Qualität statt Quantität im ärztlichen Turnus für Allgemeinmedizin gefordert

NÖ Ärztekammer: Die unterschiedliche Ausbildungsqualität ist mitverantwortlich für den Turnusärztemangel

Wien (OTS) - "Dass sich zwischenzeitlich die Spitäler beim Kampf um Turnusärztinnen und -ärzte sehr einfallsreich zeigen macht klar, dass das Problem des schwindenden Ärztenachwuchses zumindest erkannt wurde", so Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Wir machen ja seit Jahren darauf aufmerksam, aber diesem Anliegen wurde bisher nie mit dem notwendigen Ernst begegnet." Die Ursache des Problems scheint den verantwortlichen Politikern jedoch nicht klar zu sein. "Günstige Wohnungen, Fahrtpauschalen und sonstige Zuckerl klingen zwar reizvoll, eine der Ursachen des Turnusärztemangels liegt jedoch eindeutig in der unterschiedlichen und teilweise schlechten Qualität der Ausbildung. Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin beziehungsweise zum Allgemeinmediziner werden leider noch allzu oft als billige Hilfsarbeiter mit nichtärztlichen Tätigkeiten missbraucht, anstatt ordentlich ausgebildet zu werden."

Die Funktionäre der NÖ Ärztekammer haben dieses Problem bereits seit langem erkannt und versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegenzusteuern, wie zuletzt mit der Initiative "Qualität statt Quantität", um eine Verlängerung der Turnusausbildung zu verhindern. "Derzeit dauert der Turnus in der Allgemeinmedizin drei Jahre, einen Teil dieser Ausbildung in einer Lehrpraxis zu absolvieren ist derzeit möglich, aber nicht verpflichtend. Die Ziele der NÖ Ärztekammer lauten jedenfalls Qualitätsverbesserung und Strukturverbesserung, aber keinesfalls ausschließlich Verlängerung der Ausbildungszeit", so Präsident Dr. Reisner weiter. Daher ist es aus seiner Sicht begrüßenswert, dass sich die Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer als höchstes Entscheidungsgremium der österreichischen Ärzteschaft mit diesem wichtigen Thema befasst hat. In einem einstimmigen Beschluss wurde die Verlängerung der Turnusausbildung in der Sommervollversammlung in Loipersdorf abgelehnt. Diese Beschlusslage entspricht exakt dem Wunsch einer beeindruckenden Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung. "Wir wissen aus einer repräsentativen Umfrage mehrerer Ärztekammern, dass es aus Sicht der Betroffenen viel wichtiger wäre, die Qualität der Ausbildung innerhalb dieser drei Jahre zu optimieren anstatt einfach nur die Ausbildungszeit zu verlängern. Qualität statt Quantität im Sinne einer hochwertigen Ausbildung zur Sicherung der medizinischen Versorgung in der Zukunft ist das Gebot der Stunde. Wenn wir das schaffen, dann können wir die freien Turnusplätze wieder mit hochmotivierten, lernwilligen Ärztinnen und Ärzten besetzen."

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