Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Firma"

Ausgabe vom 12. Juli 2014

Wien (OTS) - Der Sieger der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien stand schon vor Beginn fest, er heißt Fifa. Der internationale Fußballverband verzeichnet 1,4 Milliarden Dollar Jahreseinnahmen, verfügt über Brutto-Finanzreserven von 2 Milliarden Dollar - und gilt im Sitzland Schweiz als gemeinnütziger Verein. Das bringt Steuervorteile, im Jahr 2013 zahlte die Fifa der Schweiz ganze 17 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Zum Vergleich: Allein das Fifa-Management unter Führung von Präsident Joseph Blatter kassiert offizielle Gagen von 36,3 Millionen Euro.

Und das reicht manchen offenbar nicht, denn die Korruption begleitet die Fifa wie Motten das Licht. Zuletzt wurde sie sichtbar bei der Flucht des Chefs einer Fifa-Tochtergesellschaft aus einem Luxushotel in Rio wegen des Vorwurfs von massivem Schwarzhandel mit Tickets. In Südafrika dafür muss der Rasen des ultramodernen Stadions in Mbombela regelmäßig bewässert werden, während es in der benachbarten Township immer noch keine Trinkwasserversorgung gibt. Die Fifa hat in Südafrika für die Ausrichtung der WM keine Steuern bezahlt und tut dies auch in Brasilien nicht. Auch Russland (2018) und Katar (2022) haben der Fifa Steuerfreiheit zusichern müssen.

Dafür tauchen in der Fifa in immer rascherer Folge Korruptionsskandale auf - kein Wunder, wenn jährlich 1,4 Milliarden Dollar von einem privaten Verein zu verteilen sind, der keinerlei Kontrolle unterliegt und ein globales Monopol aufgezogen hat. Dass die WM-Austragungsländer im internationalen Korruptionsindex am falschen Ende anzutreffen sind, passt perfekt in dieses Bild.

Mit der Vergabe an Katar könnte die Fifa den Bogen überspannt haben, aber nur könnte. Joseph Blatter, der das System seit 1998 perfektioniert, will 2015 noch einmal gewählt werden. Und er hat dafür viel Geld zur Verfügung. Denn während hunderte Millionen Menschen in aller Welt gebannt die Spiele betrachteten, ging die Fifa ruhig ihren Geschäften nach.

Es liegt an den 209 Mitgliedsverbänden der Fifa, endlich für Ordnung zu sorgen. Großsponsoren wie Adidas und Sony werden bereits nervös, das korrupte Umfeld beschädigt auch deren Image. Und auch die Schweiz sollte sich überlegen, ob ein Vermarktungsmonopolist als gemeinnütziger Verein durchgeht. Fußball ist eine großartige Sache, die Fifa nicht.

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