- 30.07.2014, 10:33:59
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ÖDG fordert flächendeckende mobile Betreuung für Kinder mit Diabetes
Wien (OTS) - Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 300 Kinder unter
15 Jahren an Diabetes mellitus Typ 1 (DMT1), immer mehr Kinder sind
bei der Diagnose sogar unter 5 Jahre alt! Insgesamt sind geschätzte
4.000 österreichische Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an DMT1
erkrankt. Die Diagnose ist für die Familien immer ein Schock, nicht
wenige sind damit überfordert und brauchen Unterstützung. Die ganze
Familie wird vor eine große Herausforderung gestellt, schließlich
müssen frisch diagnostizierte Kinder und ihre Familien den Umgang mit
der Erkrankung und die korrekte Anwendung von Messgeräten und
Spritzen erst erlernen. Vor allem jüngere Kinder brauchen die Hilfe
ihrer Eltern und ihrer extra geschulten PädagogInnen beim
Blutzuckermessen, beim Insulinspritzen, beim BE (Broteinheiten)
berechnen etc.
Nach der Diagnose erfolgt daher eine Ersteinschulung, sie dauert
sieben bis 14 Tage und findet im Krankenhaus statt. Viele Familien
brauchen danach zumindest übergangsweise Unterstützung von mobilen
Kinderkrankenschwestern und/oder DiabetesberaterInnen, um den Alltag
meistern zu können und wieder ein normales Leben führen zu können.
Diese Unterstützung ist besonders wichtig, damit Kinder mit Diabetes
die altersentsprechenden und kindgerechten Herausforderungen ihres
Alltags bewältigen können. Dazu zählt der uneingeschränkte Besuch der
Spielgruppe und des Kindergartens, ebenso die Teilnahme an
Sportvereinen und Sportveranstaltungen. Besonders der Beginn oder die
Rückkehr in den Kindergarten oder die Schule stellt für Eltern und
BetreuerInnen eine große Herausforderung und Verantwortung dar. Es
ist unerlässlich, PädagogInnen diabetologisch zu schulen, um das
Diabetesmanagement für die Zeit der Fremdbetreuung ordnungsgemäß
durchzuführen zu können und eine Sicherheit in der Diabetestherapie
für die betroffenen Kinder zu gewährleisten. Ziel ist es, Kinder mit
Diabetes nicht vom normalen kindlichen Alltag auszuschließen und
Fehlzeiten in Kindergarten und Schule kurz zu halten.
Betreuungskonzepte für mobile Kinderkrankenpflege in ganz
Österreich nötig
Eine derartige mobile Beratung für Kinder mit Diabetes ist in
manchen Bundesländern - Wien, Salzburg und Tirol - bereits sehr gut
umgesetzt, jedoch leider noch nicht flächendeckend in ganz
Österreich. Auch die Finanzierung ist nur teilweise gedeckt. Die
Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) fordert daher die
Umsetzung von Betreuungskonzepten über eine mobile
Kinderkrankenpflege für ganz Österreich: "Der Bedarf, auch zu Hause
im familiären Umfeld beim Umgang mit der Diagnose und Therapie
Unterstützung zu erhalten, steigt stetig. Wir brauchen daher eine
flächendeckende Umsetzung mobiler Betreuung, damit den betroffenen
Familien im Bedarfsfall rasch und unbürokratisch geholfen werden
kann", fordert Ao. Univ.-Prof. in Dr.in Birgit Rami-Merhar, MBA,
Leiterin der Diabetesambulanz an der Univ. Klinik für Kinder- und
Jugendheilkunde Wien und Vorstandsmitglied der ÖDG. Mobile Beratung
unterstützt nicht nur die Familien in ihrem häuslichen Umfeld,
sondern kann auch helfen, die Rate der stationären Aufnahmen bei
Kindern mit DMT1 zu senken, zusätzlich werden Ängste bei den
betroffenen PädagogInnen abgebaut.
