Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 - Die Zukunft der österreichischen Spitäler (1)

Wien (OTS) - In einem intensiven Arbeitsprozess hat sich die Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) mit der Zukunft der Spitalsärzteschaft auseinandergesetzt. Das Konzept legt den Schwerpunkt auf neue Organisations- und Kooperationsstrukturen, die sowohl Patienten als auch Ärzten Vorteile bringen und die regionale Versorgung langfristig sichern sollen. Zusätzlich wurden Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erarbeitet. Am Mittwoch wurde das Konzept im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Ausgangssituation

"Das von uns entwickelte Modell soll dazu beitragen, bestehende Mängel zu beheben", erklärte Kurienobmann und ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer den Hintergrund. Zahlreiche Fehlentwicklungen im stationären Sektor würden sich langfristig auf die Versorgungsqualität auswirken, aber auch die Ärzteschaft zunehmend belasten. Der Umstand, dass unattraktive Arbeitsbedingungen immer mehr junge Ärztinnen und Ärzte ins Ausland trieben, sei ein Warnsignal, das man ernst nehmen müsse, betonte Mayer. Das Konzept "Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025" soll die bestehenden Problemfelder wie überlaufene Ambulanzen, enorme Arbeitsbelastung, Turnus, Feminisierung der Medizin oder mangelnde Work-Life-Balance nicht nur in Angriff nehmen, sondern beheben. Mayer: "Wir wollen konstruktive Vorschläge anbieten. Wir haben gemeinsam brauchbare Ideen erarbeitet, die sich mit etwas gutem Willen durchaus umsetzen ließen."

Die Lösungsansätze

Zentral ist eine Neuregelung des Zugangs zum Spital, die einerseits die Ambulanzen entlasten und andererseits die Patientenströme besser koordinieren soll. Demnach sollen Patientinnen und Patienten nur noch mit Zuweisung ins Spital kommen. "Wir stellen uns das so vor:
Zuweisungen werden nur noch von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen - Allgemeinmedizin wie Fachärzteschaft - vorgenommen. Zusätzlich soll das ärztliche Personal in Pflegeheimen zuweisen können, ebenso die ärztlichen Gruppenpraxen bzw. Ordinationszentren", erläuterte Mayer. Über die Rettung sei außerdem eine Notfalleinweisung möglich. Der derzeit gängigen Selbstzuweisung durch die Patientinnen und Patienten werde mit diesem System ein Riegel vorgeschoben. Mayer: "Die Maßnahme entlastet die Ambulanzen und sorgt für mehr Struktur."

Auch das Leistungsangebot in den Regionen soll dem Konzept zufolge neu strukturiert werden:

  • Einzelordination
  • Ärztliche Gruppenpraxis bzw. Ordinationszentrum mit fixen Öffnungszeiten und 24-Stunden-Rufbereitschaft
  • Stationäre Betteneinheiten mit ambulanter fachärztlicher Betreuung
  • Regional-Krankenhaus mit 24-Stunden-Teilbesetzung und Rufbereitschaft
  • Leit-Krankenhaus mit 24-Stunden-Vollbesetzung

"Diese Einheiten speisen sich mit Ausnahme der Einzelordination aus einem Fachärztinnen/-ärzte-Pool, der für die gesamte Region zuständig ist. Die Mitglieder dieses Pools werden folglich auch pendeln müssen", führte Mayer aus. Zusammensetzen solle sich dieser Pool sowohl aus niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie aus Spitalsärztinnen und -ärzten.

Zu hinterfragen sei auch die Definition des Begriffs "Region", erklärte der Kurienobmann weiter. "Wir sind der Meinung, dass eine Region nicht notwendigerweise bei der Bundesländergrenze endet", so Mayer. Der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) sehe derzeit 32 Versorgungsregionen vor, ohne dass dabei die Ländergrenzen überschritten würden, obwohl das mitunter durchaus sinnvoll sein könne.

Neu regeln würde die Bundeskurie außerdem die Führungsfrage: Die Leitungsposition soll demnach nur ein Arzt oder eine Ärztin übernehmen können. Die kollegiale Führung, bestehend aus ärztlichem Direktor, Verwaltungsdirektor und der Leitung des Pflegedienstes, würde damit der Vergangenheit angehören. (slv) (Forts.)

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