• 27.06.2014, 11:12:20
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Experten: Tourismus steht vor digitalen Herausforderungen

Ressourcenmangel, neue Online-Konkurrenz und hohe Provisionen der Buchungsportale setzen Branche zu - Podiumsdiskussion beleuchtete aber auch Potenzial neuer Technologien

Tourismus digital: Wie Gäste zu Botschaftern
werden. Im Bild v.l.n.r. Jürgen Horak (Dimension Data), Michael
Scheuch (Österreich Werbung), Gerald Binder (Evolaris), Roman
Mayrhofer (WKO), Karin Thiller (APA-OTS), Rainer Schuster (TU Wien)
und Thomas Stern (Moderation, Braintrust).

Utl.: Ressourcenmangel, neue Online-Konkurrenz und hohe Provisionen
der Buchungsportale setzen Branche zu - Podiumsdiskussion
beleuchtete aber auch Potenzial neuer Technologien =

Wien (OTS) - Digitale Medien begleiten inzwischen den gesamten
Customer Lifecycle im Tourismus: von der Inspiration - etwa der
Destinationssuche auf Youtube - über Online-Planung und -Buchung bis
zur Erlebnisphase, in der die Urlauber ihre Erfahrungen über soziale
Medien teilen, damit zu Multiplikatoren werden und so wieder andere
inspirieren. Diese Trends würden das Marketing deutlich komplexer
machen, erklärte Michael Scheuch von der Österreich Werbung bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien.

Zudem sei die Macht über die Markenführung verloren gegangen. Die
Empfänger würden zu Sendern, die Zielgruppen tauschen sich digital
aus. Nun gelte es, die Opinion Leader für das Empfehlungsmarketing zu
nutzen. Ein weiterer Trend sei der Weg von der reinen Werbung hin zu
nutzenstiftenden Informationen, die über viele Kanäle ausgespielt
werden können. "Wir müssen über Content und Storytelling digitale
Markenerlebniswelten erschaffen", so Scheuch. Nachholbedarf gebe es
bei den Möglichkeiten zur Online-Buchung. Hier hinke Österreich
hinterher. Zudem sei das WLAN-Angebot ausbaubar. "Dass Gäste ihre
Erlebnisse vor Ort teilen können, ist wahrscheinlich die günstigste
Werbung", sagte Scheuch.

Auch Rainer Schuster von der Technischen Universität (TU) Wien
betonte die Bedeutung der Inspirationsphase im gesamten Reisezyklus:
"Ein Drittel der Urlaubshungrigen weiß zu Beginn noch nicht, wo die
Reise hingehen soll." Ein Problem sei der digitale Bruch bei der
Buchung. "Die Anbieter geben viel Geld aus, um den Gast auf die
eigene Website zu bekommen, die landen aber trotzdem bei
Buchungsportalen. Allerdings verlangen Branchengrößen wie booking.com
hohe Provisionen zwischen 15 und 40 Prozent, die ins Ausland
abfließen", so Schuster.

Konkurrenz durch Plattformen wie Airbnb

Er hält zudem übergeordnete Instanzen für notwendig, die für eine
gewisse Datenbasis bzw. Infrastruktur sorgen. So würden Urlauber wohl
kein Verständnis dafür aufbringen, wenn die in einer App
ersichtlichen Mountainbike-Strecken an der "Grenze" zum nächsten
Tourismusgebiet aufhören. In neuen Plattformen wie Airbnb, über die
Privatquartiere vermittelt werden, sieht er eine gewisse Konkurrenz.
Allerdings geht der Experte davon aus, dass es in diesem
"Graubereich" nicht so weiter gehen werde. Hier seien noch viele
Fragen zu klären.

"Wir haben dazu keine aktuellen Zahlen. Aber geschätzten 5.000 bis
10.000 privaten Appartements stehen in Wien 65.000 Betten am Markt
gegenüber. Das könnte schon zu massiven Veränderungen führen",
ergänzte Roman Mayrhofer von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).
Allerdings seien die Appartements zum Teil nicht registriert und
würden damit auch keinen Auflagen unterliegen. "Daher fordern wir
gleiche Bedingungen für alle", so Mayrhofer.

Technologie trifft auf Ressourcenmangel

Was die Digitalisierung betrifft, müssten die Hoteliers die
Dienstleistung am Gast im Fokus behalten. Gleichzeitig würden sich
die Ressourcen aber immer stärker Richtung Technologie verschieben.
"Das ist ein schwieriger Spagat. Den gesamten Customer Lifecycle der
Gäste abzudecken oder alle Kanäle zu beobachten, ist ohnehin
illusorisch. Dazu braucht es Unterstützung von außen", so der
Hotelier.

Was etwa das Reputationsmanagement anbelange, hätten klassische
Medien, die Inhalte zugänglich und auch für Suchmaschinen auffindbar
machen, nach wie vor einen hohen Stellenwert, erklärte Karin Thiller
von APA-OTS. Außerdem bleibe Content - egal ob klassische PR oder
Content Marketing - ein Zauberwort in der Kundenbindung und in der
Einbeziehung der Nutzer. Durch den Trend zum Internet der Dinge sei
auch eine wahre Datenflut zu erwarten, die für zielgerichtetes
Marketing genutzt werden könnte.

Begeisterung durch Innovation schüren

Gerald Binder vom Kompetenzzentrum Evolaris verwies zudem auf die
Möglichkeit, die Begeisterung der Gäste durch Innovationen zu
schüren. Beispiele dafür seien Daten-Skibrillen, die die
Liftwartezeiten einblenden, und in Zukunft vielleicht Google Glass
als Stadtführer oder Smartwatches. Angebote wie Gratis-WLAN würden
von den Urlaubern hingegen zum Teil schon vorausgesetzt. Auch das
Potenzial von Social Media sei noch lange nicht erschöpft.

Mehr Innovationen hält auch Jürgen Horak vom Systemintegrator
Dimension Data für notwendig. "Nach wie vor erhält man im Spa-Hotel
einen Zettel, auf dem Termin und Ort der gebuchten
Wellness-Behandlung stehen. Hier wäre eine App interessant, die mich
an den Termin erinnert und mich dorthin lotst", so der Experte. Für
den Hotelbetreiber könnten da auch die Kundendaten - also wer nutzt
was wann - interessant sein.

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