Schulgeld durch die Hintertür - Oberösterreichs Eltern berappen 15 Millionen Euro für Privatnachhilfe ihrer Kinder

Linz (OTS) - In Oberösterreich muss etwa jeder fünfte Haushalt mit Schulkindern außerschulische Lernhilfe in Anspruch nehmen. Die Privatnachhilfe ihrer Kinder kostet Eltern im Schnitt rund 670 Euro pro Schuljahr. Hochgerechnet auf das Bundesland sind das 15 Millionen Euro. "Dieses Schulgeld durch die Hintertür ist nicht akzeptabel. Für viele Haushalte sind die Ausgaben für die Schule auch so schon belastend genug. Wir müssen das Schulsystem so umgestalten, dass quer über alle Schultypen der Lehrstoff ausreichend vermittelt und geübt und damit Privatnachhilfe überflüssig wird", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

In einer repräsentativen Studie hat das IFES im Auftrag der Arbeiterkammer im April und Mai dieses Jahres Eltern von Schulkindern zum Thema Nachhilfe befragt. Ergebnis: In Oberösterreich fühlen sich knapp 40 Prozent aller betroffenen Eltern durch die Kosten sehr stark bzw. spürbar belastet, bei niedrigeren Haushaltseinkommen sogar 80 Prozent. Logische Konsequenz: Privatnachhilfe wird eher in Anspruch genommen, je höher das Haushaltseinkommen ist. Fast zehn Prozent der befragten Eltern geben ausdrücklich an, sich bezahlte Nachhilfe nicht (mehr) leisten zu können.

80 Prozent aller befragten Eltern lernen mit ihren Kinder zu Hause, ein Drittel sogar täglich. Je älter die Kinder bzw. je höher die Schulstufe ist, umso weniger ist das möglich. Der Hilfslehrereinsatz kostet nicht nur Zeit, sondern führt oft auch zu Stress und familiären Konflikten.

Problemfach "Mathe"
Bei zwei von drei Haushalten muss in Mathematik außerschulisch nachgeholfen werden. Mathematik ist quer über alle Schulstufen und Schultypen Nachhilfefach Nummer 1. Das sollte Anlass genug sein, um über neue didaktischen Ansätze sowie über eine Stärkung der Kompetenzen (z.B. auch der Sozialkompetenz) der Lehrenden nachzudenken. Was klappt in der Privatnachhilfe, was im Klassenzimmer offenbar nicht möglich ist?

Nachhilfe, um möglichst gute Noten zu haben
Früher wurde Nachhilfe vornehmlich beansprucht, um Fünfer zu verhindern. Dieses Motiv geben in Oberösterreich nur mehr 16 Prozent der Befragten an. Fast die Hälfte der Nachhilfeschüler/-innen will die Note ausbessern. Das zeigt, dass Wettbewerb und Leistungsdruck immer stärker auf die Schule durchschlägt. Rund die Hälfte der Nachhilfeschüler/-innen fragt Nachhilfe nach wie vor im Vorfeld von Tests und Schularbeiten nach, 43 Prozent erhalten Nachhilfe bereits während des gesamten Schuljahres. Das Ausmaß nimmt zwar mit der Schulstufe zu, ist aber keineswegs auf die Oberstufe beschränkt. So erhalten beispielsweise bereits sieben Prozent der Volksschüler/-innen Nachhilfe.

Professionelle Institute und der "graue Markt"
Ein Viertel der bezahlten Nachhilfe wird über professionelle Nachhilfe-Institute abgewickelt. Dem steht ein breiter "grauer Angebotsmarkt" gegenüber, der sich in hohem Maß aus Lehrkräften (knapp ein Drittel der bezahlten Nachhilfe in Oberösterreich) und Studierenden (gut ein Fünftel) zusammensetzt.

Fazit
Privatnachhilfe ist nicht für alle leistbar und verstärkt daher Bildungsungleichheit, auch wenn sie im Einzelfall oft sehr effizient ist. Was im Nachhilfeunterricht möglich ist, muss auch in der Schule möglich sein. Hohe Unterrichtsqualität und ein schulischer Förderunterricht in kleinen Lerngruppen dürfen nicht an der Kostenfrage scheitern. In der Schule muss genügend Zeit zum Nachfragen, Üben und Wiederholen sein. Dafür müssen auch die Rahmenbedingungen des Unterrichtens sowie der Umfang von Lehrplänen überdacht werden.

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