Österreichs Wirtschaft fällt zurück

Der Reform-Unwille kostet Österreich sehr viel Geld

Wien (OTS) - "Dass die Wachstumsprognose für die österreichische Wirtschaft nach unten korrigiert wurde, wundert mich nicht. Hauptverantwortlich ist die Tatsache, dass die Pro-Kopf-Nettolöhne seit dem Jahr 2010 rückläufig sind. Die Lohnabschlüsse reichen einfach nicht aus, um die kalte Progression und die Inflation auszugleichen. Das drückt auf die Kauflaune der Österreicher", erklärt Dr. Barbara Kolm, die Präsidentin der Friedrich A. von Hayek-Instituts und die Direktorin des Austrian Economics Centers.

Anders verhält es sich in Deutschland: Hier belebt die Reallohnentwicklung die Wirtschaft. Für 2014 werden in Deutschland sogar die höchsten Reallohnzuwächse seit drei Jahren erwartet. In Österreich bremst die hohe Abgabenquote den Konsum und somit die Wirtschaftsentwicklung. Laut der EU-Kommission hat Österreich mit 45,3 Prozent (2013) eine der höchsten Abgabenquoten innerhalb der Europäischen Union. Innerhalb der Eurozone lag die Abgabenquote im letzten Jahr bei durchschnittlich 42,1 Prozent, in Deutschland bei lediglich 40,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Österreichische Unternehmen zahlten im Jahr 2012 rund 46 Mrd. Euro an Steuern oder Abgaben. Die Arbeitskosten betragen hierzulande laut dem EU-Statistikamt Eurostat 31,4 Euro pro Stunde, das bedeutet, dass sie zwischen 2008 und 2013 um 18,9 Prozentpunkte angestiegen sind. Der EU-Durchschnittswert liegt bei 23,7 Euro. Spitzenreiter ist Belgien (38,0 Euro), Schlusslicht ist Bulgarien, wo die Arbeitskosten im Jahr 2013 bei lediglich 3,7 Euro pro Stunde lagen.

Vor allem im internationalen Vergleich verliert die österreichische Wirtschaft immer mehr an Boden. Österreichische Wirtschaftsexperten mussten die Prognosen sogar nach unten revidieren: Anstatt der ursprünglich erwarteten 1,7 Prozent wird die heimische Wirtschaft heuer lediglich um 1,4 Prozent wachsen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die jüngsten Prognosen mit 2 Prozent Wirtschaftswachstum deutlich über den Erwartungen liegen.

"Obwohl die Staatseinnahmen in Österreich im letzten Jahr um 3,4 Prozent bzw. 5,1 Mrd. Euro gestiegen sind, schafft es die Bundesregierung nicht, die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich zu verbessern. Mehreinnahmen werden nicht nachhaltig investiert, sondern primär zum Stopfen von unerwarteten Budgetlöchern verwendet. Darin liegt einer der Gründe weshalb die österreichische Wirtschaft im internationalen Vergleich langsam aber sukzessive immer weiter zurückfällt", ist sich Kolm sicher.

Österreichs Wirtschaft ist im "World Competitiveness Scoreboard" (Quelle: World Competitivness Yearbook) vom 16. Platz (2009) auf den 23. Platz im Jahr 2013 zurückgefallen. Im "Ease of Doing Business Index" der Weltbank fiel Österreich vom 28. Platz (2010) auf den 30. Rang (2014) unter insgesamt 189 Staaten zurück. Und selbst im "Index of Economic Freedom" (Quelle: Heritage Foundation) rangierte Österreich im vergangenen Jahr nur noch auf dem 25. Platz, 2009 lag die heimische Wirtschaft noch an 23. Stelle.

"Es ist klar, dass die hohe Staatsverschuldung die Investitionsmöglichkeiten reduziert. Vor allem dann, wenn man wirklich eine ernsthafte Budgetkonsolidierung ins Auge fassen möchte. Dass es keinen echten Reformwillen gibt, stößt mittlerweile überall auf Unverständnis. Der Reform-Unwille kostet uns sehr viel Geld", betont Kolm.

  • Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen müssen unter Kontrolle gebracht werden, ohne dass die Qualität der Gesundheitsleistungen zurückgeht.
  • Die Bildungsausgaben Österreichs liegen mit 5,56 Prozent des Bruttoinlandsproduktes über dem EU-Durchschnitt (5,07 Prozent). Allerdings sind die Bildungsergebnisse bei den 10- bis 15-Jährigen unterdurchschnittlich. 9546 Euro kostet ein Schüler pro Jahr. Der EU-Durchschnitt liegt bei 7027 Euro.
  • Die wachsende Zahl von Studierenden (284.455 im WS 2012/2013) stellt das Hochschulwesen vor finanzielle und organisatorische Probleme. Rund 20 Prozent der Studenten sind aus dem Ausland. Österreich finanziert zwar ihre Ausbildung, profitiert aber nach Abschluss ihres Studiums zu wenig von ihnen.
  • Trotz Rekordarbeitslosigkeit (4,7 Prozent im Juni 2014) ist die Beschäftigungsquote in Österreich hoch. Bei älteren Arbeitnehmern jedoch deutlich unter dem OECD-Schnitt (ca. 45 % vs. 65 % bei 55 bis 64-Jährigen).

"Die explodierenden Ausgaben lassen sich primär durch Reformen in den Griff bekommen. Sie sind nachhaltiger und erfolgsversprechender als kostspielige Konjunkturspritzen. Die logische Folge ist ein Wirtschaftsaufschwung, der Spielraum für noch größere Reformvorhaben wie eine Steuerreform schafft", erklärt Kolm abschließend. Quellen: WKÖ, OECD, EUROSTAT, Statistik Austria, Weltbank

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