• 24.07.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "99 Luftballons" von Hans-Jörg Bruckberger

Die Welt ist weder Scheibe noch Kugel, sondern, wie es scheint, eine Blase

Utl.: Die Welt ist weder Scheibe noch Kugel, sondern, wie es
scheint, eine Blase =

Wien (OTS) - Achtung, bei Wiener Immobilien sind die Preise
überzogen, es hat sich eine Blase gebildet. Internationale Aktien?
Jenseits von Gut und Böse. Anleihen? Eine einzige Blase. In den USA
floriert angeblich sogar wieder das Geschäft mit minderwertigen
Krediten. Die nächste Blase. US-Banken? Aufgeblasen. Blase ist schon
jetzt das (Un-)Wort des Jahres.

Hedgefondsmanager, Notenbanker, Börsegurus, selbst ernannte Experten
und Kommentatoren - alle warnen vor Spekulationsblasen. Für Medien
eine dankbare, spektakuläre Geschichte. Experten wiederum sind auf
der sicheren Seite. Selbst wenn man zehnmal danebengelegen und
hunderte Prozent Rendite verpasst hat: Wer beim elften Mal
zeitgerecht warnt, erntet Ruhm, um ein Leben lang davon zu zehren.

Die Wahrheit ist: Gut getimte Crash-Prognosen sind schwierig. Denn in
der Zeit davor kann man noch viel Geld verdienen, das die ewigen
Pessimisten liegen lassen. Doch was ist überhaupt eine Blase? Laut
Definition ist es eine Marktsituation, in der Preise von Gütern oder
Vermögensgegenständen bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert
liegen.

Über Bewertungen kann man freilich streiten. Ist ein Premiumauto, nur
weil es mehr kostet als ein Konkurrenzprodukt, überteuert? Der Wagen
ist ja auch edler und wertbeständiger. Genauso ist bei Aktien ein
hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) allein noch kein Beweis für eine
Blase.

Facebook ist scheinbar überteuert an die Börse gekommen und hat kaum
Geld verdient (S. 11). Prompt sprachen viele von einer - richtig -
Blase. Inzwischen zeigt sich aber, dass der Konzern ins Geldverdienen
kommt.

Die zweite Voraussetzung für Blasen sind hohe Umsätze. Kritisch wird
es, wenn die breite Masse Aktien kauft. Wenn hohe KGV und eine
florierende Weltwirtschaft als Selbstverständlichkeit betrachtet
werden. Und sich dubiose Geschäftsmodelle häufen. Das war vor den
Crashs 2000 und 2008 der Fall. Da standen Blasenwarner aber nicht
hinter jeder Ecke und waren nicht selten selbst investiert. Heute
stehen sie an der Seitenlinie und schauen den Kursen nach. Gut so.

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