- 11.07.2014, 17:10:31
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Firma"
Ausgabe vom 12. Juli 2014
Utl.: Ausgabe vom 12. Juli 2014 =
Wien (OTS) - Der Sieger der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien
stand schon vor Beginn fest, er heißt Fifa. Der internationale
Fußballverband verzeichnet 1,4 Milliarden Dollar Jahreseinnahmen,
verfügt über Brutto-Finanzreserven von 2 Milliarden Dollar - und gilt
im Sitzland Schweiz als gemeinnütziger Verein. Das bringt
Steuervorteile, im Jahr 2013 zahlte die Fifa der Schweiz ganze 17
Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Zum Vergleich: Allein das
Fifa-Management unter Führung von Präsident Joseph Blatter kassiert
offizielle Gagen von 36,3 Millionen Euro.
Und das reicht manchen offenbar nicht, denn die Korruption begleitet
die Fifa wie Motten das Licht. Zuletzt wurde sie sichtbar bei der
Flucht des Chefs einer Fifa-Tochtergesellschaft aus einem Luxushotel
in Rio wegen des Vorwurfs von massivem Schwarzhandel mit Tickets. In
Südafrika dafür muss der Rasen des ultramodernen Stadions in Mbombela
regelmäßig bewässert werden, während es in der benachbarten Township
immer noch keine Trinkwasserversorgung gibt. Die Fifa hat in
Südafrika für die Ausrichtung der WM keine Steuern bezahlt und tut
dies auch in Brasilien nicht. Auch Russland (2018) und Katar (2022)
haben der Fifa Steuerfreiheit zusichern müssen.
Dafür tauchen in der Fifa in immer rascherer Folge
Korruptionsskandale auf - kein Wunder, wenn jährlich 1,4 Milliarden
Dollar von einem privaten Verein zu verteilen sind, der keinerlei
Kontrolle unterliegt und ein globales Monopol aufgezogen hat. Dass
die WM-Austragungsländer im internationalen Korruptionsindex am
falschen Ende anzutreffen sind, passt perfekt in dieses Bild.
Mit der Vergabe an Katar könnte die Fifa den Bogen überspannt haben,
aber nur könnte. Joseph Blatter, der das System seit 1998
perfektioniert, will 2015 noch einmal gewählt werden. Und er hat
dafür viel Geld zur Verfügung. Denn während hunderte Millionen
Menschen in aller Welt gebannt die Spiele betrachteten, ging die Fifa
ruhig ihren Geschäften nach.
Es liegt an den 209 Mitgliedsverbänden der Fifa, endlich für Ordnung
zu sorgen. Großsponsoren wie Adidas und Sony werden bereits nervös,
das korrupte Umfeld beschädigt auch deren Image. Und auch die Schweiz
sollte sich überlegen, ob ein Vermarktungsmonopolist als
gemeinnütziger Verein durchgeht. Fußball ist eine großartige Sache,
die Fifa nicht.
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