- 27.06.2014, 17:16:29
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die schwarze Kugel"
Ausgabe vom 28. Juni 2014
Utl.: Ausgabe vom 28. Juni 2014 =
Wien (OTS) - Die Entscheidung des Finanzministers, dem deutschen
Spielautomaten-Betreiber Gauselmann im Palais Schwarzenberg eine
Casino-Lizenz zu geben, ist für die Casinos Austria ein herber
Schlag. Es offenbart allerdings auch eine politische Zeitenwende, die
bis vor kurzem noch vollkommen undenkbar war: Ein ÖVP-Obmann
entscheidet sich gegen Raiffeisen, und zwar in einer für die
Giebelkreuz-Organisation wesentlichen Angelegenheit.
Solchen ÖVP-Obleuten wird normalerweise ein gewisser Todestrieb
unterstellt. Was sich da spät am Donnerstag im Büro des
Finanzministers abgespielt hat, könnte auch in einem Krimi stehen.
Denn Raiffeisen kontrolliert mit seinen 36 Prozent die Casinos
Austria. RZB-Chef und oberster Raiffeisen-Funktionär Walter
Rothensteiner ist Aufsichtsratspräsident des Unternehmens. Der
frühere ÖVP-Obmann und nunmehrige Raiffeisen-Manager Josef Pröll
sitzt ebenfalls im Casino-Aufsichtsrat.
Die Entscheidung für das Palais Schwarzenberg ist für Casinos in Wien
und Baden ein ungeheurer Schlag, mit direkten negativen Auswirkungen
auf den Unternehmenswert der Casinos Austria. Es darf daher ruhig
angenommen werden, dass sich Raiffeisen diese Entscheidung nicht
einfach gefallen lassen wird.
Neben den rechtlichen Möglichkeiten gibt es natürlich auch
politische. Michael Spindelegger hat - nach seiner Hypo-Entscheidung
und harschen Kapitalvorschriften - Raiffeisen das dritte Mal in einer
wesentlichen Sache links liegen lassen. Da hinter Raiffeisen der
Bauernbund steht, kriegt er damit langsam ein Problem. Der
Wirtschaftsbund steht dem ÖAAB-Mann Spindelegger schon länger
kritisch gegenüber. Mit der jetzigen Entscheidung dürfte er sich beim
Bauernbund, dessen Obmann Jakob Auer auch einer der
Top-Raiffeisen-Funktionäre ist, ebenfalls Zores einhandeln.
Natürlich ist Spindeleggers Entscheidung auch für den Vorstand der
Casinos Austria eine existenzielle Frage, doch dabei wird es wohl
nicht bleiben. Hinter den Kulissen wird es in der Volkspartei in den
kommenden Wochen hart zur Sache gehen. Wenn sich Spindelegger mit
seiner Linie durchsetzt, dann brechen in Österreich neue Zeiten an.
Die Allmacht Raiffeisens wäre gebrochen. Wenn sich Spindelegger
allerdings nicht durchsetzt, dann steht die ÖVP vor einer öffentlich
geführten Obmann-Debatte.
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