Lopatka zum 25. Juli 1934 - Persönlichkeit von Engelbert Dollfuß verdient differenzierte Betrachtung

Zusatztafeln unter den historischen Bildern im Parlamentsklub sollen sowohl Licht- als auch Schattenseiten beleuchten

Wien (OTS/ÖVP-PK) - ÖVP-Klubobmann Dr. Reinhold Lopatka plädiert anlässlich des 80. Todestages des ehemaligen christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß für eine differenzierte Betrachtung seiner Persönlichkeit:

Positiv anzurechnen sei Dollfuß, dass er an dieses Österreich zu einem Zeitpunkt glaubte, als viele den Glauben schon aufgegeben hatten. Er erweckte 1933 und 1934 den österreichischen Selbstbehauptungswillen gegenüber dem nationalsozialistischen Terror. Dem Nationalsozialismus galt Dollfuß als explizites Feindbild. Bereits am 3. Oktober 1933 war er bei einem Schussattentat im Parlament verletzt worden. Er bezahlte den Widerstand gegen den Nationalsozialismus schließlich mit seinem Leben. Im Zuge des NS-Putschversuchs vom 25. Juli 1934, also genau vor 80 Jahren, wurde er von nationalsozialistischen Attentätern im Bundeskanzleramt erschossen. Nach der Niederschlagung des Schutzbundaufstandes vom 12. Februar 1934, der standrechtlichen Hinrichtung mehrerer Schutzbundfunktionäre und dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei erfolgte mit 1. Mai 1934 die Inkraftsetzung einer neuen autoritären (und undemokratischen) Verfassung.

Für Lopatka gibt es aber auch die dunkle Seite des Engelbert Dollfuß zu beleuchten. "Die Aufhebung der Verfassung und des Parlaments hat er auch zu verantworten. Nach dem Rücktritt der drei Präsidenten des Nationalrats am 4. März 1933 schlug Bundeskanzler Dollfuß im Einvernehmen mit den Spitzen der Christlichsozialen Partei einen autoritären Kurs ein und regierte ohne Nationalrat mit Hilfe kriegswirtschaftlicher Notverordnungen. Die Parteien wurden schrittweise aus dem politischen Leben verdrängt; unter Bruch der Verfassung wurde der Verfassungsgerichtshof ausgeschaltet."

Anlässlich des Gedenktages spricht Lopatka vor allem das viel zitierte Dollfuß-Bild im Parlamentsklub an: "Dieses Bild ist Teil eines historischen Ensembles von Bildern. Als man diese bei der Etablierung des Klubs Ende der 40er-Jahre anschaffte, hat man diese Auswahl getroffen. Drei der Köpfe repräsentierten die damals existierenden drei Bünde: Leopold Kunschak, Leopold Figl und Julius Raab. Dazu kommen andere wichtige Exponenten der Christlichsozialen wie Jodok Fink, Ignaz Seipel und Parteigründer Karl Lueger." Um eine differenzierte Sichtweise auf die Geschichte zu ermöglichen, werden nun über den Sommer Zusatztafeln unter den Bildern angebracht, die die Arbeit der dargestellten Politiker beleuchten soll. Für den Inhalt der Tafeln, die jeweils auf ca. einer A4-Seite die Facetten des Wirkens der Politiker darstellen soll, zeichnet Mag. Dr. Helmut Wohnout verantwortlich, der Dozent für Neuere österreichische Geschichte an der Universität Graz ist.

Der Inhalt der Zusatztafel zu Engelbert Dollfuß wird aus aktuellem Anlass hier angehängt:

-Engelbert Dollfuß-

"Engelbert Dollfuß wurde 1892 im niederösterreichischen Texing geboren. Er studierte, unterbrochen von seinem Kriegsdienst während des Ersten Weltkriegs, an der Wiener Universität Jus und trat 1922 in die Niederösterreichische Landes-Landwirtschaftskammer ein, deren Kammeramtsdirektor er 1927 wurde. Im März 1931 wurde er unter Bundeskanzler Otto Ender als Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft in die Bundesregierung berufen. Nach dem Zerbrechen der Regierung Buresch in Folge der erdrutschartigen Gewinne der Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen im April 1932 wurde er mit der Bildung der Bundesregierung beauftragt. Mangels der Bereitschaft anderer Parteien in das Kabinett einzutreten, bildete er eine Koalition aus Christlichsozialen, Landbund und der Heimwehrfraktion, wobei die parlamentarische Mehrheit dieser Koalition von Beginn an unsicher schien. Gegen den erbitterten Widerstand der Opposition gelang im Sommer 1932 die parlamentarische Beschlussfassung der Lausanner Völkerbundanleihe. Ab diesem Zeitpunkt sollten sich die weltanschaulichen Gräben weiter vertiefen.

Nach dem Rücktritt der drei Präsidenten des Nationalrats vom 4. März 1933 schlug Dollfuß im Einvernehmen mit den Spitzen der Christlichsozialen Partei den autoritären Kurs ein und regierte ohne Nationalrat mit Hilfe der kriegswirtschaftlicher Notverordnungen. Die Parteien wurden schrittweise aus dem politischen Leben verdrängt; unter Bruch der Verfassung wurde der Verfassungsgerichtshof ausgeschaltet. Nach der Niederschlagung des Schutzbundaufstandes vom 12. Februar 1934, der standrechtlichen Hinrichtung mehrerer Schutzbundfunktionäre und dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei erfolgte mit 1. Mai 1934 die Inkraftsetzung einer neuen autoritären (und undemokratischen) Verfassung.

Zugleich erweckte Dollfuß den österreichischen Selbstbehauptungswillen gegenüber dem nationalsozialistischen Terror, der insbesondere nach dem Machtantritt Hitlers als Deutscher Reichskanzler immer aggressiver auf eine nationalsozialistische Regierungsbeteiligung und in weiterer Folge auf eine nationalsozialistische Machtübernahme abzielte. Dem Nationalsozialismus galt Dollfuß als explizites Feindbild. Bereits am 3. Oktober 1933 war er bei einem Schussattentat im Parlament verletzt worden. Im Zuge des NS-Putschversuchs vom 25. Juli 1934 wurde er von nationalsozialistischen Attentätern im Bundeskanzleramt erschossen."

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