- 07.07.2014, 18:30:31
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Wirtschaftsblatt-Leitartikel: "Alarmsignale für die Konjunktur" - von Andre Kühnlenz
Berlin sollte endlich seine Investitionen hochfahren und der EU damit helfen.
Utl.: Berlin sollte endlich seine Investitionen hochfahren und der
EU damit helfen. =
Wien (OTS) - Die neuesten Konjunkturmeldungen aus Deutschland sind
ein schlechtes Omen für die österreichische Wirtschaft. Die deutschen
Industriebetriebe bekommen immer weniger Bestellungen herein. Seit
März schrumpft die Produktion - insgesamt bereits um zwei Prozent.
Pessimistische Volkswirte rechnen damit, dass im Frühjahrsquartal die
Wirtschaftsleistung gerade noch so stagniert sei.
Doch damit nicht genug. Auch im gesamten Euroraum habe sich die
Konjunktur alarmierend scharf verlangsamt, warnt die Beratungsfirma
Capital Economics. In Spanien war zuletzt die Industrieproduktion
ebenfalls rückläufig . In Italien und Frankreich dürfte es nicht
besser aussehen. Als Gründe für die Abschwächung machen die Fachleute
vor allem geopolitische Risiken durch den Russland-Ukraine-Konflikt
und die Irak-Krise aus sowie die Verteuerung des Euro bis in das
Frühjahr hinein.
Die schlechten Neuigkeiten treffen Österreich zu einem Zeitpunkt, an
dem die hiesige Binnenwirtschaft darniederliegt. Man muss schon bis
zum Schlussquartal 2011 zurückgehen, um hier noch ein Miniwachstum in
den offiziellen Statistiken zu finden. Die jüngsten vorsichtigen
Erholungstendenzen waren allein vom Außenhandel der Dienstleister
getragen.
In den östlichen EU-Ländern sind die Spuren bereits klar erkennbar.
In Polen, Tschechien und Ungarn zeigt sich, dass die
Volkswirtschaften das hohe Wachstumstempo von Anfang des Jahres nicht
durchhalten werden. Viele Länder profitieren derzeit eher davon, dass
öffentliche Gelder aus Brüssel reichlich fließen - was bis zum Ende
der laufenden EU-Finanzierungsperiode 2015 noch etwas Schwung bringt.
Noch wissen wir aber nicht, wie lang diese Schwächephase anhält, und
ob eine neue Rezession droht. Wünschenswert wäre es jedenfalls, wenn
Deutschland endlich anfangen würde, seinen Investitionsstau
abzubauen. So würden die Deutschen der gesamten EU einen wichtigen
Wachstumsschub geben. Nach EU-Prognose werden die öffentlichen
Haushalte 2015 bereits 42 Milliarden Euro weniger investiert, als sie
seit zehn Jahren abgeschrieben haben. Straßen, Schienen und
Wasserwege in Deutschland verkommen zusehends.
Dabei könnte sich zumindest die Berliner Bundesregierung sogar noch
mehr Schulden leisten. Denn nächstes Jahr, so sagt die EU voraus,
wird die Zinslast des deutschen Staats auf gerade einmal 1,8 Prozent
der Wirtschaftsleistung sinken.
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