- 28.07.2014, 17:46:13
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Wien + NÖ = 1"
Ausgabe vom 29.7.14
Utl.: Ausgabe vom 29.7.14 =
Wien (OTS) - Wer ist ein Politiker mit G'spür? Richtig, Erwin Pröll.
Dass sich der Landeshauptmann persönlich um eine Betriebsübersiedlung
mit rund 80 Mitarbeitern bemüht, liegt am Namen: Die (Identität
stiftenden) Schwedenbomben lagern die Produktion vom 3. Bezirk in
Wien nach Niederösterreich aus, ins Industriezentrum Wiener Neudorf.
Dortige Politiker feiern dies als großen Sieg der (fleißigen) ÖVP
gegen die (faule) SPÖ. In Wahrheit hat es viel mit der Logistik im
Industriezentrum (wie Rewe Austria) und wenig mit Politik zu tun. Es
stellt sich eine andere Frage: Wie gerecht ist der Steuerkuchen -
gemessen am Bundesländer-Föderalismus - verteilt? Wien wird, seit
2000 gerechnet, bis 2030 um 400.000 Einwohner wachsen, also etwa um
die Größe von Graz und Salzburg, flächenmäßig aber gleich bleiben.
Das urbane Konglomerat ist natürlich für viele Unternehmen
interessant. Mehr Menschen bedeuten mehr Geschäft. Wien (und der
Bund) bauen also Öffis aus, zusätzliche Schulen, Infrastruktur in
jeglichem Sinn.
Hauptprofiteur der metropolen Entwicklung ist Niederösterreich. Der
Flughafen Wien liegt in Niederösterreich und ist mit 19.000
Beschäftigten der größte Arbeitgeber Niederösterreichs - inklusive
Steuern und Abgaben. Niederösterreich braucht keinen Flughafen dieser
Größe. Die SCS liegt in Niederösterreich, beschäftigt mehr als 4500
Mitarbeiter - Vösendorf versinkt in Geld. Mödling und Perchtoldsdorf
sind sehr reiche Gemeinde, weil dort viele Manager in Villen leben,
die nur wegen Wien einen Job haben. Großenzersdorf widmet im Akkord
Agrar- in Bauflächen um; in Bruck an der Leitha entsteht ein
Riesen-Casino; die Gemeinden rundherum leben von Flughafen- und
OMV-Mitarbeitern.
Wien sichert Niederösterreichs Wohlstand, ohne adäquat davon zu
profitieren, weil es die Landesgrenzen gibt. Wohlgemerkt: Das hat
nichts mit Parteipolitik zu tun, die politischen Sticheleien zwischen
SPÖ und ÖVP werden nehmen (gottlob) immer weniger ernstgenommen.
In der Sache allerdings wäre eine Fusion von Wien und
Niederösterreich der Entwicklung Ostösterreichs zuträglich. Seit 1922
besteht die Trennung, als (politische) Folge des Ersten Weltkriegs,
davor waren beide eine Verwaltungseinheit. 2014 wäre ein guter
Zeitpunkt, die mittlerweile sündteure Sinnlosigkeit infrage zu
stellen. Egal, wer die dann gemeinsamen Landtagswahlen gewinnen
würde.
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