- 23.07.2014, 11:34:48
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Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 - Die Zukunft der österreichischen Spitäler (1)
Wien (OTS) - In einem intensiven Arbeitsprozess hat sich die
Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer
(ÖÄK) mit der Zukunft der Spitalsärzteschaft auseinandergesetzt. Das
Konzept legt den Schwerpunkt auf neue Organisations- und
Kooperationsstrukturen, die sowohl Patienten als auch Ärzten Vorteile
bringen und die regionale Versorgung langfristig sichern sollen.
Zusätzlich wurden Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
erarbeitet. Am Mittwoch wurde das Konzept im Rahmen einer
Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Ausgangssituation
"Das von uns entwickelte Modell soll dazu beitragen, bestehende
Mängel zu beheben", erklärte Kurienobmann und ÖÄK-Vizepräsident
Harald Mayer den Hintergrund. Zahlreiche Fehlentwicklungen im
stationären Sektor würden sich langfristig auf die
Versorgungsqualität auswirken, aber auch die Ärzteschaft zunehmend
belasten. Der Umstand, dass unattraktive Arbeitsbedingungen immer
mehr junge Ärztinnen und Ärzte ins Ausland trieben, sei ein
Warnsignal, das man ernst nehmen müsse, betonte Mayer. Das Konzept
"Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025" soll die bestehenden Problemfelder
wie überlaufene Ambulanzen, enorme Arbeitsbelastung, Turnus,
Feminisierung der Medizin oder mangelnde Work-Life-Balance nicht nur
in Angriff nehmen, sondern beheben. Mayer: "Wir wollen konstruktive
Vorschläge anbieten. Wir haben gemeinsam brauchbare Ideen erarbeitet,
die sich mit etwas gutem Willen durchaus umsetzen ließen."
Die Lösungsansätze
Zentral ist eine Neuregelung des Zugangs zum Spital, die einerseits
die Ambulanzen entlasten und andererseits die Patientenströme besser
koordinieren soll. Demnach sollen Patientinnen und Patienten nur noch
mit Zuweisung ins Spital kommen. "Wir stellen uns das so vor:
Zuweisungen werden nur noch von den niedergelassenen Kolleginnen und
Kollegen - Allgemeinmedizin wie Fachärzteschaft - vorgenommen.
Zusätzlich soll das ärztliche Personal in Pflegeheimen zuweisen
können, ebenso die ärztlichen Gruppenpraxen bzw. Ordinationszentren",
erläuterte Mayer. Über die Rettung sei außerdem eine
Notfalleinweisung möglich. Der derzeit gängigen Selbstzuweisung durch
die Patientinnen und Patienten werde mit diesem System ein Riegel
vorgeschoben. Mayer: "Die Maßnahme entlastet die Ambulanzen und sorgt
für mehr Struktur."
Auch das Leistungsangebot in den Regionen soll dem Konzept zufolge
neu strukturiert werden:
- Einzelordination
- Ärztliche Gruppenpraxis bzw. Ordinationszentrum mit fixen
Öffnungszeiten und 24-Stunden-Rufbereitschaft
- Stationäre Betteneinheiten mit ambulanter fachärztlicher Betreuung
- Regional-Krankenhaus mit 24-Stunden-Teilbesetzung und
Rufbereitschaft
- Leit-Krankenhaus mit 24-Stunden-Vollbesetzung
"Diese Einheiten speisen sich mit Ausnahme der Einzelordination aus
einem Fachärztinnen/-ärzte-Pool, der für die gesamte Region zuständig
ist. Die Mitglieder dieses Pools werden folglich auch pendeln
müssen", führte Mayer aus. Zusammensetzen solle sich dieser Pool
sowohl aus niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie aus
Spitalsärztinnen und -ärzten.
Zu hinterfragen sei auch die Definition des Begriffs "Region",
erklärte der Kurienobmann weiter. "Wir sind der Meinung, dass eine
Region nicht notwendigerweise bei der Bundesländergrenze endet", so
Mayer. Der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) sehe derzeit
32 Versorgungsregionen vor, ohne dass dabei die Ländergrenzen
überschritten würden, obwohl das mitunter durchaus sinnvoll sein
könne.
Neu regeln würde die Bundeskurie außerdem die Führungsfrage: Die
Leitungsposition soll demnach nur ein Arzt oder eine Ärztin
übernehmen können. Die kollegiale Führung, bestehend aus ärztlichem
Direktor, Verwaltungsdirektor und der Leitung des Pflegedienstes,
würde damit der Vergangenheit angehören. (slv) (Forts.)
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