstürze: Ein Gut,
das weltweit frei gehandelt werden kann und binnen weniger Monate
seinen Wert vervielfacht, zieht Spekulanten ebenso an wie simple
Betrüger.
Seit einem Jahr ist die Geschichte der Bitcoins eine Geschichte von
Spekulationsgewinnen und -verlusten sowie von Diebstahl, Betrug und
Geldwäsche. Als Währung, die den bestehenden Geldsystemen den Vorteil
von Stabilität voraus hat und daher nur mit Gold zu vergleichen ist,
haben die Bitcoins jedenfalls ausgespielt: Ein Geld, dessen
Tauschwert zwischen Geschäftsabschluss und tatsächlicher Überweisung
um zweistellige Prozentwerte nach oben oder unten schwanken kann, ist
für den Handel ungeeignet - und zum Sparen schon gar.
Standen die Staaten dem neuen Phänomen anfangs noch eher neutral
gegenüber, so haben angesichts dieser Vorkommnisse immer mehr
begonnen, Restriktionen für Verwendung, Übertragung und Handel mit
der Internetwährung zu verfügen, die sich durch ihr Handling jenseits
der Banken eben diesen Kontrollen zu entziehen versucht.
Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Bitcoin-Hype in Rumänien
(siehe Bericht Seite 7) ein nicht sehr ermutigendes Zeichen.
Und dass Menschen, denen es an Vertrauen in die eigene Währung fehlt,
dieses Vertrauen ausgerechnet in Bitcoins setzen, diesen Spielball
internationaler Spekulanten und Defraudanten, ist bedenklich.
Aber es ist eben ein Zeichen für die allgemeine Verunsicherung über
unser Geld- und Wirtschaftssystem. Und an dieser wird sich leider so
bald nichts ändern.
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