MOKI-Wien unterstützt Wiener Familien
Wien, Salzburg und Innsbruck sind die Vorreiter in Sachen mobiler
Kinderkrankenpflege. In Wien entlastet der Verein MOKI-Wien Familien
im Umgang mit Diabetes. Kinder und Jugendliche mit DMT1 werden 28
Tage nach der Erstmanifestation zu Hause betreut. Jeden Monat werden
im Schnitt zwei neue Kinder dem Verein zugewiesen. Für die Familien
ist diese Unterstützung im Rahmen der medizinischen Hauskrankenpflege
mit einem Verordnungsschein kostenlos. In der
Langzeithauskrankenpflege fällt ein Selbstbehalt von 7,88 Euro pro
Stunde an, wenn das Kind Pflegegeld bekommt. Da dies aber meist nicht
der Fall ist, fällt aufgrund einer Förderung durch den Fonds Soziales
Wien dieser Selbstbehalt weg. Die MOKI-MitarbeiterInnen wiederholen
u.a. mit den Kindern das im Krankenhaus Geschulte und Gelernte,
kümmern sich um die korrekte Insulingabe, unterstützen den
Kindergarten- und Schulbesuch und bieten Informations- und
Aufklärungsgespräche in der Schule an.
Zusätzlich gibt es in Wien die Möglichkeit, die mobile Beratung
der ÖDV-Wien einzuschalten. Diese Option wird finanziell aber nicht
unterstützt und die Fortführung dieser Beratung ist noch ungewiss, da
die einzige Diabetesberaterin, die diese Beratungen macht - Frau Elsa
Perneczky - in naher Zukunft in Pension gehen wird.
Diabetes-Nannys arbeiten in Salzburg und Innsbruck
In Salzburg und Innsbruck gibt es seit 2011 bzw. 2012 das Konzept
der Diabetes-Nannys - diese kümmern sich ausschließlich um Kinder mit
Diabetes. Dieses Projekt wird von der Österreichischen
Diabetikervereinigung ÖDV angeboten und wurde von der pensionierten
Krankenschwester und Diabetesberaterin Ulli Humpel gegründet. Neu
erkrankte Kinder und ihre Familien werden schon im Spital kontaktiert
und nach der Entlassung weitere vier Wochen zu Hause betreut, bei
Bedarf auch länger. Das Projekt wird in Salzburg von der GKK für die
Hausbesuche bei GKK-Versicherten unterstützt, die Kosten der Beratung
in Einrichtungen oder Angehörige anderer Versicherungsträger werden
von der ÖDV getragen.
In Tirol gibt es seit heuer für GKK-Versicherte eine finanzielle
Unterstützung für zwei Besuche pro Kind, die restlichen Kosten werden
von der ÖDV getragen. Die Diabetes-Nannys gehen auch in die
Kindergärten, Schulen und Horte der Kinder, um die PädagogInnen dort
im Umgang mit den Kindern zu informieren und in Blutzuckermessung,
Insulinberechnung und Ernährungsfragen zu schulen. Auch die
Klassenkollegen der kleinen Patienten werden über die Erkrankung
aufgeklärt oder es wird auch schon mal ein Kind bei Kindergarten-
oder Schulausflügen begleitet. Insgesamt sind derzeit drei
Diabetes-Nannys in Salzburg und Tirol unterwegs. Dazu Ass.-Prof. PD
Dr. Sabine Hofer, leitende Fachärztin für Kinder und Jugendheilkunde
sowie pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der
Medizinischen Universität Innsbruck: "Der Einsatz der Diabetes-Nannys
flächendeckend in Tirol unter enger Zusammenarbeit mit der
Diabetesambulanz der Kinderklinik Innsbruck erleichtert es vielen
Eltern, ihr Kind mit Diabetes einer fremden Betreuungsperson in
Kindergarten oder Schule anzuvertrauen. Durch die fundierte
Diabetesschulung der betreuenden PädagogInnen werden Unsicherheiten
und Ängste im Umgang mit Kindern mit Diabetes abgebaut und deren
Integration in den Schulalltag problemloser. Auch die Teilnahme an
Schulausflügen, Sporttagen und Wintersportwochen ist aufgrund der
geschulten Betreuungspersonen viel häufiger möglich."
Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die
ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-Experten und Diabetes-Expertinnen. Ordentliche Mitglieder
der Gesellschaft sind Ärzte und Ärztinnen und wissenschaftlich
einschlägig orientierte Akademiker und Akademikerinnen. Assoziierte
Mitglieder sind Diabetesberater und Diabetesberaterinnen und
Diaetologen und Diaetologinnen. Die Österreichische Diabetes
Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und
Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie
setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert
und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit
Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet
wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden
Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als
auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.
Die Presseinformation und Fotos finden Sie auch unter:
http://www.publichealth.at/p-77060.html
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