- 17.07.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Das Imperium schlägt zurück" - von André Kühnlenz
So manch Imperator hat sich an Russland schon die Zähne ausgestoßen
Utl.: So manch Imperator hat sich an Russland schon die Zähne
ausgestoßen =
Wien (OTS) - Wer gehofft hatte, nach der Präsidentenwahl würde in der
Ukraine endlich Ruhe einkehren, wurde enttäuscht. Jeden Tag sterben
noch immer Menschen in den Kämpfen - tragisch ist jeder Tote, egal,
welche Sprache er gesprochen hat. Und für Geschäftsleute aus
Österreich wird es immer schwieriger zu erkennen, wie die Großmächte
im Hintergrund die Fäden ziehen. Dies gilt auch für Journalisten, die
sich aus nah und fern ein Bild machen wollen.
Aus Sicht der neutralen Österreicher sind alle gut beraten, weiterhin
auf eine Verhandlungslösung zu drängen - nicht nur wegen der
Interessen der Austro-Wirtschaft in Russland. Eine verstärkte
Isolation und härtere Sanktionen führen am Ziel einer friedlichen
Zukunft für die Region vorbei. Doch die Falken behaupten, dass Moskau
erst bestraft werden müsse, damit es auch einknickt.
Am Gerede der Scharfmacher mutet vieles falsch an. Nicht nur, dass
Sanktionen, die gerade von den USA verschärft wurden, die
krisengeplagte Euro-Wirtschaft zusammen mit Russland treffen. Es
könnten auch andere Interessen eine Rolle spielen.
Denn Russland hält wie China wichtige Schlüsselindustrien daheim
unter nationaler Kontrolle: sei es durch den Staat oder die mit ihm
verbandelten Eliten. Zudem planen Russen und Chinesen seit Jahren,
sich vom US-Dollar als Zahlungsmittel im internationalen Handel vor
allem im Ölgeschäft zu lösen. Die Gründung eines eigenen Reservefonds
der großen BRICS-Schwellenländer diese Woche dürfte ein wichtiger
Schritt in diese Richtung sein.
Wer würde sich wohl darüber freuen, wenn einmal im Kreml ein
Staatschef sitzt, der Öl- und Gaskonzerne so weit für Ausländer
öffnet, dass US-Gesellschaften dort die Kontrolle erlangen könnten?
Die Vorherrschaft des Dollar wäre auf Jahre gesichert und damit auch,
dass die USA weiterhin jeden Aufschwung mit den Ersparnissen aus
aller Welt finanzieren können. Ob eine solche Strategie aufgeht,
steht auf einem anderen Blatt. So manch Imperator hat sich an
Russland die Zähne ausgebissen.
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